"Theme Hospital": 1997 war Hektik in der Klinik

  • "Theme Hospital" (1997) bescherte dem Spieler unterhaltsam-hektische Stunden im Krankenhaus.
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    "Theme Hospital" (1997) bescherte dem Spieler unterhaltsam-hektische Stunden im Krankenhaus.

  • Der Professor im Hauptmenü ist nur eine der zahlreichen Kuriositäten.
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    Der Professor im Hauptmenü ist nur eine der zahlreichen Kuriositäten.

  • Service und Finanzen müssen in Einklang gebracht werden. Eines von beiden hat hier nicht geklappt.
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    Service und Finanzen müssen in Einklang gebracht werden. Eines von beiden hat hier nicht geklappt.

Ein Blick zurück auf eine Perle des WiSim-Genres in der neuen WebStandard-Serie "Games von gestern"

Auch als Computerspieler schwelgt man gerne in der Erinnerung an die "gute alte Zeit". Beim Blick auf zahlreiche Grafikblockbuster mit hohler Handlung, die gemeinsam mit halbgaren Fortsetzungen gelungener Spiele zunehmend den Markt erobert haben, wünscht man sich manchmal zurück in die Ära, in der Pixel noch sichtbar eckig waren und Geschichten gut erzählt werden mussten. Aber war damals wirklich alles besser?

In der neuen Serie "Games von gestern" entführt Web-Redakteur Georg Pichler zu vergangenen Spielegrößen und wirft einen kritisch-nostalgischen Blick auf das, was war und was seitdem geschehen ist.

Ab ins Spital

Es war 1997, als Bullfrog Productions den Spielern in pixeliger Iso-Perspektive die Leitung von Krankenhäusern in der Aufbausimulation "Theme Park" übertrug. Patienten mit zahlreichen skurrilen Krankheiten wie dem Elvis-Syndrom, Aufgeblasenheit oder gebrochenem Herzen mussten profitabel diagnostiziert und behandelt werden.

"Theme Hospital", das heute bei Online-Stores zum Schnäppchenpreis mit vorkonfigurierter DOS-Box zu haben ist und auch auf Windows 7 ohne Murren läuft, ist auch 15 Jahre später noch ein forderndes Spiel.

Anspruchsvolles Personal

Je weiter man in der Kampagne fortschreitet, desto größer wird das Aufgabenpensum und desto höher liegen die Anforderungen, wobei die Lernkurve recht gleichmäßig ansteigt. Dementsprechend sorgfältiger und effizienter müssen Räume und Gänge geplant werden, um die Wege und Wartezeiten kurz zu halten.

Dazu begehren Doktoren und Schwestern nach großen Arbeitszimmern und gemütlichen Aufenthaltsräumen, sofern man sich nicht schnell mit Forderungen nach Gehaltserhöhungen konfrontiert sehen will.

Unkomfortable Hektik

Im späteren Spielverlauf mehren sich Notfälle, und beim Ausbruch einer Epidemie müssen infizierte Patienten aufgespürt und für die Behandlung markiert werden. Der Kampf um Ruhm und Geld mit Konkurrenz-Kliniken (wahlweise computergesteuert oder von menschlichen Mitspielern verwaltetet) erzeugt mitunter eine ordentliche Portion Hektik.

Erschwerend kommt hinzu, dass dem Spiel Komfortfeatures fehlen, wie sie heute gang und gäbe sind. Alarmiert der virtuelle Berater über die Untätigkeit eines Angestellten, hilft nur ein gutes Auge, um das gelangweilte Personal zu entdecken. Heute genügt in der Regel ein Klick auf den Hinweis, um das Problem auf den Schirm zu zaubern.

Liebe zum Detail

Trotz aller Eile findet man hin und wieder doch Zeit, die liebevoll gestalteten Details zu bewundern. Selbst der Tod von Patienten ist humorvoll inszeniert. Manche steigen als Engel in den Himmel auf, andere werden von Gevatter Tod abgeholt und in den brodelnden Lavaschlund der Hölle gestoßen. Nett gemachte Cutscenes und Eigenheiten wie der Professor mit dem "Kick Me!"-Zettel am Rücken, der durchs Hauptmenü führt, verleihen dem Kleinod seinen letzten Schliff.

WiSims in der Nische

Klassische Aufbau- und Wirtschaftssimulationen sind rar geworden. Insbesondere jene, die auf Kampfelemente verzichten und sich nur dem Aufbau und Erhalt einer Organisation widmen. Überhaupt war diese spezielle Spielekategorie nie wirklich groß und erfreute sich - aus welchem Grund auch immer - hauptsächlich im deutschsprachigen Raum großer Beliebtheit.

Umfangreicher zu Werke gingen Spieler seit jeher in der altehrwürdigen Städtebauer-Reihe "Sim City", die 2013 "Nachwuchs" bekommen wird. Oft findet man Games dieser Art auch mit dem Namenszusatz Tycoon. Die Bandbreite reicht dabei von Klassikern wie "Transport Tycoon" oder "Rollercoaster Tycoon" bis hin zu preislich wie spielerisch billigen Veröffentlichungen wie "Health and Fitness Club Tycoon". Daneben darf ein Verweis auf interessante Indie-Projekte wie "Prison Architect"nicht fehlen.

Aus für Bullfrog 2004

Doch was ist mit Bullfrog geschehen? 1995 wurde die Firma von Electronic Arts aufgekauft. Zwei Jahre später verließen Firmengründer Peter Molyneux und weitere Mitarbeiter das Unternehmen. Nach eigenen Angaben wegen der massiven Mitarbeiteraufstockung und mangelnder kreativer Freiheit. Molyneux rief schließlich die Lionhead Studios ("Black & White", "Fable") ins Leben, die später von Microsoft übernommen wurden. Molyneux hielt bis März 2012 durch.

2004 verschwand die Marke Bullfrog, als das Studio mit EA UK vereinigt wurde. Schon vor "Theme Hospital" hatte die Schmiede das Aufbaugenre mit der Göttersimulation "Populous" und "Theme Park" mitdefiniert und konnte mit "Dungeon Keeper" einen weiteren Blockbuster nachlegen.

Ihre Vorschläge sind gefragt!

Die Bandbreite alter Klassiker ist groß und jeder hat wohl seine persönlichen Favoriten. Welchen "Golden Oldie" sollen wir in der nächsten Ausgabe von "Games von gestern" beleuchten? (Georg Pichler, derStandard.at, 5.9.2012)

Die Serie "Games von gestern" erscheint einmal pro Monat. Wenn Ihnen unsere Rückblicke auf die Klassiker gefallen, könnte Sie auch unsere monatliche Rundschau "Best of Indie-Games" zu neuen Spieleperlen interessieren.

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