Fast ein Viertel der Österreicher versteht Arzt nicht

  • Das Wissen zum Thema "Gesundheit" ist besonders in Wien und der Steiermark unterdurchschnittlich. Das Burgenland und Vorarlberg schneiden im Bundesländervergleich noch am besten ab.
    vergrößern 645x500
    grafik: apa

    Das Wissen zum Thema "Gesundheit" ist besonders in Wien und der Steiermark unterdurchschnittlich. Das Burgenland und Vorarlberg schneiden im Bundesländervergleich noch am besten ab.

Eine aktuelle Studie attestiert den Österreichern eine weitgehend unzureichende Gesundheitskompetenz

Wien - Fast ein Viertel der Österreicher hat massive Verständnisprobleme mit dem, was der Arzt sagt. Über 50 Prozent verfügen - einer Studie des Ludwig Boltzmann Instituts für Gesundheitsförderungs-Forschung zufolge - nur über eine problematische oder inadäquate Gesundheitskompetenz. "Auch die Jugendlichen unterscheiden sich nicht so sehr von den Erwachsenen, wie wir gehofft hätten", sagte Studienautor Jürgen Pelikan am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien. Das Ost-West-Gefälle sei dagegen nicht so stark wie erwartet, aber im Bundesländervergleich seien dennoch Unterschiede zu konstatieren. Demnach liegen Vorarlberg und das Burgenland an der Spitze, die Steiermark und Wien zeichnen hingegen das problematischste Bild.

Erhoben wurde wie kompetent sich die Befragten selbst in den Themenfeldern Krankheitsbewältigung, Prävention und Gesundheitsförderung einschätzen. Die zentralen Studienergebnisse sind laut Pelikan: Gesundheitskompetenz und Gesundheit hängen eng zusammen, bei Personen aus sozial schwächeren Gruppen sei mangelnde Gesundheitskompetenz häufiger.

Forderung nach einem verständlicheren System

Um diese Situation zu verbessern, seien Maßnahmen auf zwei Ebenen notwendig. Zum einen müsse das System verständlicher werden, zum anderen die Bevölkerung darin geschult werden, mit den Informationen umzugehen. "Es ist besonders wichtig, schon frühzeitig anzusetzen und Kinder und Jugendliche zu befähigen, ihre Alltagsentscheidungen zu gesunden Entscheidungen zu machen", so Stefan Spitzbart vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger.

Auf die steigende Komplexität im Gesundheitssystem nahm Pamela Rendi-Wagner vom Gesundheitsministerium Bezug. Als Aufgabe der Politik bezeichnete sie es, Rahmenbedingungen zu schaffen, Orientierung zu bieten und die Patientensouveränität zu stärken. Könne das komplexe System nicht adäquat genutzt werden, seien die Ressourcen nämlich eigentlich verschwendet.

Bessere Kommunikation in den Niederlanden

Die Studie wurde zudem in weiteren sieben EU-Ländern durchgeführt: "Österreich schneide bei diesem internationalen Vergleich generell unterdurchschnittlich ab", so Jürgen Pelinka. Die besten Ergebnisse stammen hingegen aus den Niederlanden. Woran dies liege, müsse erst untersucht werden, so der Studienleiter. Sie hätten aber sehr viel früher ein System eingeführt, bei dem es um Kommunikation geht, ergänzt er. Auch die Sprachkurse für Migranten würden in den Niederlanden etwa Elemente zur Gesundheitskompetenz beinhalten, betonte die international renommierte Gesundheitsexpertin Ilona Kickbusch aus Deutschland. (APA/red, derStandard.at, 14.8.2012)

Share if you care