Mehr Fouls bei ähnlicher Stärke

Deutsche Bundesliga oder NBA: Forschungsteam konstatiert aggressivere Spiele bei ähnlich starken Kontrahenten

London/Amsterdam - Ob Fußballer oder Finken: Ähnlich starke Kontrahenten kämpfen besonders hart und aggressiv gegeneinander. Das gilt offenbar nicht nur für Individuen, sondern auch für Gruppen. Niederländische Forscher untersuchten Fußballspiele der deutschen Bundesliga und Basketballspiele der NBA. Und tatsächlich: Mannschaften, die in der Tabelle nah beieinanderstanden, erspielten oft sehr knappe Ergebnisse und foulten häufiger. Das schreiben die Forscher der Universitäten Groningen und Amsterdam im britischen Journal "Biology Letters".

Einzelverhalten ...

Tiere nehmen demnach vor einem Kampf - zum Beispiel im Streit um Futter - ihren potenziellen Gegner unter die Lupe. So erhöhen sie die Chance zu gewinnen und verringern das Risiko einer Verletzung. "Wenn etwa weibliche Hausfinken, die gleich groß sind, gegeneinander kämpfen, eskaliert das besonders", schreiben die Wissenschafter. Rote Waldameisen verschonen deutlich schwächere Gegner. Und auch Menschen passten ihre Kampfstrategie ihren Ressourcen und Fähigkeiten an. Doch ist so ein Verhalten auch auf ganze Gruppen übertragbar?

... und Übertragung auf Gruppe?

Gert Stulp und sein Team analysierten über 1.200 Spiele der Fußballbundesliga und 2. Bundesliga aus den Spielzeiten 2004/2005 und 2008/2009. Außerdem untersuchten sie 1.230 Basketballspiele der NBA - der höchsten US-amerikanischen Basketball-Liga - der Saison 2009/2010. Das Ergebnis: Spielte der Tabellenführer der Bundesliga gegen den Letzten, begingen die Fußballer etwa zwölf Prozent weniger Fouls als die Teams, die in der Tabelle nah beieinanderstanden. Ähnlich starke Mannschaften begingen durchschnittlich 39,15 Fouls pro Match.

Etwas weniger deutlich war es bei den Basketballern. Ähnlich platzierte Teams foulten sich in einem Spiel im Schnitt 42,36 Mal - um etwa vier Prozent häufiger als sehr unterschiedlich starke Mannschaften.

Auf der Suche nach Gründen für die Unterschiede verweist das Team auf eine Studie der Wissenschafter Nick Neave und Sandy Wolfson aus dem Jahr 2003. Sie schrieben, dass ein als gut eingestufter Gegner den Testosteronspiegel von Fußballern erhöhe - und diese aggressiv mache. Ähnlich starke Mannschaften empfinden sich also eher als gefährliche Rivalen.

Bleibt die Frage, inwieweit sich ein sportlicher Wettkampf mit dem Wettbewerb im Tierreich vergleichen lässt. Die Forscher betonen, dass die Aggression von Sportlern durch Regeln und Schiedsrichter eingeschränkt sei. Doch Grundlage des Sports seien auch Konkurrenzdenken und die "Fähigkeit zur Kriegsführung" - Fähigkeiten, die Menschen und Tiere wohl für die Jagd entwickelt hätten. (APA, 15.8.2012)

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