Millionen Deutsche würden gern mehr arbeiten

15. August 2012, 14:10

Vor allem Frauen in Teilzeit, es hakt aber an der Kinderbetreuung. Trotzdem wollen weit mehr Menschen Stunden reduzieren

Berlin - 7,4 Millionen Deutsche suchen einen Job oder würden gern mehr arbeiten. Zu diesem Ergebnis kommt das Statistische Bundesamt in einer am Mittwoch veröffentlichten Untersuchung, die auf einer Haushaltsbefragung beruht. Um in Zeiten des drohenden Fachkräftemangels das brachliegende Potenzial an Arbeitskräften zu heben, fordern Experten den Ausbau der Kinderbetreuung. Das soll vor allem Frauen bessere Jobchancen geben.

Die größte Gruppe innerhalb des "ungenutzten Arbeitskräftepotenzials" bilden die 2,5 Millionen Erwerbslosen, die aktiv eine Beschäftigung suchen und auch kurzfristig für eine Anstellung zur Verfügung stehen. Fast zwei Millionen Teilzeitbeschäftigte möchten ihre Arbeitszeit gern erhöhen, ebenso 1,7 Millionen Vollzeitbeschäftigte. Hinzu kommt noch die sogenannte "Stille Reserve": Das sind 1,2 Millionen Männer und Frauen, die kurzfristig keinen Job annehmen können oder derzeit nicht aktiv auf Arbeitssuche sind.

Viele Beschäftigte wollen weniger arbeiten

Nach einer Studie des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) gibt es gleichzeitig jedoch weit mehr Beschäftigte, die gern weniger arbeiten wollen und entsprechende Lohneinbußen in Kauf nehmen würden. "Könnten alle Arbeitnehmer so arbeiten wie sie wollen - die einen länger, die anderen kürzer - dann würden unter dem Strich zwei Millionen zusätzliche Arbeitskräfte benötigt", sagte IMK-Arbeitsmarktexperte Hartmut Seifert.

"Die einzelnen Formen des ungenutzten Arbeitskräftepotenzials unterscheiden sich teilweise deutlich zwischen den Geschlechtern", fanden die Statistiker heraus. So liegt der Frauenanteil bei den knapp zwei Millionen Unterbeschäftigten in Teilzeit bei 72 Prozent.

Die Gründe dafür unterscheiden sich in Ost und West. Ostdeutsche weichen häufig auf Teilzeit aus, weil sie keine Vollzeittätigkeit finden. "Von westdeutschen Frauen hingegen wird eine Teilzeitbeschäftigung häufig aus persönlichen oder familiären Gründen wie beispielsweise aus Kinderbetreuungsverpflichtungen heraus angenommen", hieß es.

Dem IMK zufolge kann der Staat mit dem Ausbau von Kindertagesstätten und Ganztagsschulen dafür sorgen, dass mehr Frauen einen Job annehmen oder länger arbeiten. "Wenn es eine qualitativ und quantitativ bessere Kinderbetreuung gibt, dann werden auch mehr Frauen Vollzeit arbeiten", sagte Seifert. "Es gibt ein enormes Potenzial an gut ausgebildeten Frauen, das mobilisiert werden kann, wenn die Rahmenbedingungen stimmen." Damit lasse sich auch die drohende Fachkräftelücke verkleinern. Das sieht die von der Wirtschaft finanzierte Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) genauso. "Bei der Kinderbetreuung gibt es nach wie vor den größten Handlungsbedarf", sagte ihr Geschäftsführer Hubertus Pellengahr.

Männer dominieren bei Vollzeitbeschäftigten

Männer dominieren mit einem Anteil von 73 Prozent bei den Vollzeitbeschäftigten mit mindestens 32 Wochenstunden, die gern mehr arbeiten möchten. Sie wollen ihre Arbeitszeit jedoch meist nur um wenige Stunden erhöhen.

Der größte Teil der im Aufschwung geschaffenen Jobs wurde nach Einschätzung der Lobbygruppe INSM mit Arbeitsuchenden aus der "Stillen Reserve" besetzt. "Da sind wir auf dem richtigen Weg", sagte Geschäftsführer Pellengahr. Zudem sei es wichtig gewesen, mit den Hartz-Reformen den Arbeitsmarkt zu flexibilisieren und mehr Anreize zur Aufnahme einer Beschäftigung zu schaffen. Teilzeit werde von vielen Menschen gewünscht und sollte noch mehr ausgebaut werden - zum Vorteil der Unternehmen und der Beschäftigten. Zudem müssten Arbeitnehmer besser weiterqualifiziert werden, wenn sie nach einer Auszeit auf den Jobmarkt zurückkehren. (APA/Reuters, 15.8.2012)

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17 Postings
Arbeit muss frei (zwanglos) werden !

