Würde

Heidi List, 13. August 2012, 17:12
  • Die Finalistin Beate Schrott trug die österreichische Fahne bei der Abschlussfeier der Olympischen Spiele.
    foto: apa/johann groder

    Die Finalistin Beate Schrott trug die österreichische Fahne bei der Abschlussfeier der Olympischen Spiele.

Beate Schrott hätte die österreichische Fahne zusammenrollen und an eine Körperstelle von Ministers Darabos applizieren sollen, meint Heidi List

Beate Schrott trug die österreichische Fahne bei der Abschlussfeier der Olympischen Spiele in London. Sie hat es in das Finale über 100 Meter Hürdenlauf der Damen geschafft. Unglaublich! Wirklich, wirklich großartig! An ihrer Stelle hätte ich danach die Fahne zusammengerollt und an die Körperstelle ihrer Wahl des zuständigen Ministers Darabos appliziert. Der, der sich öffentlich geniert hat für die Sportler. Ich weiß nicht, ob das schon wer thematisiert hat, aber keiner unserer Olympioniken hat absichtlich verloren. Alle wollten eine Goldmedaille. Mindestens. Ein Leben lang darauf hin zu trainieren, damit man sich mit den Weltbesten einer Disziplin messen kann, das heißt schon was. 

Es gilt die Unschuldsvermutung

Ich weiß das deswegen gut, weil ich damals in meiner Teeniezeit womöglich die körperlichen Voraussetzungen für eine nette Sportkarriere gehabt hätte. Aber da war noch das andere. Die tägliche Disziplin, viele Stunden Training, ob man in Form ist oder nicht, ob man Unterstützung hat oder nicht, ob man will oder nicht - und ohne Garantie, dass es gut weitergeht. Der tägliche Verzicht auf andere, in jungen Jahren auch interessante Dinge (in meinem Fall waren das - glaube ich - das Herumhängen mit Musik- und Nikotinbegleitung).

Die Wettkämpfe. Die Hysterie davor. Der Frust danach, oder die Freude, die immer kürzer währt als die Enttäuschung, weil es weitergehen muss, denn der nächste Wettkampf lauert schon an der Ecke. Das muss man mögen, dafür muss man leben wollen. Das Hoffen auf Glück bei Auslosungen. Das Aushalten von Intrigen der anderen oder deren Eltern. Das Ertragen von Anweisungen seitens der Funktionäre - oft Wichtigmacher, die sich über die Fremdleistungen der Athleten profilierten, deren eigene fette Bäuche nicht viel von Sport zu erzählen wussten. Jaja, es gibt Ausnahmen - jaja, es gilt die Unschuldsvermutung.

Ein einsamer Job

Vor einiger Zeit hatte ich mit Funktionären des Bundesverbandes eines beliebten österreichischen Ballsportes zu tun. Der Ton dort ist jovial. Wirklich nett, wenn man einen Termin hat. Die Zusammenarbeit gestaltet sich dann so, dass man zurückgerufen wird, wenn man wichtig ist. Man bekommt ein SMS, wenn sie noch eine Ausrede suchen um abzusagen. Man hört gar nichts mehr von ihnen, wenn sie beschlossen haben tatsächlich abzusagen. Mir war‘s ja egal, aber man kann schon vermuten, dass es dem einen oder anderen Sportler auch so geht, der vielleicht einmal einen Hänger hat. Einsamer Job, das. Da braucht man Würde und Selbstbewusstsein.

Gut also, dass das Land nicht nur aus dem einen Minister besteht. Der, dem jetzt Änderungsbedarf in der österreichischen Sportwelt aufgefallen ist. Frau Schrott hat die Fahne für die getragen, die ihnen die Daumen gehalten haben. Und für die, die es probiert haben. Nämlich die Weltbesten in einer Disziplin zu werden. Herr Darabos versucht es erst jetzt, das mit seiner Disziplin. Das mit dem Auseinandersetzen mit dem Sport. Und den Verbänden. Und den Förderungen. Das ist wie wenn Frau Schrott heute, Montag, den 13. August, einen Tag nach Ende der olympischen Spiele ins Stadion ginge und jetzt völlig für‘n Hugo die 100m Hürdenlauf absolvierte. Da applaudiert keiner. Echt nicht. Sie hat dann die Fahne sicher in ein Eck gestellt und war höflich zum Minister. Sie hat ja Würde. (Heidi List, derStandard.at, 13.8.2012)

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Ein unglaublicher Stil

Die Aufforderung zum Einführen einer Fahne ist nicht nur journalistisch und menschlich tiefstes Niveau, sondern erfüllt m.M. auch mehrere Straftatbestände wie z.B. Herabwürdigung staatlicher Symbole und Amtsehrenbeleidigung.

Eine Anzeige an den Presserat ist erfolgt.

Ich lächle ungezwungen über ihre Torheit.

Kommentar (Journalismus):
"Ein Kommentar im Journalismus ist ein Meinungsbeitrag [sic!] zu einem Thema, der den Autor namentlich nennt." (Quelle: Wikipedia)

Konjunktiv:
"Der Konjunktiv wird für die Darstellung einer Möglichkeit [sic!] benutzt und daher auch als Möglichkeitsform bezeichnet." (Quelle: Wikipedia)

sie haben sicher recht. es ist knochenarbeit im sport an die weltspitze zu kommen. keine frage.
aber wenn man sich manche kommentare der österreichischen sportlerInnen nach dem wettkampf angehört hat, waren sie mit ihrer äußerst mäßigen leistung zufrieden. und das ist das problem. man hörte viel von genießen, aber wenig von leistungssteigerung.
und das scheint in österreich ein allgemeines problem zu sein und nicht nur ein sportliches. die in guten positionen wollen nur mehr genießen, von leistung wollen sie nix hören!

