Wert, Gegenwert, Werbewert

  • Sachverständiger erhob "realistische" "Ikonisierung" in der "Krone".
    foto: apa/schneider

    Sachverständiger erhob "realistische" "Ikonisierung" in der "Krone".

Für 43.000 Euro hat die Oberstaatsanwaltschaft nicht mehr bekommen als Einblick in die Inseratenpreisgestaltung der "Krone"

Die "lustvolle Straps-Blondine, Kuschelsex, NF" weiß es. Die "Mini-Maus, klein, zierlich, devot! Mit Superangebot" weiß es. "Ungarinnen, 18-J.", ja sogar "neue Asiagirls" wissen es - da war zu erwarten, dass deren Insiderwissen sich irgendwann auch bis in diverse Abteilungen von Ministerien und des Wiener Magistrats, ja bis hinauf zum einstigen Verkehrsminister durchsprechen musste: "Der Werbewert der 'Krone'" sei derart signifikant, dass er "jetzt auch wissenschaftlich bestätigt" wurde.

Was die Wissenschaftlichkeit des Wertbeweises betrifft, hat Claus Pándi ein wenig geflunkert, als er Freitag eine Meldung von "News" aufbauschte. Aber wenn es um Kohle für die Dichands geht, gehört das zu den Pflichten eines "Krone"-Redakteurs. In Einklang mit "geilen Kärntner Früchtchen" und diversen "heißen Ludern" konnte er feststellen: "Das hätte die Justiz auch billiger haben können: Der Oberstaatsanwaltschaft war es (auf politischen Druck?) ein immerhin 43.000 Euro teures Gutachten wert, herausfinden zu lassen, ob es sich lohne, in der 'Krone' zu inserieren." Wo Pándi recht hat, hat er recht: Jede "großbusige Rubensschönheit" hätte es der Oberstaatsanwaltschaft kostengünstiger besorgt.

Pándi: "Jetzt berichtet das Nachrichtenmagazin 'News', Kosten und Nutzen dieser ÖBB-Imagekampagne wären in einem realistischen Einklang gestanden. Zu diesem wenig überraschenden Schluss ist nun ein . . . renommierter deutsch-schweizerischer Mediensachverständiger gekommen." In "News" ist nur trocken von einem "deutschen Sachverständigen" und kein Wort von Wissenschaftlichkeit die Rede. Dort heißt es: "Die entscheidende Frage, ob der Gegenwert der einjährigen 500.000-Euro-Kampagne in der 'Kronen Zeitung' in Ordnung gehe, bejahte der Sachverständige. Das sei realistisch."

Nur ist der von dem Sachverständigen als "realistisch" anerkannte "Gegenwert" keineswegs identisch mit dem von Pándi als "wissenschaftlich" deklarierten "Werbewert". Jener bezieht sich darauf, ob die ÖBB für ihr Geld auch angemessen Platz für eine "realistische" Ikonisierung des Verkehrsministers erhalten haben. Die Frage nach dem "Werbewert" bleibt laut "News" in dem Gutachten ausdrücklich ausgeklammert: "Die Zusatzfragen der Justiz aber konnte er nicht beantworten. Etwa jene, die Zweifel an der Werbestrategie beinhaltet, zuerst Missstände aufzuzeigen, die der zuständige, aber nicht geschäftsführungsbefugte Minister dann abzustellen gedenke. Dazu kann Gutachter Braun nichts sagen."

Für 43.000 Euro hat die Oberstaatsanwaltschaft nicht mehr bekommen als Einblick in die Inseratenpreisgestaltung der "Krone", womit wieder Pándi recht hat, wenn er schreibt: "Dass die Justiz und die zuständige Ministerin für diese banale Erkenntnis eine Menge Steuergeld verpulvert haben, trübt die Freude."

Solange "Steuergeld" für Inserate in der "'Krone' verpulvert" wird, bleibt Pándis Freude gänzlich ungetrübt, egal, in welcher Relation der "Werbewert" für den Inserenten zum "Gegenwert" für das Blatt stehen mag. Er spricht das auch offen aus: "Freilich bekommen die Politiker für die Inserate nicht mehr und nicht weniger als eben genau diese Leistung." In diesem Fall eher weniger. Denn eine Werbekampagne ist kaum vorstellbar, deren "Werbewert" sich für den Begünstigten als desaströser herausstellte, als jene, der die Oberstaatsanwaltschaft nun noch 43.000 Euro nachgeworfen hat. Darauf demselben Zielpublikum auch noch die Behauptung anzudrehen, der "Werbewert der 'Krone' jetzt auch wissenschaftlich bestätigt", ist eine offene Verhöhnung des Inserenten, freilich keine unverdiente.

Umso frecher, als der wissenschaftliche Funke, der das einseitige Geschäft zündete, in einem zweifellos tiefen Gedankenaustausch zwischen dem unseligen Verkehrsminister und dem seligen "Krone"-Herausgeber übersprang. Ein vertiefendes Gespräch des Ministers mit dem innenpolitischen Chef des Blattes folgte, bei dem besagter Pándi den Ideen seines Chefs kaum widersprochen hat. Die folgende Verschränkung der beiden Häuser - der Minister als Trauzeuge bei Pándis Hochzeit, dessen Frau seine Pressesprecherin - besiegelte den "Gegenwert" des Deals, indem sie den "Werbewert der 'Krone'" kommerziell bestätigte.

Wäre der Minister einer "prallbusigen Sommergazelle" als Trauzeuge gegangen, stünde der Bundeskanzler besser da. Daher in Zukunft inserieren besser nicht mit Pándi als Medium. Lieber mit "Medium Gloria De Fee - Hellsehen mit und ohne Hilfsmittel". Da ist Erfolg garantiert. (Günter Traxler, DER STANDARD, 14.8.2012)

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