Europas ureigene Rezession

Eric Frey
14. August 2012, 21:22
  • Symptomatisch für den Zustand von Europas Industrie: der Autokonzern Peugeot.
    foto: ap/vincent

    Symptomatisch für den Zustand von Europas Industrie: der Autokonzern Peugeot.

Vor allem die Unsicherheit über den Euro verhindert Wachstum – und dies womöglich noch lange Zeit

Die meisten Rezessionen der letzten 30 Jahre sind von den USA ausgegangen. Der Abschwung von 2012, der sich in den Konjunkturdaten von Dienstag manifestiert hat, wurde hingegen in Europa hausgemacht.

2009 war die Konjunktur in der EU noch Opfer der amerikanischen Finanzkrise, doch inzwischen ist diese inzwischen durchgestanden. Die US-Wirtschaft schwächelt zwar weiter, aber sie wächst – wenn auch langsamer als in früheren Erholungsphasen. Die amerikanischen Banken haben ihre Bilanzprobleme zum Großteil gelöst und können daher auch neue Milliardenverluste verkraften.

Europa ist anders. Der Kontinent steckt zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren in einer Rezession, und das betrifft nicht nur die krisengeschüttelten Südländer. Auch Belgien und Finnland stecken tief in der Krise – ebenso wie das Nicht-Euroland Großbritannien.

Österreich und die Niederlande profitieren zwar vom anhaltend starken Wachstum in Deutschland, das allerdings im dritten Quartal sich nicht wiederholen dürfte. Dann droht die gesamte Eurozone ein Null- oder Minuswachstum aufzuweisen.

Der einzige Lichtblick der Zahlen vom Dienstag ist Frankreich, dessen Wirtschaft im zweiten Quartal stagniert hat und nicht- wie erwartet – geschrumpft ist. Aber auch das dürfte nicht von Dauer sein.

Ein Teil dieser Rezession ist unvermeidlich. In Spanien, Portugal, Irland und Griechenland müssen der Staat und die Bürger sparen, um die gewaltigen Leistungsbilanzdefizite abzubauen. Das geht nur, wenn die Wirtschaft schrumpft. Allerdings könnte dies auch weniger radikal und über einen längeren Zeitraum geschehen – hier ist der einseitige Spardruck konterproduktiv.

In Finnland trägt das Leiden des einstigen Hightech-Stars Nokia viel zur Wirtschaftskrise bei. Nokia ist für den Zustand von Europas Industrie ebenso symptomatisch wie Peugeot: Die großen Konzerne haben wichtige Trends verschlafen, und neue Mitbewerber entstehen anderswo, aber nicht auf dem alten Kontinent.

Vor allem aber ist es die Unsicherheit über die Zukunft des Euro, die Europas Wirtschaft bremst. Und hier liegt die Verantwortung bei den Regierenden, die sich auch nach drei Jahren noch immer auf keine Lösung haben einigen können. Im Gegenteil: Die Euro-Spitzen sind heute zerstrittener denn je.

Und das ist das Schlimmste an der Lage. Andere Rezessionen tragen den Keim des Aufschwungs in sich. Aber wenn sich, wie es aussieht, die Eurokrise weiterhin dahinschleppt, halbherzige Rettungsaktionen zwar den Zusammenbruch verhindern, aber auch keinen Befreiungsschlag bieten, dann wird sich auch die Konjunktur in den meisten Ländern nicht erholen.

Dann steht der Eurozone eine lange Phase der wirtschaftlichen Frustration bevor.

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Richtige Diagnose, falsche Schlußfolgerung

Europa hat die Krise 2008/2009 mit massiven Ausweitungen der Staatsausgaben durchtaucht. Schon damals ist klar gewesen, dass diese einmalige Aktion nicht wiederholt werden kann und dass sich in den nächsten Jahren die Konjunktur abschwächen wird. Kein Grund für Schuldzuweisungen, kein Grund zur Panik. Alles läuft wie geplant und vorhergesehen.

ein nebenprodukt der sandlerindustrie

ja eh wachstum alles klar...
demnaechst wird an atlantiden und marsianer verkauft. wenn wachsen das zauberwort ist und nicht schaffen, wuerde das bedeuten das echt superviele arbeitslose menschen gluecklich sind, wenn in einer fabrik von maschinen, weitere maschinen hergestellt ?

aber frey schreibt diesen quatsch ja, weil er im hausinternen kartenspiel verloren hat, und sich jetzt vor allen laecherlich machen muss...
oder war es doch, weill er eigentlich ein hyperlinker ist, der diese kruden theorien nur deswegen absondert, damit seine mitstreiter besser lernen dagegen zu argumentieren ?
hat es etwas mit einem zombiedasein zu tun ?

kottan ermitteln sie...

Wir haben in der EU grundsätzlich zwei Probleme:

Das eine sind die durch die Banken- und Finanzmarktkrise explodierten Staatsschulden: http://goo.gl/FxcIp
(bis 2008 war die Verschuldung der EU fallend)

Das andere Problem sind die unterschiedlichen Lohnstückkosten im Euro-Raum.
In Deutschland sind diese durch Jahrelange Lohnzurückhaltung im Vergleich zu anderen Euro-Ländern viel zu niedrig.
Daraus Resultieren die ungleichen Handelsbilanzen. Deutschland mit einem riesen Überschuss, auf der anderen Seite muss es da natürlich Länder mit einem riesen Defizit gäben.

