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Zu viel Gebühr, zu wenig rechtliches Fundament ortet das OLG Graz in Klagenfurt.
Wasser, Strom und Gas werden in Österreich in der Regel noch von kommunalen Energieversorgern bereitgestellt. Immer mehr dieser Unternehmen geht es aber finanziell schlecht. So auch den Stadtwerken Klagenfurt. Seit 2010 hilft eine umstrittene Wassergebühr, dem Versorger finanziell zu gesunden. Der Haken dabei: Die Gebühr droht gerichtlich gekippt zu werden.
Das Oberlandesgericht Graz hat nämlich festgestellt, dass das gesamte Wasser-Gebührensystem in Klagenfurt rechtswidrig ist. Geklagt hatten erboste Kunden. Problem dabei: eine Gebühr dürfen die Stadtwerke eigentlich gar nicht einheben, das obliegt der Stadt. Trotzdem wähnt man sich in der Sache richtig. "Wir gehen davon aus, dass wir vor dem OGH auch Recht bekommen", sagt Stadtwerke-Pressesprecher Harald Raffer zu derStandard.at. Die juristische Sichtweise des OLG Graz sei "schwer nachvollziehbar". Daher hätten die hauseigenen Juristen auch darauf bestanden, dass ein Spruch des Höchstgerichts "unerlässlich" sei.
Der Spruch ist auch notwendig, denn es geht um große Summen. Rund 20.000 Haushalte zahlen den Stadtwerken seit gut eineinhalb Jahren fast sieben Euro monatlich (siehe Preisblatt). Das entspricht rund einem Drittel der Wasserrechnung eines Vier-Personen-Haushalts. Millionen Euro hat die Gebühr bereits in die Kassen des Versorgers gespült. Für die Stadtwerke hat das aber nichts mit Abkassieren zu tun, so Raffer: "Viele österreichische Gemeinden haben das Problem, dass sie, gelinde gesagt, eine schwache Finanzlage aufweisen." Das Geld sei nötig, fließe beispielsweise in den Austausch von Rohren und in das Analysieren von Wasserproben. Als Körberlgeld könne man die Gebühr noch am ehesten bei "Zweitwohnungs- und Villenbesitzern" sehen, die es "an Bord zu holen" galt.
Jetzt heißt es Warten auf den Spruch des OGH. Man hofft auf ein baldiges Urteil, das sei im Interesse der Kunden, heißt es von den Stadtwerken. "Je früher, desto besser" lautet auch das Motto der Stadt Klagenfurt, der die Stadtwerke - eine Aktiengesellschaft - zu hundert Prozent gehören. Eine Arbeitsgruppe aus Fachleuten von Stadt und Versorger arbeitet seit einer Woche an einer möglichen Neulösung, falls die "Rückführung in die Stadt" nötig sei, heißt es aus dem Büro des Klagenfurter Bürgermeisters Christian Scheider (FPK).
Dass sich die Stadt wieder des Problems annimmt, liegt an engagierten Bürgern. Zunächst wandten sie sich an die Arbeiterkammer (AK) Kärnten. Diese wollte aber mangels Erfolgsaussicht nicht klagen. Offiziell zumindest, denn hinter den Kulissen soll sie von der SPÖ Klagenfurt zurückgepfiffen worden sein. Die Partei habe schlechte Presse gefürchtet, da die Absegnung der Gebühreneinführung in die Zeit der SP/FP-Koalition fiel, so die Beobachtung eines mit den Vorgängen Vertrauten. Die Sozialdemokraten bestreiten das, die AK handle schließlich eigenständig. "Wir haben sicher nicht interveniert", betont Stadtrat Jürgen Pfeiler (SPÖ) im Gespräch mit derStandard.at. Im Gegenteil, die Partei sei für eine Aussetzung der Gebühreneinhebung, bis ein rechtsgültiger Zustand bestehe. Dazu braucht es aber auch die Freiheitlichen, die bis dato an der Gebühr nicht rütteln wollen. "Eine Aussetzung ist derzeit nicht angedacht", winkt Bürgermeister Scheider ab.
Die klagenden Bürger, die sich im sogenannten "Bürgerforum Wasser Klagenfurt" sammeln, raten den rund 60.000 betroffenen Klagenfurtern einstweilen, von den Stadtwerken eine Rückzahlung zu fordern. Einen Musterbrief dafür findet sich auf der Homepage des Forums.
An den Nerven der Klagenfurter rütteln dafür weiterhin die Stadtwerke. Denn nun hat ihre Strom und Gas bereitstellende Tochter die Jahresrechnung nach nur neun Monaten unterbrochen. "Wir haben nur unser Computersystem umgestellt", verteidigt der Versorger dieses Vorgehen. Da dieses Umstellen aber mitten im Sommer erfolgt - und dadurch kostenärmere, da heizungsfreie, Monate wegfallen - fürchten viele Bürger höhere Monatsvorschreibungen. Einen "zinsenfreien Kredit" für die Stadtwerke vermutet etwa eine Kundin in einer Protest-Email. Der Versorger wiederum bestreitet das. "Alles kein Problem", entgegnet Firmensprecher Raffer. Bestehe ein Kunde auf dem alten Zeitraum, lasse man mit sich reden. Es soll keiner das Gefühl haben, übergangen worden zu seien.
