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Elefantendame Tonga ist im neunten Monat trächtig.
vergrößern 647x357Das erste Ultraschallbild ihres Babys wurde am Dienstag präsentiert
Im Tiergarten Schönbrunn wurde im November 2011 die erste erfolgreiche Besamung eines Afrikanischen Elefanten-Weibchens mit Tiefkühl-Sperma eines freilebenden Bullen aus Südafrika durchgeführt.
Die 26 Jahre alte Schönbrunner Elefantendame Tonga ist im neunten Monat trächtig. Am Dienstag wurde das erste Ultraschallfoto vom Elefantennachtwuchs präsentiert. Das Schönbrunner Elefanten-Weibchen hat 2003 bereits ein Jungtier zur Welt gebracht, Mongu wurde allerdings auf natürlichem Wege gezeugt.
Afrikanische Elefanten haben eine Tragzeit von ca. 630 Tagen mit einer Schwankungsbreite von sechs Wochen.Das Ultraschallbild wurde am Tag 141 (18. April 2012) der Trächtigkeit aufgenommen. Darauf sind bereits eindeutige Elefantenmerkmale wie Rüssel, Kopf sowie die Vorder- und Hinterbeine klar zu erkennen. Der Fötus hat zu diesem Zeitpunkt eine Kopf-Rumpf-Länge von 10,6 cm. Mittlerweile muss das Elefantenbaby bereits rund 20 cm groß sein.
"Da das Überleben der Elefantenarten in ihrem natürlichen Umfeld bedroht ist, sind Zoos weltweit um ihren Erhalt bemüht. Eine künstliche Befruchtung mit dem Samen eines Wildbullen ist eine Chance, im Sinne des Artenschutzes den Genpool der Zoo-Elefanten zu bereichern", sagt Tiergartendirektorin Dagmar Schratter. Der Bestand aller drei Elefantenarten im Freiland ist gefährdet. Besonders bedroht ist der Asiatische Elefant, der auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten der IUCN (International Union für Conservation of Nature and Natural Resources) steht.
Die Vermehrung von Elefanten in Zoos ist eingeschränkt, weil es nur eine geringe Anzahl an zeugungsfähigen Bullen gibt. Das aktuelle Männchen-Weibchen-Verhältnis beträgt rund 1:5, die genetische ist Vielfalt somit limitiert.
Künstliche Besamung bei Elefanten wird seit 1998 erfolgreich durchgeführt. Die erste erfolgreiche Besamung in Europa mit dem IZW-Team fand 1999 ebenfalls im Tiergarten Schönbrunn statt. In diesen fast 15 Jahren sind bei Afrikanischen und Asiatischen Elefanten insgesamt 40 Kälber gezeugt worden. Allerdings wurde dabei stets frischer, bzw. nur gekühlter Elefantensamen verwendet. Es sind auch zwei Versuche mit Tiefkühlsperma bekannt, die jedoch frühzeitig endeten. Nun wurde erstmals gefrorener Samen von einem freilebenden Bullen - ein 36jähriger Elefantenbulle aus dem Phinda Private Game Reserve (Südafrika) - erfolgreich verwendet.
Künstliche Besamung soll trotzdem immer nur als eine der Strategien im Populationsmanagement im Rahmen einer koordinierten Zucht bei bedrohten Tierarten stattfinden. Primär wird versucht, die Haltungen in Zoos - wo erforderlich - zu verbessern und durch Aufbau von Männchen-Weibchen Gruppen natürliche Paarungen vermehrt zu ermöglichen.
Seit die künstliche Befruchtung bei Elefanten durchgeführt wird, ist es die größte Herausforderung einen qualitativ guten Samen zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu haben. Die Verwendung von gefrorenem Samen erspart einen enormen logistischen und finanziellen Aufwand. "Bei einer Besamung mit frischem Samen muss einem Elefantenbullen an einem entfernten Ort, oft mit großem Zeitunterschied, Sperma entnommen und dieses dann zur zu dieser Zeit fruchtbaren Elefantenkuh geflogen werden. Gefrorener Samen kann hingegen aufbewahrt und zum optimalen Zeitpunkt für eine Besamung verwendet werden", erklärt Harald Schwammer, Zuchtbuchkoordinator für Afrikanische Elefanten und stellvertretender Direktor im Tiergarten Schönbrunn.
Sperma von Säugetieren einzufrieren ist jedoch keine leichte Sache, deshalb hat Thomas Hildebrandt, Leiter der Forschungsgruppe Reproduktionsmanagement am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW), eine besonders schonende Gefriermethode entwickelt. Hildebrandt: "Bei Säugetierzellen ist das Gefrieren heikel, denn nicht jede Zelle verträgt einen Kälteschock von minus 196 Grad Celsius. Sie könnten durch die entstehenden Eiskristalle zerstört werden. Bei unserer Methode wird das Sperma nicht schlagartig, sondern stufenweise abgekühlt."
Diese neue Technologie bietet auch große Chancen für die Zukunft, was den Schutz der freilebenden Elefanten betrifft. "Diese Technik, bei der wir nun Sperma vom Freiland in die Zoopopulation gebracht haben, kann natürlich als Vision auch in die andere Richtung verwendet werden, falls Wildpopulationen in die Krise kommen." Zwei Zielsetzungen stehen hinter diesem Unternehmen: Erstens Krankheiten am isolierten Samen zu testen und zweitens die genetische Vielfalt in der Zoopopulation zu erhöhen. (red, derStandard.at, 14.8.2012)
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