Europa steckt in der Rezession fest

  • Die Stimmung in der heimischen Wirtschaft bleibt kühl - im Vergleich zum Euro-Raum bewegt sie sich aber in relativ ruhigen Gewässern.
    foto: apa/stefan sauer

    Die Stimmung in der heimischen Wirtschaft bleibt kühl - im Vergleich zum Euro-Raum bewegt sie sich aber in relativ ruhigen Gewässern.

  • Artikelbild
    grafik: apa

Österreich und Deutschland behaupten sich mit einem Mini-Wachstum

Luxemburg/Wiesbaden/Frankfurt - Die Wirtschaft in Europa leidet. Nach jüngsten Zahlen stecken sowohl die 17 Länder des Euroraums als auch die EU in der Rezession fest: Drei Quartale hintereinander gab es kein Wachstum mehr. Nach einer Stagnation in den ersten drei Monaten 2012 sackte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den 17 Ländern mit der Gemeinschaftswährung um 0,2 Prozent ab.

Damit steckt die Eurozone in einer Rezession fest. Davon spricht man, wenn die Wirtschaftsleistung zwei Quartale nacheinander entweder unverändert bleibt oder abnimmt. Auch im Schlussquartal 2011 hatte es mit 0,3 Prozent bereits ein Minus im Vergleich zu den drei Monaten davor gegeben - den ersten Rückschlag seit 2009. Zu Beginn des Jahres unmittelbar nach der Finanzkrise hatte das Wirtschaftswachstum mit 2,6 Prozent Abnahme zum Vorquartal einen Negativrekord der jüngeren Geschichte erreicht.

In der EU als Ganzes mit ihren 27 Mitgliedsstaaten sank das BIP von April bis Juni ebenfalls um 0,2 Prozent. Großbritannien, das nicht zum Euro-Club gehört, verzeichnete ein Abflauen der Wirtschaftsleistung um 0,7 Prozent. Die EU-Kommission zeigte sich nicht überrascht: "Eine Rezession ist nie eine gute Nachricht, aber es entspricht dem, was wir erwartet haben", sagte ein Sprecher in Brüssel.

Österreich mit Mini-Wachstum

Österreich und Deutschland konnten sich mit einem BIP-Plus im zweiten Quartal on 0,2 bzw. 0,3 Prozent noch knapp behaupten, doch rechnen auch hier Fachleute mit einem weiteren Einknicken und einem Minus im Zeitraum Juli bis September. In Österreichs bremste sich der reale BIP-Anstieg laut Wifo-Schnellschätzung gegenüber dem Vorquartal von 0,5 auf 0,2 Prozent ab und schmolz im Jahresabstand von 2,0 auf ebenfalls 0,2 Prozent zusammen. Trotz der relativ deutlichen Konjunkturabkühlung könne die Entwicklung in Österreich angesichts der Rezession im Euro-Raum aber als relativ gut bezeichnet werden, betonen die Wifo-Experten.

Sowohl der gesamtwirtschaftliche Export als auch der Import wuchsen gegenüber dem vorhergehenden Vierteljahr mit real 0,5 bzw. 0,6 Prozent zwar stärker als im ersten Quartal, da aber beide Komponenten gleichmäßig zunahmen, "lieferte der Außenbeitrag nahezu keinen Wachstumsimpuls für die heimische Wirtschaft", heißt es. 

Auch die Konsumnachfrage der privaten Haushalte stagnierte im zweiten Quartal, nachdem sie im ersten Quartal um 0,2 Prozent gewachsen war. Der öffentliche Konsum stieg mit 0,5 Prozent etwas schwächer als in der Periode zuvor.

Europas größte Volkswirtschaft, Deutschland, bleibt ein Wachstumsmotor in Europa. Frankreich stagnierte wie schon im Vorquartal. Im Krisenland Spanien nahm die Wirtschaftsleistung um 0,4 Prozent ab, Italiens BIP verschlechterte sich sogar um 0,7 Prozent.

