Mit Frank Stronach zurück zum Schilling?

Interview | Rainer Schüller
14. August 2012, 17:05
  • Frank Stronach will raus aus dem Euro.
    foto: standard/newald

    Frank Stronach will raus aus dem Euro.

  • Stefan Bruckbauer: "Ein solcher Schritt würde die Krise im Euroraum noch verschärfen."
    foto: bank austria

    Stefan Bruckbauer: "Ein solcher Schritt würde die Krise im Euroraum noch verschärfen."

Der Milliardär und Parteigründer will raus aus dem Euro - Welche Folgen das hätte, hat Volkswirt Stefan Bruckbauer errechnet

"Österreich - von meiner Seite aus - sollte zurück zum Schilling kommen, nur durch eigene Währung in den einzelnen Ländern können wir Wohlstand schaffen." Dieser Meinung ist Frank Stronach, Spitzenkandidat seiner in Gründung befindlichen Partei. derStandard.at hat Stefan Bruckbauer, Chefvolkswirt der Bank Austria, gebeten, auszurechnen, welche Folgen Stronachs Theorie in der Praxis hätte.

derStandard.at: Besteht grundsätzlich die Möglichkeit, zum Schilling zurückzukehren?

Bruckbauer: Rein rechtlich könnte Österreich aus dem Euro nur ausscheiden, wenn es auch aus der EU ausscheidet. Ein einseitiger Austritt Österreichs würde wohl auf wenig Verständnis seitens der EU stoßen, Österreich wäre dann wohl sehr isoliert. Aber grundsätzlich kann ein souveränes Land wie Österreich natürlich einen Austritt aus Euro und EU beschließen.

derStandard.at: Wie würde das technisch funktionieren?

Bruckbauer: Technisch wäre es sehr schwierig, denn bei aller Wertschätzung für Österreichs wirtschaftlichen Erfolg, ein solcher Schritt würde bei vielen Investoren und auch privaten Anlegern zuerst auf große Skepsis stoßen, es könnte zu Kapitalflucht kommen. Ein Sperren der Konten wäre zwar möglich, aber das Bargeld behält ja im Ausland seine Gültigkeit, man würde wahrscheinlich seine Euros nach Deutschland bringen.

derStandard.at: Würden neue Schilling-Noten gedruckt werden?

Bruckbauer: Grundsätzlich müssten neue Banknoten gedruckt werden, denn Österreich wäre es dann nicht mehr erlaubt, Euros zu drucken oder der Nationalbank Euros auszugeben, denn dann wären die Euros Fremdwährung wie heute Dollar.

derStandard.at: Könnten die alten Schillinge noch verwendet werden?

Bruckbauer: Ich glaube, es gibt nicht mehr genug alte Schillinge, da sie vernichtet wurden und werden.

derStandard.at: Wie würde der Wechselkurs definiert werden?

Bruckbauer: Der Wechselkurs wäre von den Erwartungen und dem Vertrauen der Menschen in diese neue Währung abhängig. Natürlich auch von der Entwicklung innerhalb des restlichen Euroraums. Derzeit würde es wohl zu einer starken Abwertung der neuen österreichischen Währung kommen. Österreich ist nicht die Schweiz.

Die Nationalbank müsste wahrscheinlich sehr hohe Zinsen festlegen, die sich dementsprechend auch auf die Kosten der Staatsverschuldung stark erhöhend auswirken würden. Rechtlich nicht völlig klar ist, ob die Auslandsschulden Österreichs in Euro oder in der neuen Währung zu zahlen wären. Zumindest bis Vertrauen in diese neue Währung hergestellt wäre, käme es wohl zu einer Abwertung. Ob und wie schnell Vertrauen geschaffen werden könnte, ist angesichts der derzeitigen Verunsicherung fraglich. Allerdings würde ein solcher Schritt Österreichs natürlich auch den Rest des Euroraums stark belasten.

derStandard.at: Wie hoch wären die Kosten einer Umstellung?

Bruckbauer: Die rein technischen Kosten der Umstellung könnten rund zwei bis drei Milliarden Euro betragen, allerdings wäre es viel schwieriger, die Menschen zu überzeugen, die neue Währung auch wirklich zu akzeptieren, können sie doch mit Euro fast überall in Europa zahlen.

derStandard.at: Wie würde es sich auf das Geldbörserl von Herr und Frau Österreicher auswirken, wenn Österreich zum Schilling zurückkehren würde?

