Neue Theorie zum Flugzeugabsturz von Smolensk

  • Kaczynsky-Gedenkstätte in Kalkow
    foto: epa/piotr polak

    Kaczynsky-Gedenkstätte in Kalkow

  • Ausschussvorsitzender Antoni Macieriwicz mit dem verstorbenen Präsidenten
    foto: reuters/peter andrews

    Ausschussvorsitzender Antoni Macieriwicz mit dem verstorbenen Präsidenten

PiS gab Studie in Auftrag - Experte: Tupolew wurde in der Luft gesprengt

Ein aus Abgeordneten der rechtskonservativen polnischen PiS-Partei (Recht und Gerechtigkeit) besthender  Untersuchungsausschuss präsentiert eine neue Theorie zum Hergang des Flugzeugabsturzes von Smolensk, bei dem am 10. April 2010 der damalige Präsident Lech Kaczynski und 95 Mitreisende ums Leben kamen.

Der vom Parlamentsabgeordneten Antoni Macieriwicz in Auftrag gegebene Bericht des in Australien lebenden polnischen Sprengstofftechnikers Gregorz Szuladziński soll Beweise enthalten, dass die Präsidentenmaschine in der Luft zerbrach. Der Eigentümer der Firma "Analytical Service" nimmt an, dass zwei Sprengladungen in der Maschine versteckt waren, die wenige Sekunden vor der Landung gezündet worden seien.

Kein Besuch an der Absturzstelle

Obwohl er weder die Absturzstelle besucht noch das Wrack selbst untersucht hat, könne er so feststellen, dass dadurch der linke Flügel abgerissen sei, wodurch sich die Tupolew in der Luft auf den Rücken gedreht habe. Eine zweite Explosion im Passagierraum habe dann das Flugzeug in mehrere Teile zerlegt.

Szuladziński nahm an der Präsentation des Berichts via Videokonferenz teil. Er betonte bei dieser Gelegenheit erneut, dass die Brandschäden an der Kleidung einiger Passagiere nur durch eine Explosion in deren unmittelbaren Nähe zu erklären sei. Die polnische und russische Untersuchungskommission hatte keine Hinweise auf eine Explosion an Bord gefunden.

In der Videokonferenz führte Szuladziński dies darauf zurück, dass man damals nicht nach Sprengstoffspuren gesucht habe, "wahrscheinlich, um sich Arbeit zu ersparen". Die Frage, wie die Sprengsätze in die streng bewachte Präsidentenmaschine gekommen sein sollen, konnte auch er nicht beantworten: Er sei sich sicher, dass sie beim Start nicht dagewesen seien. Wie sie während des des Fluges an Bord gekommen sein sollen, erklärte er allerdings auch nicht.

Diskussionen langweilen Polen

Die meisten Polen scheinen hingegen schon lange nichts mehr von dem Streit über das Unglück wissen zu wollen. In einer Umfrage des Instituts CBOS zeigten sich bereits ein Jahr nach dem Flugzeugabsturz fast 80 Prozent der Befragten angesichts der ständigen Diskussionen über die Tragödie "irritiert" und "gelangweilt".

87 Prozent meinten, dass die Katastrophe zu einem Werkzeug politischer Auseinandersetzung geworden sei. Laut einer anderen Umfrage des Instituts TNS-OBOP aus dem gleichen Zeitraum waren 51 Prozent der Polen der Ansicht, dass die wahren Ursachen der Katastrophe niemals aufgeklärt werden würden. 

Neues Material

Die russische Nachrichtenagentur meldete indes am Dienstag, dass die russischen Behörden sich bereiterklärt haben, weitere Unterlagen zum Absturz nach Polen zu schicken. (red/APA/derStandard.at, 15.8.2012)

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