@standard

Darf ich kurz darauf hinweisen, dass "Olympionike" Olympia s i e g e r heißt.
Das Wort "Nike" (Nikis) - kennt eh jeder- heißt soviel wie Sieg; die Siegesgöttin ( die mit den Flügeln) heißt Nike.
Unsere Sportler, die ihr Bestes gegeben haben, sind Olympia t e i l n e h m e r.
MfG

In Ihrer tollen Definition fehlt das Wörtchen "ursprünglich".

Und damit stellen Sie sich letztendlich als Besserwisser dar, der es schlechter weiß. Peinlich.

Siehe unten!

Danke für die Aufklärung über die URSPRÜNGLICHE Bedeutung der Wortes.

Als kompetenter Sprecher der deutschen Sprache muss ich Sie aber leider darüber in Kenntnis setzen, dass sich die Bedeutung des Wortes geändert hat und nunmehr Olympionike und Olympiateilnehmer Synonyme sind, wie Ihnen auch ein Blick in ein Wörterbuch Ihrer Wahl verrät.

Danke, war mir entgangen!
Man lernt nie aus! :)

barbie und die bezaubernde jeannie!

Der Artikel...

...illustriert unfreiwillig eines der Hauptprobleme: viele meinen offensichtlich, dass einem Sportler alles nach- und zugetragen werden muss. Und dann wundert man sich ueber fehlende Wettkampfhaerte. Das heisst bitte nicht, dass man ihm oder ihr das Leben absichtlich schwer machen soll, aber im Sport gibt es immer Gegner, die besser, laestig, unfair etc. sind. Dazu gehoeren nicht nur Personen, sondern auch Lebensumstaende.
Der Vergleich mit Skifahren hinkt an mehreren Stellen. Skifahren hat in A einen sehr hohen Stellenwert. Die meisten Skifahrer kommen immer noch aus einfachen Verhaeltnissen, wo niemand jemanden verhaetschelt. Das Selektionsverfahren im OeSV ist beinhart und der OeSV ist der einzige Verband in A der hochprofessionell ist.

Das Statement Darabosens, in dem er sich für die Sportler geniert ist mir entgangen oder hat tatsächlich nur in der Phantasie

der verhinderten Leistungssportlerin, die den Artikel verfasst hat, stattgefunden.
Ich erinnere mich an Kritik von Darabos an den Strukturen nicht an den Sportlern, selbst dort wo Kritik angebracht gewesen wäre (Rogan).

Cazzino kriegt nix mit, stellt

falsche Behauptungen auf ("Österreich gemessen an der Einwohnerzahl die mit Abstand erfolgreichste Nation der Welt"), hat also keine hilfreichen Beiträge abgeliefert, soll sich bitte in Klausur begeben und wenn möglich eine Weile nix posten, ok?

ich schlage vor dass fuer gudrun harrer und frau list eine neue standard wochenendbeilage angelegt wird. 6 doppelseiten wo die 2 nach lust und laune suddern duerfen ;-)

Ein Leben lang...
get a life. Die ist doch noch keine 30!
War doch lustig dass sie laufen durfte.

Nächstes Jahr sollten wir einfach keine Österreicher hinschicken. Dann können die Sportler ganz einfach unter der Flagge des IOC antreten. Bitte auch privat den Flug zahlen.
Politikern sollten wir auch keinen London Urlaub zahlen.
Dafür einfach mehrere Projekte in Österreich umsetzten...haben wir mehr davon.
https://www.facebook.com/SurfwelleWien

Ich bin mir sicher, dass man - Ihrem Ratschlag folgend - nächstes Jahr keine Österreicher hinschicken wird.

:-)

Vielleicht sollt ma nächstes Jahr wen hinschicken. Die Medaillenchancen wären in allen Disziplinen sehr hoch.

die Meldung der

Woche :-)

Jeder Österreicher muss sich fragen: "was war/ist meine sportliche Leistung?"

Das Abschneiden unserer Athleten ist ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Saufen, Rauchen und Fressen ist Volkssport.
Schnell bewegt man sich bei uns nur motorisiert.
Wer die Sportler, die bei den Spielen waren, kritisiert, hat überhaupt nichts verstanden.
Das sind unsere Besten und jede der dabei war hat alles gegeben. Das sind untypische Österreicher, die nicht über Freunderlwirtschaft auf Versorgungsposten gehievt wurden, wie es bei vielen unserer "Leistungsträger" der Fall ist.

Also: was war/ist meine sportliche Leistung?

Die Österreicher saufen, rauchen und fressen offensichtlich nur

im Sommer, denn bei den Winterspielen ist Österreich gemessen an der Einwohnerzahl die mit Abstand erfolgreichste Nation der Welt.

wir sind bei den winterspielen auch nur in einer randsportart wirklich gut, die nur in 2-3 ländern wirklich professionell betrieben wird und die höchstgradig sozial selektiv ist, weil sichs nur betuchte leisten können......

Norwegen, mein Freund, hat knapp 5 Millionen EW

Österreich 8,5 Mio

Norwegen hat fast doppelt so viele Goldene bei Winterspielen wie Österreich!

Verstehst du das?

Das heißt: Norwegen hat über 3 mal mehr Goldene pro Einwohner als Österreicher!

Verstanden? Angekommen? Kapiert?

Vielen Dank für Ihr kontinuierliches Nachfragen. Ich hoffe, das ist ok, wenn ich dieser meiner Dankbarkeit für Ihre Fürsorge auf diesem Wege Ausdruck verleihe. Ja? Nein? Vielleicht? Sonst alles ok? Konnten Sie mir folgen? Heute schon geduscht? Können Sie mir die Fernsehbeilage borgen?

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