Bruckbauer: Technisch wohl abhängig, wie die neuen Banknoten beschaffen sind, wirtschaftlich wohl vorerst jedenfalls negativ, da die Unsicherheit natürlich die Wirtschaft stark belastet, mehr wahrscheinlich als die Abwertung Wettbewerbsvorteile bringt.

derStandard.at: Wie würde sich die Schilling-Rückkehr auf den Preis eines Krügerls Bier auswirken?

Bruckbauer: Tendenziell würde der Preis wohl steigen, da aufgrund der zu erwartenden Abwertung mit einem Inflationsschub zu rechnen ist, da importierte Waren teurer werden, dies würde sich schlussendlich auf alle Güter auswirken.

derStandard.at: Warum gibt es diese Sehnsucht nach dem Schilling überhaupt?

Bruckbauer: Da die Menschen die derzeitigen Probleme emotional mit dem Euro und Europa verbinden, aber wahrscheinlich simpel auch, weil in der Rückblende immer alles "glorifiziert" wird. In Wirklichkeit ging es Österreich noch selten so gut wie heute, dies zeigen jedenfalls die Daten.

derStandard.at: Wäre die Rückkehr der Ausweg aus der Krise?

Bruckbauer: Nein, definitiv nicht. Österreich ist eine offene Volkswirtschaft. Im Gegenteil, ein solcher Schritt würde die Krise im Euroraum noch verschärfen.

derStandard.at: Wie würde sich die Rückkehr zum Schilling auf das Vermögen von Frank Stronach auswirken, das er steuerschonend in der Schweiz bunkert?

Bruckbauer: Grundsätzlich würde der Schweizer Franken wahrscheinlich aufwerten bei einer Verschärfung der Eurokrise, falls die Schweizerische Nationalbank ihre Wechselkursbindung aufgeben würde, gegenüber einer neuen österreichischen Währung in jeden Fall. Über die Auswirkung auf das Vermögen von Herrn Stronach kann ich nichts sagen.

derStandard.at: Hat Frank Stronach eigentlich nie vom Euro profitiert?

Bruckbauer: Österreichs Industrie hat vom definitiv vom Euro stark profitiert, besonders die Autozulieferbranche profitierte von den stabilen Wechselkursverhältnissen und Österreichs starke Lohnstückkostenposition konnte durch keine Abwertung anderer Länder zunichte gemacht werden. Ob Herr Stronach selbst vom Euro profitierte, kann ich nicht beurteilen. Österreichs Industrie in jeden Fall. (derStandard.at, 14.8.2012)

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Da hat Strache schlechte Karten

Das ist mal ein Wahlversprechen, er gibt uns den Schilling wieder ....

Und was macht die FPÖ jetzt?

Es geht auch ohne Schilling!

Allerdings auch ohne Euro. :-)

Mittlerweile tausche ich meine Dienstleistungen gegen andere Dienstleistungen bzw. Warenwerte.

Keine Inflation und keine Steuern. Ein klarer Wettbewerbsvorteil. Zudem ist Tauschhandel immer eine Show und ein Spaß. Geld ist bei vielen Dingen im Leben so überflüssig wie ein Zeck am Sack!

Werde ich auch tun wenn ich nächstes Mal an die Tankstelle fahre

dann hau ich in den Schlitz wo man normalerweise die Bankomatkarte reinsteckt einen meiner Ziegelsteine von meinem Grundstück hinein, das wird sich sicher für ein paar Liter Diesel ausgehen! Und meinem Zahnarzt werd ich anbieten, dass er für das Implantat 1000kg Brote aus meiner Bäckerei gleich mitnimmt. Das wird ihn sicher freuen. Und beim nächsten Bipa Einkauf für meine Hygieneartikel werd ich der Angestellten an der Kassa 50 Mohnkuchen anbieten. Nur wie ich das Reisebuero für meinen nächsten Pauschalurlaub verköstigen soll weiss ich noch nicht. Vor allem weil meine Betreuerin auf Diät ist. Vielleicht irgendwelche Vorschläge?

man kann ruhig den schilling wieder einführen, falls
der euro pleite geht. nur geht hinterher auch der schilling wieder pleite.

der schilling ist noch nicht pleite gegangen....

der standard gräbt ja jeden schwachsinn aus,

wenn es der politischen linkskaste passt!

Ich sehe,

sie argumentieren fundiert!

