OECD besorgt über Rekord bei deutschem Exportüberschuss

13. August 2012, 18:22
  • Autos zählen zu den Exportschlagern Deutschlands.
    foto: dapd/david hecker

    Autos zählen zu den Exportschlagern Deutschlands.

Wirtschaftliches Ungleichgewicht nimmt weiter zu, OECD rät zu Investitionen in Dienstleistungssektor

Berlin/Tokio - Vom Abbau der wirtschaftlichen Ungleichgewichte ist man innerhalb der EU nach wie vor meilenweit entfernt. Ganz im Gegenteil: Deutschland wird heuer wohl den weltweit größten Exportüberschuss aufweisen. Die OECD rechnet mit einem Leistungsbilanzüberschuss (Saldo aus Güter-, Dienstleistungs- und Einkommensströmen) von rund 200 Milliarden Dollar. Das Münchener Wirtschaftsforschungsinstitut Ifo rechnet sogar mit einem Plus von 210 Milliarden Euro, schreibt die Financial Times Deutschland.

Weder Exportweltmeister China noch Japan oder die ölexportierenden Länder - die ebenfalls mehr Waren und Kapital ausführen als importieren - kämen da mit. Gemessen an der Wirtschaftsleistung (BIP) dürfte der Leistungsbilanzüberschuss Deutschlands wohl über der EU-Toleranzgrenze von sechs Prozent liegen, rechnet das Ifo.

Möglicherweise wird Deutschland daher 2013 von der Kommission gerügt. Als Lehre aus der Krise hat diese nämlich ein Frühwarnsystem entwickelt, um auf allzu große Ungleichgewichte reagieren zu können. Beobachtet werden zehn Indikatoren - unter anderem die Verschuldungssituation (Staat und privat), der Immobilienmarkt oder die Entwicklung des Arbeitsmarktes.

Bei der ersten Prüfung Anfang des Jahres wurden zwölf Staaten näher unter die Lupe genommen - nicht aber Deutschland und Österreich. Entscheidend ist dabei das wirtschaftliche Gesamtbild. Kleinere Abweichungen werden eher toleriert, selbst wenn diese in mehreren Bereichen vorliegen. Estland lag beispielsweise in fünf Kategorien außerhalb der Parameter, kam aber ohne Mahnung davon. Die größten Probleme stellte die Kommission bei Spanien und Zypern fest.

Ob Deutschland daher tatsächlich ermahnt wird, bleibt abzuwarten. Bei der Frühjahrsbewertung lag die Bundesrepublik nur in zwei Kategorien geringfügig außerhalb der Vorgaben. Zum Vergleich: Österreich lag nur bei der Verschuldung (Staat und Privat) leicht über den Referenzwerten. Der Leistungsbilanzüberschuss fiel mit 3,5 Prozent wesentlich geringer aus als beim Nachbarn Deutschland. Für heuer und 2013 rechnen Wifo und IHS sogar mit noch niedrigeren Werten.

Die OECD rät Deutschland, dem Ungleichgewicht mit stärkeren Investitionen zu begegnen. "Die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie zu verschlechtern - etwa durch höhere Lohnsteuern - ist nicht vernünftig", sagte der bei der OECD für Deutschland zuständige Österreicher Andreas Wörgötter der Nachrichtenagentur Reuters. Stattdessen müssten Investitionen in den Dienstleistungssektor erfolgen, wodurch der Konsum im Inland angeregt werde. Dann verringere sich der Exportüberschuss automatisch, so Wörgötter.

Dazu schlägt die OECD vor, für mehr Wettbewerb, vor allem bei Handwerksberufen, zu sorgen. "Wird der hohe Exportüberschuss dadurch verringert, ist das für Deutschland eine Win-win-Situation, weil die Wirtschaft dann stärker wachsen kann und weniger vom Ausland abhängig wird."

Die deutsche Regierung sah sich in ihrem Kurs bestätigt. Für eine ausgewogenere Entwicklung wäre es eher dienlich, wenn Länder mit Schwächen ihre Wettbewerbsfähigkeit verbesserten, sagte ein Sprecher.

Japan wächst kaum noch

Schwache Konjunkturdaten meldete die japanische Regierung. Die Wirtschaft wächst wegen der Euroschuldenkrise und der globalen Konjunkturabkühlung kaum noch. Das Bruttoinlandsprodukt stieg zwischen April und Juni lediglich um 0,3 Prozent. Das war nur die Hälfte des von Experten erwarteten Anstiegs. Im ersten Quartal lag das Wachstum noch bei 1,3 Prozent. (go, DER STANDARD, 14.8.2012)

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18 Postings
Ohne Geld kein Wachstum

Die Deutschen waren schon immer die Streber, sie haben zu den Besten auf der Welt gehört. Jetzt zeigt sich das Problem, dass man sich zu sehr auf den Export verlassen hat.

Die schwache Binnennachfrage, kann den Ausfall der Exportaufträge nicht kompensieren.

Heute wird gemeldet, die deutsche Wirtschaft nur noch gering wächst. Woher soll denn auch Wachstum herkommen? Vor allem der "reformierte" Arbeitsmarkt hat nur noch "arme" Bürger hinterlassen, die sich nichts mehr kaufen können.

http://www.start-trading.de/blog/2012... er-schuld/

je staerker deutschland ist,

umso leichter faellt es "die griechen" und "spanier" zu massregeln, d.h. spar- und schuldendisziplin einzufordern, damit sich die fehler der vergangenheit nicht wiederholen.