Mit nationalen Währungen würde man die unterschiedlichen Lohnstückkosten durch auf- bzw. abwerten der nationalen Währungen ausgleichen und somit wieder zu ausgeglichenen Handelsbilanzen kommen.

In einer Währungsunion ist das nicht mehr möglich - hier muss man die Lohnstückkosten auf anderen Weg angleichen

und dieser Weg führt über die Löhne.
Hier gibt es zwei Richtungen, Löhne senken oder eben Löhne erhöhen. Der zweite Weg ist hier allerdings jedenfalls vorzuziehen:

Senkt man die Löhne, dann enstehen dadurch viele Probleme:
Für Unternehmen spielen Kredite eine sehr große Rolle, praktisch jedes Unternehmen hat irgendwo einen Kredit laufen und auch Privatpersonen nehmen sich Kredite auf, zB um Wohnungen zu finanzieren.
Senkt man die Löhne, dann sinken dadurch auch die Umsätze der Unternehmen und es wird schwieriger Kredite zurückzuzahlen. Das selbe gilt für Privatpersonen.

Diese Auswirkungen sind in normalen Zeiten schon nicht ohne, in einer Krise sind sie katastrophal.

Bei Lohnerhöhungen hat man diese Probleme nicht

im Gegenteil, bei Lohnerhöhungen wird es einfacher laufende Kredite zurück zu bezahlen.

Der vorzuziehende Weg ist also jedenfalls der, die Löhne in Deutschland (und anderen Ländern mit zu geringen Lohnstückkosten) zu erhöhen (was ohnehin längst fällig ist), somit werden deren Exporte in den Euro-Raum teurer, die Inlandsnachfrage steigt, die deindustriealisierung der anderen Euro-Länder wird gestoppt und die Handelsbilanzen werden ausgeglichen.
Über Exporte in den Nicht-Euro-Raum braucht man sich übrigens keine Sorgen machen. Die Lohnerhöhungen würden zu einer Abwertung des Euros führen womit die Teuerung durch die Lohnerhöhung auch schon wieder verschwunden wäre.
Diese Maßnahme betrifft allein den Euro-Raum.

Haben Sie das bei Prof.Flassbeck abgeschrieben?

Hier kommt dann allerdings ein drittes Problem hinzu: Die neoliberalen Fundis mit ihrem Spar-Wahn (zB der Frey)

Die wollen das nämlich jetzt in der Krise mit Lohnsenkungen und Austeritätspolitik durchziehen.

Diese Sparpolitik funktioniert in Krisenzeiten allerdings nachweislich nicht. Das ist bloß Kürzungspolitik.

Noch kein Land, das dem Spar-Wahn gefolgt ist, konnte bisher Staatsschulden abbauen - im Gegenteil, die Staatsschulden wachsen dadurch schneller als je zuvor.
Und nebenbei schrumpft man damit die Wirtschaft, erhöht die Arbeitslosigkeit und stürzt Millionen Menschen in die Armut.
Damit wird nichts besser, im Gegenteil, die Krise wird immer noch weiter verschärft.

Und das Problem ist halt, dass den neoliberalen Spakos immer bloß eines einfällt wenn ihre Medizin nicht funktioniert: More of the same.

gebe ihnen völlig recht.
einen kritikpunkt ganz am ende. neoliberale ansätze hätten die krise zu verhindern gewusst. der zentrale punkt um dem es im NEO geht ist das überwinden der von marktversagen, kartellen, oligopolen, etc...also einen wettbewerbsmarkt herzustellen. eine zentrale forderung von neoliberalen ist die persönlich haftung von entscheidungträgern. was meinen sie wie viele kredite vergeben bzw. gekauft worden wären, wenn der vorstand mit teilen seines privatvermögen hätte gerade stehen müssen? oder aktiononäre nicht nur ihren kursverlust hätten beklagen müssen, sondern noch was hinterherschießen...
liberal bedeutet zwar deregulierung aber AUCH ausdehung der haftung, also das durchgriffrecht aufs privatvermögen...

Na jo

Lohnerhöhung führt zu Inflation, was recht unsozial ist weil es die Reichen (insbesondere jene die Sachgüter, insb. Immobilien haben) reicher macht, während Leute, die heute schon 100% ihres Einkommens für Kost & Logis verwenden müssen auf der Strasse und vor Suppenküchen stehen (zumindest wenn Preise für Kost & Logis stärker steigen als die Löhne, was oft der Fall ist)

Derzeit geübte Alternative (plus Sanieren der öffentlichen Haushalte durch Sparen): Inflation ist höher als Zinsen. Entwertet Sparguthaben und sollte zur Konsumation anregen, was aber wegen Furcht vor Jobverlust (Spare in der Not, dann hast Du in der zeit) nicht passiert.