Hahaha - Alles wiederholt sich im Leben

Ich kann mich noch erinnern wie meine Eltern vor Jahrzehnten geraunzt haben dass das Twinni keine 3 Schilling mehr kostet . Inflation ihr Wirtschaftswunderwuzzis heisst das Zauberwort . Die theoretische Einführung des Schillings würde Österreich in kürzester Zeit zu einem rückständigen europäischen Entwicklungsland machen (Ausser natürlich wenn Deutschland auch den Schilling einführt)

ö koppelte sich an die dm, hat funktioniert, - warum nicht auch an den resteuro kopppeln...?

Experten bei der Bank Austria?

Volkswirt der Bank Austria? Da hat man ja den richtigen gefragt! Seinesgleichen und seine Gesinnungsgefährten haben die Krise zu einem Großteil zu verantworten. Ganz im Gegensatz zu den vielen Unterhenmern, werden die Blödheiten und Zockerein, dieser sogenannten Experten ja regelmässig von Steuerzahler bezahlt. Die sollten einmal ein Firma managen und schauen, ob sie jedes Monat die Gehälter und Steuern zahlen können.
Der Euro ist sowieso schon eigentlich in Verwesung und da wird sich weder die Frage stellen, ob Österreich zum ATS zurück will oder nicht, noch wird Frank Stronach dabei einen Einfluß haben.

das Thema Euro erledigt sich doch von selbst

Stronach hat dann für die Wahl 2013 schon rechtzeitig auf die richtige Karte gesetzt und Faymann bleibt dann auf seiner Eurobond-Politik sitzen.

Sehr tapfer:

„Wir betrachten den Euro als irreversibel, so wie Präsident Barroso dies im Mai gesagt hat“, sagte der Kommissionssprecher."
Barroso als diagnostiker eines schweren leidens...

Kann mir bitte jemand vorrechnen, wie der Austritt

aus der Eurozone sich positiv auf Österreich auswirken sollte? Ich kann auch behaupten "Wenn wir den Taler einführen, pflastern wir in 10 Jahren die Strasse mit Gold" - nur müsst ich es beweisen. Stronach behauptet einfach "der Schilling muss wieder her" und schon hecheln ihm die Leute hinterher - ohne das er es mit nachvollziehbaren Zahlen beweisen müsste. Alles was er sagt, ist nur plakatives Getöse ohne belastbare Basis.
Ich gebe auch zu bedenken, dass Stronach seine Unternehmen vor Jahrzehnten aufgebaut hat. Seit den 80ern setzt er ein Projekt nach dem anderen in den Sand und macht damit Riesenverluste. SO ein toller Unternehmer ist er gar nicht (mehr). Und von Volksökonomie hat er schon gar keine Ahnung.

Volkswirt besser im Gasthaus aufgehoben

neben seiner vollständigen Unverbindlichkeit verpackt der Mann doch einige grundlegende Kernaussagen in sein Geschwafel wie:
"Ein einseitiger Austritt Österreichs würde wohl auf wenig Verständnis seitens der EU stoßen, Österreich wäre dann wohl sehr isoliert. "
"ein solcher Schritt würde bei vielen Investoren und auch privaten Anlegern zuerst auf große Skepsis stoßen, es könnte zu Kapitalflucht kommen."
"Derzeit würde es wohl zu einer starken Abwertung der neuen österreichischen Währung kommen."
und klassisch auf " Wie würde sich die Schilling-Rückkehr auf den Preis eines Krügerls Bier auswirken
Bruckbauer: Tendenziell würde der Preis wohl steigen, "
Damit beeindruckt und überzeugt er die einfachen Biertrinker in Österreich

Sprechen solche Leute in Fachausdrücken, regt man sich auf - reden sie so, dass es jedermann versteht, regt man sich auf.
Ich glaube, am Ende regen sich viele nur deshalb derart auf, weil es sehr viele gute Gründe gibt, die für den Euro sprechen und nur sehr, sehr wenige, die eine Wiedereinführung des Schilling unterstützen. Damit wird die "Euro-raus" Position für die man sich stark gemacht hat unhaltbar - das ist für manche halt schwer zu ertragen.

Wie so oft, ist diese Debatte hauptsächlich durch nebelhafte Emotionen und kaum durch Fakten getragen.

Ich hätte gerne vorgerechnet, welche Vorteile der Austritt aus der Eurozone (und gezwungenermaßen auch aus der EU) für Österreich hätte und warum es uns dann besser gehen sollte.