Größtes Minus bei Musterschüler Portugal

Eine böse Überraschung kam aus Portugal: Mit 1,2 Prozent fiel das Minus bei dem mit Blick auf sein Reformprogramm gern als "Musterschüler" titulierten Euro-Sorgenkind am höchsten in der Eurozone aus. Experten reagierten alarmiert. "In nur zwei Jahren hat die Krise den internen Konsum um 13 Jahre auf das Niveau von 1999 zurückgeworfen", sagte der angesehene Wirtschaftswissenschaftler Ricardo Cabral von der Universität Madeira der Nachrichtenagentur Lusa. Die liberal-konservative Regierung Portugals und die internationalen Geldgeber rechnen für das Gesamtjahr mit einem Rückgang von 3,0 Prozent.

Am deutschen Konjunkturhimmel ziehen allerdings ebenfalls Wolken auf. Noch trotzt die deutsche Wirtschaft den Turbulenzen der Euro-Schuldenkrise, doch in den kommenden Monaten dürfte sie sich dem Abwärtssog nicht mehr vollständig entziehen können. Ökonomen sagen zumindest für das dritte Quartal eine Wachstumsdelle voraus. Das Schlimmste - ein Absturz in die Rezession - bleibt Deutschland im Gegensatz zum Euro-Raum aber wohl erspart, davon wird überwiegend ausgegangen.

Deutschland droht trotz der Euro-Krise laut dem künftigen Chef des Berliner Forschungsinstituts DIW, Marcel Fratzscher, keine Rezession. "Wir haben eine Konjunkturdelle, aber keine dauerhafte", sagte Fratzscher am Dienstag zu Reuters. Mit einer Wachstumsrate von 0,3 Prozent im zweiten Quartal stehe die deutsche Wirtschaft im Vergleich zur gesamten Euro-Zone noch sehr gut da. Nach einer Abschwächung im zweiten Halbjahr komme voraussichtlich Ende des Jahres eine konjunkturelle Wende in Sicht, die 2013 in eine Erholung münden werde.  (APA, 14.8.2012)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 509
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11
Sprit ist aber so teuer wie schon lange nicht

Hier ist die Entwicklung des Rohölpreises (Brent in EUR):
http://www.ariva.de/chart/ima... 15~Uall~W0

Österreich ab unter den Rettungsschirm...

das meine ich ernst dann brauchen wir nix zahlen...;=)

BIP minus 0,2 Prozent …

und eine Kaufkraft von 1999 … uns gehts echt dreckig

Versteckte Billionen: Steht die Blase vor dem Platzen?.,. Was besonders ins Auge fällt, ist das rasche Wachstum des Weltkapitals.

http://www.theintelligence.de/index.php... atzen.html

Allein von 2010 auf 2011 soll es von 195 Billionen auf 231 Billionen (nicht US- sondern EU-Billionen = 231.000 Milliarden $) gestiegen sein. Bis zum Jahr 2016 wird mit einer weiteren Steigerung um 50% auf 345 Billionen Dollar gerechnet.

Die jährliche Wirtschaftsleistung wird für 2010 mit weltweit 61,96 Billionen $ angegeben. Der Wertanstieg weltweiter Vermögen entspricht somit knapp 60% der Wirtschaftsleistung der ganzen Welt.

Dieses von den Superreichen auf Bankkonten in Steueroasen gehortete Geld fehlt der Wirtschaft und muss durch neue Schulden/EFSF/ESM auf Kosten der Steuerzahler aufgebracht werden.

Naja, Statistik

D.h. aber noch lange nicht, dass jeder Kapitsal-Anleger diese Renditen geschafft hat. Schauen's einmal nach welche Rendite die Pensionsfonds zusammenbringen. Die sind oft sogar negativ! Dann vergessen Sie diese Propaganda-Statistik, die vermutlich von den Linken kommt, rasch wieder.

Da würde ich nicht gleich sagen, das ist links, das nicht und so weiter.
Denn wie lange sind die Laufzeiten der aktuellen Investitionen? Wenn sie die Lebenszeiten von Menschen übersteigen, dann muss bei überbewerteten Investitionen (was ja sich erst am Ende zeigt) jemand noch gar nicht Geborener dafür bezahlen.