Na solange die Bundesregierung die Überschüsse verteidigt und sie als"positiv sieht ist doch alles O.K.
Erinnert fatal an die Situation auf der Brücke der Titanic kurz vor der Kollision.
Empfehle hier das Forum wer Lust hat sich durch 145 Seiten Chauvinismus und Hetze-Morast zu wühlen:
http://is.gd/Wpgtdf
(Spiegel Artikel zum Thema)

lohnerhöhungen in deutschland wären ein probates mittel. dadurch könnte endlich wieder die binnennachfrage anziehen und die starke exportabhängigkeit abgemildert werden.

das ermöglicht es ländern wie spanien ihre exporte wieder zu erhöhen und das wachstum anzukurbeln. weiterhin hohe leistungsbilanzüberschüsse zu generieren und die güter gegen kredite nach südeuropa zu liefern ist kein stabiles modell für deutschland.

langfristig profitiert davon die d. wirtschaft - denn ohne diese maßnahmen werden ihre immensen forderungen gegenüber südeuropa uneinbringlich. ebenso wichtig ist es die zinsen für staatsanleihen in südeuropa auf ein deutlich niedrigeres level zu bringen. die dürfen real nicht über der wachstumsrate liegen.

Zumal die Investitionsgüternachfrage die wegen der sinkenden Reallöhne ausbleibende Konsumgüternachfrage nicht kompensieren wird, da braucht man nur einen Blick in den Geschäftsklimaindex -auch fabriziert von ifo- zu werfen

Leider können die Neoliberalen eins und eins nicht zusammenzählen.

Gueter und Dienstleistungen

Bin gespannt was von der Bilanz Iberia uebrig bleibt,, wenn Griechenland als Bankrott erklaert wird. Allein die Wertberichtigungen bei deutschen Banken wird dá schon ein huebsches Suemmchen ergeben. Wen wunderts, dass dá die Merkel rotiert.

Ohne Iberia ;-)

Nur keine Bange!

..some analysts say that by using the maneuver, banks are killing off avenues of low-cost, long-term funding that are needed to fund loans and operations. That, in turn, could make banks more dependent on the low-cost funding lifeline from the European Central Bank....
Also so gut kann Deutschland gar nicht dastehen, dass Europas miese Banken am Ende Deutschland nicht in die Knie zwingen werden.

.....at the end of July, Spanish banks had borrowed €410 billion from the ECB—a euro-era record.
http://online.wsj.com/article/S... TopStories

Wo bitte ist der Kausalzusammenhang Dienstleistung - Exportüberschuss?

Es sollen "Investitionen in den Dienstleistungssektor erfolgen, wodurch der Konsum im Inland angeregt werde. Dann verringere sich der Exportüberschuss automatisch"

Irgendwie glaub ich dass der Mann keine Ahnung hat!

Kinderbetreuung, Pflege, etc. als regulärer, anständig bezahlter Beruf statt als 1-Euro-Job oder schwarz -> steigende Kaufkraft -> mehr VWs im Inland verkauft -> sinkender Leistungsbilanzüberschuss

Auf die Weise sinken die Leistungsüberschüsse aber nur auf dem Papier oder um genau zu sein, es sinkt lediglich die Quote. Der exportierte Wert bleibt unterm Stich aber gleich.

Wenn in D zB mehr VW´s gekauft werden sollten, heisst das nicht unbedingt, dass dadurch auch weniger VW´s exportiert werden. Die Unternehmen werden die Kapazitäten erhöhen und beide Gewinne mitnehmen. Sowohl jene der Inlands- als auch Auslandsnachfrage.

so können sie keine kaufkraft steigern...

es fehlen ja die Nachfrager nach diesen Dienstleistungen, weil diese kein Geld haben...
Es sei denn sie wollen das staatlich subventionieren, das wäre eine möglichkeit, aber damit erhöhen sie weiter die Staatsquote (was im aktuellen system allerdings so oder so passieren wird...)

Natürlich ist eine Erhöhung der Staatsquote der einzige Ausweg aus einer Überakkumulationskrise

Es sei denn, Sie gehen davon aus, dass unter Kapitalisten plötzlich Einsicht ins Gemeinwohl statt des persönlichen Vorteils ausbricht und die Löhne kräftig erhöht werden.

Nachdem davon eher nicht auszugehen ist, muss das fehlallozierte Kapital der Vermögenden, die damit im unproduktiven Spekulationscasino unterwegs sind, mit anderen Methoden produktiv gesetzt werden.

Daher: Vermögenssteuern und Ausweitung der öffentlichen Dienstleitungen.

(einzige) Alternative: Hyperinflation
(weitere, hoffentlich nicht mehr angewandte) Alternative: Rüstungskeynesianismus

Laufen übrigens alle auf die selbe Produktivsetzung schlecht genutzten privaten Kapitals durch Enteignung hinaus.

die Expansion des Staates ist kein Ausweg...

es ist lediglich eine unausweichliche Konsequenz....

es gibt keinen Ausweg, es gibt nur (irgendwann) einen Neuanfang! - mit einem hoffentlich intelligenteren system...

"Investitionen in den Dienstleistungssektor" sind Hirngespinste von Möchtegern-Planwirtschaftlern, die den ganzen Tag Zahlen auswerten und am liebsten detaillierte 5-Jahres-Pläne vorgeben würden, wenn sie könnten.

ja, und genau diese Planwirtschaftler (vorzugsweise Politiker oder aus der Banken bzw. Konzernebene)

faseln bei ihren Aktionen dann irgendwas von "Marktwirtschaft"....

und wer mehr details moechte, siehe
http://ec.europa.eu/economy_f... dex_en.htm

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