Eurozone bedeutet nicht zwangsläufig eu-zone!!

Lassen Sie's!

Larmoyant kritisieren ist kein konstruktiver Beitrag, keine Idee.
Man kann nicht ein Problem mit denselben Denkfehlern lösen, durch die es entstanden ist, hat sinngemäß der große Zampano Einstein gesagt....

Zusammenhalt ist stärker als die Märkte

Schulden sind schnell unbezahlbar, wenn die Zinsen steigen, genau das passiert im Süden - Zusammenhalten hilft gegen die Staatsanleihenspekulanten. Wenn sich die EURO Länder auseinander dividieren lassen, freuts die USA, denn dann sind sie trotz einer viel höheren Verschuldung die einzige westliche Währung, die stehen bleibt... Der Trick für die EURO Länder heißt zusammenhalten und auch für einander einstehen - so ist das auch in Österreich, wenn das Bundesland Wien für Kärnten mitzahlt, obwohl die grad voll daneben sind...

Staatsanleihenspekulanten?

Wenn jemand einem Staat kein neues Geld leiht, weil er die Rückzahlung bezweifelt, ist er in Ihren Augen ein Spekulant?
Ich stelle mir unter Spekulanten etwas anders vor.
Die gibt es sicherlich auch am Rentenmarkt, aber die können da nicht wirklich etwas bewegen. Dazu sind die benötigten Summen zu groß.
Nein, das ist keine Spekulation, sondern dieFolge des Versagens der Politik, der Preis für Großmannssucht und Prasserei.

Wofür sollen wir zusammenhalten,

das die Anleihezeichner nicht um ihr eingesetztes Kapital und die exorbitant hohen Renditen der Südstaaten umfallen.

Zusammenhalt ja, nachdem der fällige Schuldenschnitt vorgenommen wurde, der sowieso kommen wird, sobald auch wir pleite sein werden. Griechenland zum Beispiel hätte vorn 2 Jahren Staatsbankrott anmelden sollen, es hätte die Richtigen erwischt. In ein paar Monaten wird es dies bestimmt, nachdem die Verbindlichkeiten beim europäischen Steuerzahler gelandet sind. (Der sog. Schuldenschnitt war dabei für die Elite kein so schlechtes Geschäft). Dann hätte man helfen sollen, so schaufeln wir nur am Gemeinschaftsgrab ähm bezahlen unsere eigene zukünftige Leibeigenschaft.

Schulden sind immer unbezahlbar

zumindest im Hier und Jetzt, da sie erst in der Zukunft erwirtschaftet werden können, sie werden bei der Geldschöpfung nämlich nicht miterschaffen.
Allerdings gibts da noch den Zinseszins, der lässt sich niemals mit linearem Wirtschaftswachstum begleichen. Der Zins führt zu Schulden und das imanent und das führt zu Abhängigkeiten, und das zu Macht und darum gehts, alles andere sind Kindereien.
Privatleuten das Recht der Geldschöpfung einräumen und sich dann wundern, dass die nach einigen Dekaden gegen ganze Währungsräume spekulieren können, ist halt etwas hoch für die Herren Volkswirtschaftler. Staaten würden sich an der Notenpresse vergreifen heißts laut Theorie, Private sind immer altruistisch veranlagt wie man sieht.
Völker hört....

Bitte nicht die Leut mit Fakten verwirren, wenn es sich doch gerade so schön in Emotionen schwimmen lässt. Das verdirbt doch den Spaß.

Er wird nicht viel zusammenbringen, auch wenn er sich ein paar geldgierige Hohlköpfe nun kaufen kann, die genauso unfähig sind letztendlich wie er selber. Man hat eh gesehen, wie sensibel und gewandt er mit Menschen umgehen kann, als er versuchte, sich beim Fußball einzumischen. :-)

so ein unsinniges interview...

...das ist genauso wenn ich den BILLA-chef fragen würde, ober für die wiedereinführung kleiner kaufhäuser wäre!

selbst wenn der ausstieg aus dem euro letztendlich ein gewinn für die bevölkerung wäre, für die banker wäre es vorest ein riesenverlust.
darum ist wohl klar, dass der herr BRUCKBAUER sich dagegen aussprechen muss!

have a nice day!

Was ist denn das Für ein Interview?

Hat da jemand Herrn Bruckbauer per Mail eine Liste mit Einzeiler-Fragen geschickt? Das liest sich furchtbar.

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