Dass juristisch korrektes wie mutmaßlich unkorrektes Geldeinnehmen wehtun kann, zeigt auch das Beispiel Wien. Der Preis für Wasser wurde in der Hauptstadt mit Jänner 2012 um 33 Prozent erhöht. Mit rund sieben Euro pro Monat und Haushalt beträgt hier allein die Steigerung so viel, wie die Stadtwerke Klagenfurt mit ihrer "Bereitstellungsgebühr" verlangen. Am Ende kommt das Wasser den Wienern teurer als in Klagenfurt. (Hermann Sussitz, derStandard.at, 14.8.2012)
Laut Bilanz weisen die Stadtwerke, die auch Mehrheitsanteile an der Bestattung Kärnten und einer Außenwerbungsfirma halten, 2011 einen Verlust von 6,5 Millionen Euro aus.
Auf findige Weise mehr einnehmen, diese Lehren könnten die Stadtwerke auch aus ihrem Sportsponsoring gezogen haben. Zwei Millionen Euro war dem schon seit Jahren unter Verlusten leidenden Versorger das Sponsoring des Fußballklubs SK Austria Kärnten in der Herbstsaison 2009/10 wert. Nur um zu sehen, wie der Verein im Juni 2010 Konkurs anmelden musste. Der Fall wird nun schon zum zweiten Mal von der Staatsanwaltschaft Klagenfurt untersucht.
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Wahljahr ist's, und da kann ein bisschen Emotionalisierung nicht schaden
Wasser ist hierzulande ein hochemotionell, fast schon neurotisch besetztes Thema.
ich möchte allen Wienern, welche die GIS Gebühr zahlen, empfehlen, den Kulturförderunsbeitrag nicht zu zahlen und sich auf folgendes Urteil zu berufen:
http://www.vfgh.gv.at/cms/vfgh-... g57-04.pdf
Seit Jahren zahlen die Wiener ohne gesetzliche Grundlage diesen Teil der Gebühran die GIS.
Liegt das Kärtnersystem nicht außerhalb der Zuständigkeit des Grazergerichtshofes oder ist dieser ein Bundesgericht? Oder hat Kärtnen kein zuständiges Landesgericht?
Zur Sache: die Gebühr ist sicher ärgerlich (und es wird das Gericht entscheiden ob und wer sie einheben darf (obwohl letzteres aus Sicht des Verbrauchers keinen großen Unterschied machen dürfte)), aber immer noch besser als ein Privatanbieter. Nichts gegen Privatanbieter, aber bei gewissen Grundversorgungsachen (wie Wasser) sollte zumindest der größere Marktanteil für ("Quasi"-) Öffentliche resserviert sein.
Ich entnehme dem Artikel folgende wesentliche Weisheiten:
1.) die Rechtmäßigkeit richtet sich danach, ob beim Beschluß die SPÖ mitgewirkt hat
2.) das Wasser kommt von den Wasserwerken, die jedoch nicht im Besitz der Leitungen sein dürften, ergo
3.) werden die Klagenfurter ab sofort jedes Vierteljahr 2 Rechnungen bekommen: eine fürs Wasser von den Wasserwerken und eine für die Leitung/Zähler von der Stadt
Es gibt natürlich auch die Möglichkeit, daß die Stadt die Wasserwerke mit der Einhebung betraut, dann könnten die Wasserwerke aber auf die € 7.-, die sie an die Stadt abliefern einen Einhebungs-/Verwaltungszuschlag verlangen. Da wären so 10% im Rahmen des Üblichen...
Die FPK hat im Gemeinderat keine Mehrheit, also los, liebe SPÖ!
Wenn Sie nächstes mal gefragt werden, sagen sie einfach, die Unrechtmäßigkeit bestehe durch Beschluss der SPÖ in der SPFPÖ-Koalition, wie diese heute durch die Einstellungsforderungen eindeutig gesteht.
Die FPK hingegen stehe zu ihren Entscheidungen, und werde die SPÖ nicht so leicht davonkommen lassen.
Während wir für Kochen und Trinken lediglich vier Liter am Tag nutzen, fließen 135 Liter Trinkwasser pro Kopf täglich durch die Abflussrohre. Der Wasserbedarf könne effektiv eingeschränkt werden, indem wir Brauchwasser verwenden, wo kein Trinkwasser notwendig ist, erklärte Bernhard Pelikan vom Institut für Wasserwirtschaft der Wiener Universität für Bodenkultur im Ö1-Morgenjournal.
Beispielhaft nannte der Wasserbau-Experte das Gießen von Pflanzen, Autowäsche und Toilettenspülungen. Allerdings mangele es hier an der Infrastruktur, die auch in Zukunft nur schwer umzusetzen sein dürfte. Aus Sicht Pelikans ist Wasser in heute zu billig, denn "was nichts kostet, ist nichts wert". (red, derStandard.at, 22.3.2012)
keine 135 Liter am Tag, vielleicht etwas mehr als die Hälfte, und das wird wohl bei den Meisten so sein. In den 135 Litern sind offenbar auch Industrie und Gewerbe mit drinnen. (Oder meinte er: Haushalte mit mehr als 1 Person?)
Das mit dem Brauchwasser ist so eine Sache. Das zahlt sich vielleicht aus, wenn es beim Neubau eines Hauses berücksichtigt wird, aber nachträglich amortisiert es sich für Haushalte nie (Gewerbe schaut natürlich anders aus, und dort passiert's auch, etwa Recycling in Autowaschanlagen).
Außerdem gibt es in Österreich ganz sicher nicht zu wenig Wasser: Nur 5 % dessen, was ohnehin die Flüsse runter rinnt, geht in Wasserleitungen.
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