Also Inflation haben wir sowieso

Und wenn Deutschland die Reallöhne jährlich um 2% erhöht, dann haben die halt statt 1-2% Inflation 3-4%, das ist nichts tragisches.

Und die, die ihr Gesamtes Einkommen ausgeben müssen trifft das überhaupt nicht - die bekommen ja zum Ausgleich ein höheres Einkommen.
Getroffen werden dadurch eigentlich nur die, die Geld "rumliegen" haben.

Aber die Alternative ist eben Deflation in den anderen Ländern und eine Deflation will man keinesfalls haben.

Und wenn man weiterdenkt, wird man sowieso irgendwann inflationieren müssen wenn man so weitermacht wie bisher.
Denn die anderen Länder werden so irgendwann bankrott gehen und auch Deutschland wird die Haftungen die sie da übernommen haben nicht stemmen können...

Lohnerhöhung führt zu Inflation, was recht unsozial ist

in dieser allgemeinheit stimmt das nicht. In Sparbuechlgesellschaften ist es nicht sehr sozial. Gesellschaften wie die Italienische, die mit Inflation zu leben gelernt hat, geht "jeder" in Schwerte, wie die 80% Eigenheimbesitzer beweist

Der Karren steckt im Dreck in Europae, aber alle die meinen die USA wären so viel feiner raus sollten etwas vorsichtiger werden. In den USA wurde und wird massives deficit spending betrieben. Wären da die Wachstumsraten nicht zumindest etwas höher, wäre das ja ohnehin ein Desaster. Die Sparpolitik in Europa ist vor allem nun, da es in die zweite Rezession geht etwas exzessiv und mM nach etwas anzupassen aber dafür führt sie zu langfristigen Vorteilen, von besser aufgestellten öffentlichen Haushalten, während die USA mit jedem Jahr mehr an dieser deficit spending Politik, untragbaren Verschuldungswerten entgegen laufen.

Die Amerikaner betreiben kein Deficitspending. Das haben die Republikaner abgestellt. Es gab ein Minikonjunkturpaket in 2009.

Die Schulden wachsen aufgrund von gesunkenen Steuereinnahmen und den Kosten fuer die Arbeitslosen.

Die FREYheit

zu schreiben bedingt nicht automatisch die Wahrheit zu suchen oder gar zu finden - wieder einmal.

Wachstum und Wohlstand lassen sich langfristig eben nicht mit Konsum auf Pump erreichen. Die USA und die EU haben diese linke Keynes Wunschvorstellung eindrucksvoll widerlegt. Resultat sind nun ueberschuldeten Staaten, ein kaputtes Banksystem das Billionen an Krediten fuer unproduktive Dinge vom X-ten Einkaufszentrum in Bukarest ueber die x-te Ferienhausanlage in Spanien haelt. Und ein bis auf DE deindustrialisiertes Europa, das geglaubt hat mit Dienstleistungen koenne man Wohlstand schaffen. Gefreut hat diese westliche Idiotie nur die Asiaten - und Banker die bei der Industrieverlagerung geholfen haben bzw dies verlangt haben "Shareholder Value".

Ich hab das Gefuehl, diese Grafiken widerlegen Dein Argument:

US:
http://etfsuche.de/wp-conten... um-bip.jpg

GB:
http://eurogate101.files.wordpress.com/2011/10/p... c_debt.jpg

Und ja, Ruestungsgueter zu produzieren und diese anschliessend zu verheizen ist eine Form von Konsum.

Sie vergleichen Äpfel mit Birnen

Die US Graphik zeigt Gesamtverschuldung (öffentlich, Privat und Unternehmen), die GB Graphik nur die verschuldung der offentlichen Haushalte. M.W. liegt die Gesamtverschuldung in GB auf ähnlichen Höhen wie in den USA

EUrope == socialist shit hole. Wir relativ immer weiter absteigen die nächsten 20 Jahre. Wie auch schon die letzten. Überaltert, faul und vor allem wohlstandslinks bis über beide Ohren.

Na dann wirds ja Zeit, dass die USA

hier einmarschieren, oder wenigstens einen Krieg in Europa anzetteln, um diese socialistholes outzusmoken, ist es nicht?

Dann ab in die USA, wo alles besser ist.

Sie beweisen wieder einmal: Die Dummheit kennt keine Grenzen und hat das wirtschaftsliberale Lager offensichtlich vollkommen durchdrungen.

"wohlstandslinks bis über beide Ohren."

Das ist das Kernproblem
Aber auch das wird der inzwischen globale Markt von alleine regeln.
Just wait and see

"Just wait and see" Wie "weltmännisch"!
Kommt man sich da als Experte vor, wenn man einen englischen Satz einstreut?

@Dhimmi

Und was hat dann der globale Markt von einer verarmten unversorgten Bevölkerung ?

Asien und Südamerika kompensieren den Ausfall von Europa. Für den globalen Markt wird Europa immer unbedeutender, denn die Zukunft liegt im Pazifischen Raum.
Es ist schon Einiges dran an Überalterung und Wohlstandlinks. Global betrachtet sind wir zu alt und unsere Sozialsysteme sind ein Mühlstein, auch wenn ich es anders lieber hätte.

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