Proteinstruktur verändert sich durch Mikrowellen nicht

14. August 2012, 11:59

Entgegen der weit verbreiteten Meinung wird die Proteinstruktur durch Mikrowellenstrahlung nicht beeinflusst. Das meint zumindest eine Grazer Forschergruppe

Graz - Über die gesundheitsgefährdenden Auswirkungen elektromagnetischer Strahlungen scheiden sich die Geister. Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnte noch 2011 vor einem möglichen Zusammenhang zwischen dem häufigen Gebrauch des Mobiltelefons und einer seltenen Art von Gehirntumor. Grazer ForscherInnen haben nun nachgewiesen, dass niederenergetische elektromagnetische Strahlung, wie sie unter anderem Handy, WLAN oder Mikrowelle verursachen, zumindest die Struktur von Proteinen nicht verändert.

Temperatur ist entscheidend

Proteine - also Eiweiße -, die auch zahlreich im menschlichen Körper vorkommen, bestehen jeweils aus einer langen Kette von Aminosäuren. Unter Hitzeeinfluss "verdauen" bestimmte Enzyme das Protein schneller. Das heißt, sie zerschneiden es in Peptidsequenzen. Da die Mikrowelle Substanzen in kurzer Zeit extrem aufheizen kann, lassen sich mit ihr Proteine rascher zerlegen als durch konventionelle Aufheizung. Dass es tatsächlich nur die Temperatur ist, die diesen Vorgang beschleunigt, und keine anderen, nicht-thermischen Effekte der elektromagnetischen Mikrowellenstrahlung im Spiel sind, das konnten nun Forscher des Christian Doppler Labors für Mikrowellenchemie unter der Leitung von Oliver Kappe an der Karl-Franzens-Universität Graz bestätigen.

Keine messbaren Unterschiede

In mehreren Experimenten ließ die Forschergruppe die Proteine Rinderserumalbumin, Cytochrom C, Beta-Casein unter kontrollierten thermischen Bedingungen bei 50 Grad Celsius einmal mit der Mikrowelle und einmal mit herkömmlichen Verfahren im Ölbad verdauen. Das Ergebnis: "Es gibt keine messbaren Unterschiede bei den Auswirkungen auf die Proteinstruktur, da bei gleichlangen Heizintervallen und gleicher Temperatur jeweils die gleichen Peptidsequenzen herausgeschnitten werden. Der Verdauprozess wird also nur durch die Temperatur und nicht durch Mikrowellenstrahlung beeinflusst", ist Markus Damm - Erstautor der Studie - überzeugt.

Einfluss von Messfehlern

Die Grazer Forscher sehen damit andere Untersuchungen, nach denen Mikrowellenstrahlung direkte Auswirkungen auf die Proteinstruktur hätten, widerlegt. Oliver Kappe führt deren Ergebnisse auf Messfehler zurück: "Es ist extrem schwierig, die Temperatur in der Mikrowelle exakt festzustellen. Wahrscheinlich sind die früher publizierten Experimente nicht bei genau gleicher Temperatur durchgeführt worden". Die Wissenschafter in Graz arbeiten mit einem Mikrowellen-Reaktor, in dem eine eingebaute faseroptische Temperatursonde eine störungsfreie, hoch präzise Messung ermöglicht. Die Ergebnisse der Untersuchungen wurden soeben im "Journal of Proteomics" publiziert. (red, derStandard.at, 14.8.2012)

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21 Postings
... weit verbreiteten Meinung

... aber nur in schlecht-informierten Kreisen.

Ehrlich gesagt...

...ist es mir zieml bambam, ob od ob nicht - mir ist & bleibt die Mikrowelle suspekt. Mein Essen sieht anders aus, schmeckt anders, danke, ich koche & wärme mein Happahappa lieber auf traditionelle Weise.

Wenn ich mein Handy länger ständig in der Hose trage, kriege ich Muskelzucken im Bein dahinter, immerhin regenerierbar... Klar, keine Nebenwirkungen, jaja... *blablabla*

das problem ist: sie wissen nicht, ob es die handy"strahlen" sind oder nicht (ich auch nicht). es gibt gute dafür zu sagen, es liegt nicht daran.
eine alternativeerklärung wären etwa "phantomvibrationen" (googlen).

post hoc ergo propter hoc gilt nicht!

Sie haben recht, wir wissen es nicht.

Unabhängig davon halte ich es nach der Googgerei (danke für den Tip, hatte kein Wort dafür!) für eine ziemlich plausible Erklärung, wenngleich nicht für die einzige mögliche.
Merci! =)

weil ihr bein zuckt und ihnen was suspekt ist, ists böse?
einfach so?

was ist ihnen noch suspekt? nur so zu meiner orientierung

Schön, daß Sie keinen Zushang sehen zw zuckendem Bein & Strahlen. Ist ja auch nicht Ihr Bein, gell? :o)

Es ist nicht "böse", es ist einfach, aber wenn es für Sie "böse" sein soll, dann sei es so. Einfach so.

Es geht Sie nichts weiter an, was für mich noch so alles suspekt ist. Freut mich aber, daß Sie sich bester Gesundheit erfreuen, ich tue selbiges, nur eben ohne Mirkrowelle.

Zufrieden? *gähn*

Sie verstehen das nicht:

Mit dem Mikrowelleherd vertreiben wir die Mikrogeister, die z.b. von Handys freigesetzt werden und bei Ihnen das Muskelzucken verursachen. Probieren Sie es mal aus: Verwenden Sie einen Mikrowellenherd für 2 Wochen und das Muskelzucken wird verschwinden!

Man muss hier übrigens nicht "ForscherInnen" schreiben, weil es sich bei den Autoren ausschließlich um Männer handelt.

Aber man kann. Das heißt nur, dass es nicht näher definiert ist.

MannerInnen. Soviel Zeit muss sein.

Das Bahnbrechende scheint, dass man jetzt die Temperatur in einem Mikrowellenherd genau messen kann.

ich bin da nicht auf dem aktuellen Stand. Ist Mikrowelle derzeit giftig oder krebserregend oder sonst irgendwie schädlich?

Wenn Sie sich selber reinsetzen schon :-)

Naja, wenn sie eine Mikrowelle futtern, ist das sicher nicht gesund...

das glaub ich erst mit einer randomisierten Langzeitstudie!

Die Mikrowelle ist gar nix davon, solange man nicht selber drinnen steckt.

Das Essen, das man aus der Mikrowelle bekommt, ist meistens alles davon, also giftig, krebserregend und insgesamt schädlich. Liegt aber daran, was man da vorher reingibt zum Aufwärmen.

na klar. deswegen kriegen wir alle stress, krebs, depressionen, diabetes, adipositas, ..... ;-)

Ui ...

.... da wird es sich abspielen, wenn die Esoteriker diesen Artikel entdecken :-)

Wissenschaftliche Erkenntnisse, schon gar, wenn sie nicht ins Weltbild passen, interessieren die Szene weniger.
:)

Warum nur fällt mir da Aracni Santini ein?

@derstandard.at:

danke für den link zur homepage der WHO im artikel -- der ist ja viiiiiiieeeeeel relevanter als zb die studie selbst, die im inet nicht nur als abstract sondern in der vollen länge abrufbar ist ( http://www.sciencedirect.com/science/a... 1912005738 ).

mfg

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