Fast ein Viertel der Österreicher versteht Arzt nicht

14. August 2012, 14:45
  • Das Wissen zum Thema "Gesundheit" ist besonders in Wien und der Steiermark unterdurchschnittlich. Das Burgenland und Vorarlberg schneiden im Bundesländervergleich noch am besten ab.
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    Das Wissen zum Thema "Gesundheit" ist besonders in Wien und der Steiermark unterdurchschnittlich. Das Burgenland und Vorarlberg schneiden im Bundesländervergleich noch am besten ab.

Eine aktuelle Studie attestiert den Österreichern eine weitgehend unzureichende Gesundheitskompetenz

Wien - Fast ein Viertel der Österreicher hat massive Verständnisprobleme mit dem, was der Arzt sagt. Über 50 Prozent verfügen - einer Studie des Ludwig Boltzmann Instituts für Gesundheitsförderungs-Forschung zufolge - nur über eine problematische oder inadäquate Gesundheitskompetenz. "Auch die Jugendlichen unterscheiden sich nicht so sehr von den Erwachsenen, wie wir gehofft hätten", sagte Studienautor Jürgen Pelikan am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien. Das Ost-West-Gefälle sei dagegen nicht so stark wie erwartet, aber im Bundesländervergleich seien dennoch Unterschiede zu konstatieren. Demnach liegen Vorarlberg und das Burgenland an der Spitze, die Steiermark und Wien zeichnen hingegen das problematischste Bild.

Erhoben wurde wie kompetent sich die Befragten selbst in den Themenfeldern Krankheitsbewältigung, Prävention und Gesundheitsförderung einschätzen. Die zentralen Studienergebnisse sind laut Pelikan: Gesundheitskompetenz und Gesundheit hängen eng zusammen, bei Personen aus sozial schwächeren Gruppen sei mangelnde Gesundheitskompetenz häufiger.

Forderung nach einem verständlicheren System

Um diese Situation zu verbessern, seien Maßnahmen auf zwei Ebenen notwendig. Zum einen müsse das System verständlicher werden, zum anderen die Bevölkerung darin geschult werden, mit den Informationen umzugehen. "Es ist besonders wichtig, schon frühzeitig anzusetzen und Kinder und Jugendliche zu befähigen, ihre Alltagsentscheidungen zu gesunden Entscheidungen zu machen", so Stefan Spitzbart vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger.

Auf die steigende Komplexität im Gesundheitssystem nahm Pamela Rendi-Wagner vom Gesundheitsministerium Bezug. Als Aufgabe der Politik bezeichnete sie es, Rahmenbedingungen zu schaffen, Orientierung zu bieten und die Patientensouveränität zu stärken. Könne das komplexe System nicht adäquat genutzt werden, seien die Ressourcen nämlich eigentlich verschwendet.

Bessere Kommunikation in den Niederlanden

Die Studie wurde zudem in weiteren sieben EU-Ländern durchgeführt: "Österreich schneide bei diesem internationalen Vergleich generell unterdurchschnittlich ab", so Jürgen Pelinka. Die besten Ergebnisse stammen hingegen aus den Niederlanden. Woran dies liege, müsse erst untersucht werden, so der Studienleiter. Sie hätten aber sehr viel früher ein System eingeführt, bei dem es um Kommunikation geht, ergänzt er. Auch die Sprachkurse für Migranten würden in den Niederlanden etwa Elemente zur Gesundheitskompetenz beinhalten, betonte die international renommierte Gesundheitsexpertin Ilona Kickbusch aus Deutschland. (APA/red, derStandard.at, 14.8.2012)

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... versteht den Arzt nicht ............

Verstehen setzt detailierte Kommunikation voraus.
Eine Kommunikation die allein mangels Zeit nicht oder nicht ausreichend stattfindet.
Ich denke der Arzt will vielfach gar nicht verstanden werde bzw. ist es ihm nicht wichtig verstanden zu werden. Hauptsache die PatientenFrequenz stimmt.
Diagnostizieren, Therapieren, ver(ab)rechnen.
Der Faktor Menschlichkeit und Herzenswärme hat in der kalten Medizin von Heute einzig im Sinne von Qualitätsmanagement und edv-gestützen Patienten dokumentation seinen genormt codierten Platz.
(siehe auch Entlassungsmanagement) ..... und jeder emotionalen Äusserung seinen Icd10 Code.

Mir fehlt die Antwort auf folgende Frage:

Wie viele Ärzte wollen die Kostenstelle(Patient) schnellstens wieder draussen bei der Tür haben?
;-)

Mindestens 1/4 wenn nicht 1/3 aller Patieten fallen dem Arzt ins Wort wenn dieser mühsam versucht auf verständliche Art dem Pat etwas zu erklären und hören nicht wirklich zu

Kommt sicher auch vor, ja. Allerdings ist es in einem KH schon fast ein Wunder, wenn man überhaupt 1-2 Sätze mit einem Arzt wechseln kann, die Wahrscheinlichkeit, das dann nur unzureichend zu verstehen, ist natürlich groß.
Genauso ist es keine Seltenheit, wenn man vom untersuchenden (niedergelassenen) Arzt eine Krankschreibung, ein Rezept oder Überwesung bekommt, nicht aber eine (Verdachts-) Diagnose. Das System funktioniert allzuoft wie eine Autowerkstatt!
Es liegt nicht nur an den Patienten!!!