Ist es nicht auch die Frage, ob das Geldwachstum ein äquivalentes Realwachstum hat? Glauben Sie, der geschaffene reale "Wert" ist von 2010 auf 2011 um 16 % gewachsen?

Um dieses gehortete Geld kann man zwar nicht reale Produktionsgüter kaufen.,.wohl aber die Sklavendienste der nächsten Generationen. Und da gibt es kaum eine Grenze auf der "nach oben offenen Schuldenskala".

Welche gehorteten Werte sollten das sein?

Etwa österr. Aktien, die seit der Blase 2005 unaufhörlich fallen ??

Ja, Immobilien steigen in manchen Gegenden im Preis, aber auch das ist eine irreale Blase, und kein gestiegener Wert.

Das Geld wird entwertet, dadurch steigen die Preise nominell. Aber eben auch nicht überall. In manchen Gegenden die Immos, derzeit Agrarrohstoffe und Brent Rohöl, Aktien in den USA, Stattsanleihen von USA und D. Gleichzeitig fallen aber andere Vermögenswerte!

Ich besitze weder Rohöl, noch US- Staatsanleihen, noch Agrarrohstoffe, noch eine Immo in einem Blasengebiet,...

@Atento: Also ich kann schon ein Problem dann erkennen, wenn das "gehortete Vermögen", wenn auch nominell, den verschuldeten Staaten als Kredit angeboten wird. Und der Staat gleichzeitig keinen Zugriff auf das Steuergeld hat.

Genau deswegen weil die realen Werte unmöglich um 60 % pro Jahr wachsen können.,.wird ersichtlich, dass ungedecktes Papiergeld und alle daraus abgeleiteten Finanzprodukte nur mehr unhaltbare Versprechen sind.

Aber solange die Menschen bereit sind für diese wertlosen Finanztitel Ackerland, Bodenschätze und Nahrungsmittel zu verkaufen läuft dieses Pyramidenspiel wie geplant.

Finanzielle Repression

Das Pyramidenspiel sind die Währungen, die auf Schulden aufgebaut sind.

Wer nur von den Währungen abhängig ist, ist ein Verlierer, wer Sach- und Vermögenswerte hat, verliert mit etwas Glück nicht viel.

Es müsste eben schon in der Schule gelernt werden, dass kein Mensch mit unterschriebenen Kontrakten auf die Welt kommt. Ein noch nicht geschriebenes, aber existierendes Menschrecht. Die Politik ist natürlich in der Zange, hat aber diese grundsätzliche Option.

Dem ist nicht so.,.In der chrstlichen Religion gibt es die Erbsünde. In Staat und Gesellschaft ist es die "Urschuld".

Die Kommunisten haben ihre Bürger mit der Begründung an der Auswanderung gehindert, dass ein Erwachsener das Produkt der staatlichen Fürsorge, Erziehung und Bildung sei und dieses Humankapital daher nicht veruntreuen dürfe.

Bei uns ist es die Staatsschuld von einigen 10.000 € pro Person/Baby. Da haben unsere Volksverräter für uns schon mehrfach unterschrieben.

Der Staat treibt auch Steuern ein, mit der Begründung, dass wir ihm einen Beitrag zur Bereitstellung der Infrastruktur schulden.

Den Begriff der Schuld gab es schon vor 5.000 Jahren in Mesopotamien und Babylon, noch bevor das Geld erfunden wurde.

http://www.amazon.de/s/ref=nb_... words=debt

Ich versteh das alles nicht mehr

Brauchen wr Experten, um diese ganz einfache Milchmädchenrechnung selber anzustellen: Wenn nur mehr Aktionäre, Bankster udgl. befriedigt werden, fehlt das Geld für die Wertschaffenden. Ein Kuchen hat eben nur eine begrenzte Anzahl an Stücken.
Das ist für mich auch der Unterschied z.B. zu Kreiskys Schuldenpolitik, dort wurde in Arbeitsplätze investiert, heute ist das irgendwie gegenläufig und das Ergebnis mit Hausverstand zu prognostizieren, ganz ohne Experten und Gutachten ;-)

Der Kreisky hat ja mit dem Schuldenmachen angefangen

Jetzt ist das Machen neuer Schulden nicht mehr so populär, obwohl kein Weg daran vorbei führen wird.

