Die Härte der Türkei als letzte Probe

  • Marcel Koller will gegen die Türkei in aller Freundschaft eine Entwicklung sehen.
    foto: apa/neubauer

    Marcel Koller will gegen die Türkei in aller Freundschaft eine Entwicklung sehen.

Koller: "Müssen dagegenhalten und aufmerksam sein" - Schweizer hofft auf Umsetzung seiner Philosophie - Keine Mitsing-Pflicht bei Hymne für die Spieler

Wien - Auf Österreichs Fußball-Nationalmannschaft wartet am Mittwoch (20.30 Uhr/live ORF eins) der letzte Härtetest vor der WM-Qualifikation. Die Auswahl von ÖFB-Teamchef Marcel Koller bekommt es im Wiener Happel-Stadion mit der Türkei zu tun und hofft dabei nach zuletzt zwei Siegen und einem Remis auf ein weiteres Erfolgserlebnis, um Selbstvertrauen für das Duell mit Deutschland am 11. September zu tanken.

Der Schweizer ist sich allerdings bewusst, dass seine Truppe vor einer schwierigen Aufgabe steht. "Wir müssen alles abrufen, weil die Türkei eine starke Mannschaft hat", warnte der 51-Jährige vor der Nummer 30 der FIFA-Weltrangliste (Österreich ist 60.).

Koller wollte vor der WM-Qualifikation unbedingt noch gegen einen Gegner testen, der über hohe spielerische Qualität verfügt und im Länder-Ranking deutlich vor dem ÖFB-Team liegt. "Da weiß man, dass man dagegenhalten muss und aufmerksam sein muss. Es wird eine enge Sache werden, wir müssen voll konzentriert sein und wollen ein positives Resultat erzielen."

"Gibt keine Freundschaftsspiele mehr"

Der Teamchef deutete an, gegen den WM-Dritten von 2002 das eine oder andere Experiment zu wagen. "Wir werden noch etwas versuchen, denn das ist das letzte Spiel, in dem es noch nicht um Punkte geht."

Dies bedeute aber nicht, dass man die Partie auf die leichte Schulter nehme. "Freundschaftsspiele gibt es heutzutage nicht mehr", betonte Koller, merkte aber auch an: "Wir wissen, dass wir an Ergebnissen gemessen werden. Doch das Entscheidende ist, wie weit wir unsere Philosophie umsetzen."

Wert legt der Teamchef unter anderem auf Pressing und kompaktes Defensivspiel. Das Abwehrverhalten wurde am Montag noch einmal eingehend geübt, am Dienstag ging es vor allem um den Torabschluss. Allzu intensiv ließ Koller seine Schützlinge aber nicht trainieren. "Man kann nicht alles in vollem Tempo ausüben. Die Spieler müssen ja für das Match noch Power haben."

Einser-Frage

Diesbezüglich hat sich Koller bereits seine Meinung gebildet - die Startformation für das Türkei-Match hatte er Dienstagmittag bis auf zwei nicht genannte Positionen im Kopf. Details verriet der Schweizer nicht, auch nicht, wer im Tor stehen wird. Der Coach ließ lediglich anklingen, dass er mit dem Trio Robert Almer/Christian Gratzei/Heinz Lindner auch die WM-Qualifikation bestreiten möchte. "Wir wollen die drei beobachten und schauen, was weiter passiert."

Für die Partie gegen die Türken, die mit der Referenz von zuletzt drei Siegen in Folge (2:0 gegen Bulgarien, 3:1 gegen Portugal, 2:0 gegen die Ukraine) anreisten, waren bis Dienstagmittag 17.000 Tickets abgesetzt, die 20.000er-Marke sollte geknackt werden. Koller hätte sich mehr Zuschauer gewünscht. "Aber derzeit ist Urlaubszeit, und es muss auch von unserer Seite etwas kommen, damit die Fans kommen", sagte der Nationaltrainer.

Keine Pflicht zu singen

Koller erwartet sich sicher einiges von seinen Kickern, das Mitsingen der Hymne ist dabei nicht inkludiert. "Dass es nicht wichtig ist, mitzusingen, würde ich nicht sagen. Aber ich will die Spieler nicht dazu verpflichten, das ist ihre persönliche Sache", betonte der 51-Jährige.

In Deutschland kam nach der EM eine Diskussion über Spieler auf, die vor Spielbeginn nicht in die Hymne einstimmen. Auch im österreichischen Team bleiben Kicker mit Migrationshintergrund zu den Klängen von "Land der Berge" stumm. "Es ist in Deutschland, der Schweiz oder Österreich ähnlich. Du bist zwar in dem Land aufgewachsen und fühlst dich wohl, aber bei der Hymne ist das noch ein bisschen ein anderer Punkt", sagte der Schweizer Koller, der die österreichische Bundeshymne vor Spielbeginn ebenfalls nicht mitsingt. (APA, 14.8.2012) 

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