" verstehen "

Ich denke, für so manchen Arzt ist der informierte Patient ein rotes Tuch. (und Aufklärung ist lästig.) Rezeptblock bzw. gemurmelte Medikamenten Anweisungen an die Sekretärin haben zu genügen.

moment...

"Erhoben wurde wie kompetent sich die Befragten selbst [...] einschätzen."

Meint ihr das ernst???

warum sollte das nicht ernst sein?

selbsteinschätzung von patienten wird oft in standardisierten fragebögen als grundlage aller möglichen studien verwendet.

Bildung und Gesundheit

Biologieunterricht, der Funktionsweise und Fehlfunktionen des menschlichen Körper erläutert, wäre hilfreich. Bevor ich wusste, wozu mein Darm oder Herz existiert, wusste ich über die Legenot von Hennen Bescheid. Schulen müssten basale medizinische Erkenntnisse vermitteln.

Neulich musste ich einen Freund als Notfall ins Krankenhaus „prügeln“, weil ihm sein rasselender Atem (schwere Atemnot) nicht als Hinweis auf eine schwerwiegende Erkrankung gedient hat. Er ist ein gebildeter Mensch. In Sachen Biologie schwächelt er aber. Ihm wurden letztlich 2,1 Liter Flüssigkeit als Pleuraerguss (Wasser in der Lunge) entfernt. Das was knapp …

Und 99% können nicht lesen

was der Arzt schreibt;-)

das handgeschriebene rezept gibt es aber kaum noch

...

Voraussetzung für

das Verstehen ist Interesse von beiden Seiten.

mir stellts jedesmal die haare auf, wenn ich die fragebögen vor untersuchungen ausfüllen muss.
abgesehen von rechtschreibmängeln:

letztens MR:
frage 1: haben sie schmerzen seit einem unfall?
frage 2: sind ihre schmerzen auf eine verletzung zurück zu führen?
- soll nicht GENAU DAS das MR klären?
- soll ich mich jetzt selbst befunden?
- ist die frage nicht redundant zur obigen oder ist gemeint, dass sie verletzung auch schon lange zurück liegen kann und der unfall zeitnah ist?
- was ist der unterschied zwischen verletzung und unfall eigentlich?

auf diese meine fragen an die mich betreuuende schwester: lassens es einfach aus.

schon mal Dr. House gesehen? Die Krankengeschichte, also das, was nur der Pt weiß, ist der Schlüssel.

Alsdann...

Ich würde Dr. House nicht als Dokumentation ansehen ;-)

Einfach zum Doktor gehen und sagen: "I hob schmerzen!" müsste eigentlich ausreichen. :-))

genau.die option 'weiß nicht' ist mitgemeint.nicht von den pflichtfeldern im internet verrückt werden lassen, IRL kann man auch mal was offen lassen :D

darum gehts nicht.
ich kann ja nichteinmal weiss nicht hinschreiben, weil ich die frage nicht verstehe. da steht zuwenig kontext dafür.

Basisbildugsprogramm absolvieren ?

keine Frage der Zeit

Noch viel mehr PatientInnen wollen ihn/sie gar nicht verstehen und sind schon mit dem Hinweis: "leben sie gesünder" völlig überfordert!

Scharf war da unsere Nachbarfamilie ... allesamt fett, Schweinebauern halt: In der Früh Schmalzbrot, Jause Sterz mit Grammeln, zu Mittag in Schmalz gebratenes oder gebackenes Schwein, abends genauso; Nachspeise meist auch in Schmalz fritiert.

... in der Schule haben's das Kind dann zu einem einwöchigen Ernährungscamp gezerrt, so richtig a la "Mittagessen: Putenschnitzerl mit Reis, danach ein Apfel" ... die Eltern haben den 14jährigen Buben dort abgeholt, sind zuhause angekommen, und haben sich erstmal zu dritt fünf Backhendln genehmigt.

[An sich sollt man drüber lachen können, die Mutter ist aber inzwischen schwerkrank und einer der Söhne tot.]

nennt man natürlich auslese... die dummen sterben so gut weg

Nachfragen.

Mir scheint, viele Leute (selbst D-Muttersprachler) trauen sich nicht, nachzufragen.

@Kraulquappe

Sie scheinen des Wahnsinn,s kusprige Beute zu sein.
Bei so manchem Arzt ist nachfragen gleichbedeutend mit Majestätsbeleidigung.

Weil sie wissen, dass sie nur Kauderwelsch Antworten bekommen mit der

ueberheblichen Augenbraue und weil nach 10 Minuten der Patient Privatvergnuegen des Arztes wird.... statt von der Kassa bezahlt. Und das inklusive Vorgespraech, Diagnose etc. Bald offensichtlich auch noch mit Psychotherapie inkludiert.

Das stimmt aber nur bei GKK - Versicherten.
Die anderen Kassen rechnen pro Einzelleistung ab...

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