Und die südeuropäischen Länder ziehen uns auch wie ein Stein nach unten.

Raus aus Euro, ESM und EU, aber flott!!!

ich hoffe, sie haben auch registriert, dass der Rückgang im Eurio-freien GB höher als in Spanien und gleichhoch wie in Italien ist.

Europa hat auch noch zusätzlich die schlechtesten Zukunftsprognosen

Die USA sind für die nächsten 100 Jahre fein raus, billiges "Menschenmaterial aus Südamerika, und endlos Ressourcen im eigenen Land und beim Bruder Kanada"(werden sich auch bald zusammenschliesen)
Genau dasselbe bei China oder überhaupt Asien.
Afrika wird früher oder später strak im Kommen sein.
Russland dito.
Und auf wen kann die jetzige Eu zurückgreifen??Auf noch nicht erschlossene Reichtümer in Albanien oder bei den Rumänischen Brüdern??
Dazu kommt noch eine Bevölkerung im eigenen Land die das Sparen nur vom Hören und Sagen gewohnt is.
Europa is dem Untergang geweiht, das weiss man sowohl in den USA wie in Asien. Deswegen distanziert man sichauch immer mehr von dem Minikontinent

Europa ist pleite,

so wie Japan und die USA, JA.

Aber Europa wird nicht untergehen! Es wird vielleicht ein oder zwei turbulente Jahrzehnte geben, na und?

Ein geeintes Europa hätte nach der Krise gute Chancen am Weltmarkt wieder bestehen zu können.
Europa könnte aber ein paar gescheite Leute verlieren, wenn die Turbulenzen zu lange anhalten.

Unter anderem ist ein Grossteil von Europa in Russland. So auf die Schnell würde ich sogar mal behaupten, dass Russland das größte Land in Europa ist.

Und dann so einen Schmarrn wie von Ihnen, wo Europa die schlechtesten Karten hat aber Russland stark im Kommen ist.

...Afrika früher oder später...

Ich glaube mit grösster Wahrscheinlichkeit : GAR NICHT

erklärt mir mal wer den wachstumwahn ... warum ist kein wachstum der untergang/bzw. ist es das?

bsp apple, wenn die jetzt ein jahr nicht "wachsen" machen die doch immernoch massiv umsatz, kann ja komplett wurscht sein?
oder facebook - wenn deren nutzeranzahl stagniert dann sinds ja immernoch extrem viele, wohin soll man da wachsen können/sollen/müssen

ich glaube der zwang zum wachstum ist dem menschen innewohnend. zumindest in teilen seines lebens (15-60 lebensjahr?)möchte der mensch morgen mehr haben als gestern. ob das materiell oder immateriell (wissen, fertigkeiten, intensiv. der freundschaften, etc.) ist spielt da weitestgehend keine rolle.
desweiteren entsteht zufriedenheit oder glück, oder wie auch immer sie es nennen wollen über den vergleich, ist also relativ. sie sind glücklicher, wenn sie reicher sind als ihr nachbar, oder reicher als ihr alter ego oder ihre eltern...
wenn man sie heute fragt ob sie groß sind, dann wäre die antwort bei 1,65m als mann evtl. nein. über nacht verdoppelt sich JEDER. wären sie dann morgen mit 3,30m immernoch klein?

noch etwas zur anmerkung. die ansprüche des menschen wachsen mit. das erreichen einer stufe bedingt nur eine zeit lang eine höhere zufriedenheit, bis sie zum status quo wird und sie wieder eine stufe nehmen müssen um wieder glücklich zu sein.

Posting 1 bis 25 von 509
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.