(Erwerbs)Arbeit : eine Welt, die von Männer dominiert ist ! Darüber hinaus, "könnten alle Arbeitnehmer so arbeiten wie sie wollen - die einen länger, die anderen kürzer - dann würden unter dem Strich zwei Millionen zusätzliche Arbeitskräfte benötigt". (Erwerbs)Arbeit : eine Welt, die nicht frei ist, wo viele wollen aber können nicht ! Arbeit muss frei von Erwerb sein, bzw. muss ein Grundeinkommen unabhängig von der Tätigkeit gewährleistet werden. Oder sollen wir uns mit dem alten grausigen Gebot "Arbeit macht frei" weiter entwickeln ?

"Millionen Deutsche würden gern mehr arbeiten"

hahaha. so ein blödsinn. viel eher:

"Millionen Deutsche würden gern mehr Geld haben."

ja das gibts doch nicht

das sollte doch laut theorie die unsichtbare hand des marktes schon längst gelöst haben

aber diese hand scheint seit reagan + thatcher nur mehr für handjobs für superreiche benutzt zu werden

wenn sie Arbeit hätten

x tausende Österreicher auch

auf der einen Seite wollen Deutsche mehr arbeiten....

... auf der anderen Seite schaffen Deutsche Entwickler Technologie die wieder Arbeit derer reduziert. Beispiel Post: Während einerseits der Postweg von E-mail reduziert wird, schaffen andere wie SIEMENS Sortiernanlagen. Noch besser und schneller als je reduzieren diese Maschinen die Arbeit der Menschen. Aber nicht nur! Was also - wenn so über alle Bereiche denkt - will man in Zukunft wirklich Mehr arbeiten. Man bedenke, das nicht mal die Supermarktkassa so sicher ist wie sie scheint. Auch hier kann Technologie den Inhalt eines Einkaufwagens automatisch ohne Kassa und Einscannen erfassen.

Das nennt man technischen Fortschritt! Wenn schwierige, monotone rein manuelle Tätigkeiten durch Maschinen ersetzt werden, sehe ich das als Fortschritt. Wer sortiert schon gerne Briefe oder verrichtet ähnlich stupide Arbeiten? Es wird auch in Zukunft noch mehr als genug Arbeit geben, aber nicht für Geringqualifizierte. Ziel kann daher nur sein, in (Aus-)Bildung zu investieren.

Es gibt JETZ schon nicht mehr genug Arbeit, geschweige denn "mehr als genug".

Die Qualifizierung wird also zur reinen Beschäftigungstherapie.
Dabei hilft auch der - konsequent seit 20 Jahren vor uns davonlaufende - "Fachkräftemangel" nicht.
Denn allein der PRODUKTIVITÄTSZUWACHS macht den Beschäftigungszuwachs jedes Jahr mehr als Wett. Davon, dass wir von kaum einem Produkt noch mehr brauchen als ohnehin produziert wird, ganz zu schweigen.

Das erklärt natürlich, warum die Arbeitslosigkeit in technisch weniger entwickelten Ländern, in denen der primäre und sekundäre Sektor dominieren, in der Regel vernachlässigbar gering ist...

Die Rede ist von Fachkräften, welche besonderes Wissen, Know-How, Erfahrungen haben - nicht von Arbeitsplätzen in der Produktion. Von Ersteren (gut bis hochqualifizierte) gibt es sehr wohl immer noch einen Mangel. Letztere werden zunehmend verschwinden, weil Erstere daran arbeiten Produktionsprozesse, etc. ständig effizienter zu machen. Das wird sich auch nicht ändern oder gar umkehren.

"Millionen Deutsche würden gern mehr arbeiten"

Warum lautet die Überschrift so, wenn drei Absätze weiter unten steht "...gibt es gleichzeitig jedoch weit mehr Beschäftigte, die gern weniger arbeiten wollen und entsprechende Lohneinbußen in Kauf nehmen würden."? Ist ja nicht ganz falsch die Überschrift, aber man bekommt eine falschen Eindruck, wenn man nur die Überschrift liest.

Nicht mehr arbeiten, nur mehr verdienen.

genau das wollt ich auch schreiben

die Löhne sind seit 10 Jahren zurück geblieben - früher haben die Deutschen die Mercedes gefahren. Heute fahren die Italiener und Spanier Mercedes.

Traurig, aber leider fast wahr!

stimmt

die südländer habe sich in den letzten 10 jahren eine goldene nase verdient...aber leider keine steuern gezahlt. mich würde mal interessieren weils wieder so aktuell ist..ob in den südländern schon mal ein bürger vom finanzamt zur steuererklärung aufgefordert worden ist. oder gibt es sowas in den pigs staaten nicht?

Gscheidl!

Einigen könnte geholfen werden

Dort
http://www.zdf.de/ZDFmediat... r%C3%A4gen
wird es noch die ei oder andere freie Stelle geben.

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