"Es gehört ein neues Klima her!"

Thomas Trenkler
13. August 2012, 17:31
  • Sein Verlag ist schuldenfrei: Lojze Wieser.
    foto: apa/gert eggenberger

    Sein Verlag ist schuldenfrei: Lojze Wieser.

Lojze Wieser, entschuldet, fordert Zivilcourage ein

Klagenfurt - Im März musste der Wieser Verlag, damals mit mehr als 800. 000 Euro überschuldet, beim Landesgericht Klagenfurt Insolvenz anmelden. Die Sanierung in Nichteigenverwaltung ist mittlerweile abgeschlossen: Die Gläubiger akzeptierten eine Quote von 20 Prozent, der Masseverwalter wurde seines Amtes enthoben.

Lojze Wieser, der seinen Verlag vor 24 Jahren gründete, blickt zuversichtlich in die Zukunft: "Wir sind schuldenfrei und haben während des Insolvenzverfahrens fleißig gearbeitet. Das Herbstprogramm besteht aus 18 Titeln, die meisten sind schon erschienen."

Der Verlag, der die vielbeachtete Reihe "Europa erlesen" herausbringt, ist nicht mehr eine Einzelhandelsfirma, sondern eine GmbH. Lojze Wieser hält als geschäftsführender Gesellschafter nur fünf Prozent; den großen Rest übernahm ein Konsortium aus Freunden und Förderern, darunter Erhard Busek: "Sie erwarten keine Gewinne. Sie wollen einfach die europäische Ausrichtung des Verlages unterstützen."

Wieser wird daher auch in Zukunft ein unangenehmer Kritiker sein. "Wir Künstler haben immer wieder die Stimme zu den Entwicklungen in Kärnten erhoben", sagt er. "Es haben sich viele zu Wort gemeldet, die um ihre Existenz gebracht worden sind, und mit welchem Mut sie das getan haben! Es ist gut, dass jetzt all die Lügengebilde aufbrechen."

Bei einer von der Kärntner Tageszeitung organisierten Diskussion ließ Wieser seinen Utopien freien Lauf: "Der Keller stinkt, die Kartoffeln sind faul, wir wissen, wie das riecht. Der Keller gehört ausgeräumt und das Haus wie nach einem Toten ausgeräuchert! Es gehört ein neues Klima her, es gehört ein Fairnessabkommen her, wo Leute, die angeklagt sind, sofort zurücktreten müssen, bis das geklärt ist."

Wieser fordert u. a., dass Wahlkampfspesen gesetzlich verboten werden müssen - und er nimmt die Zeitungen in die Pflicht: "Es muss klargemacht werden, dass mit Falotten, die lügen, die Eide brechen, keine Politik zu machen ist. Da muss sich jeder einzelne Mensch an der Nase nehmen und sagen, ich kann mich nicht mehr verstecken hinter dem Verblichenen, der hat das eingeleitet." Wiesers Conclusio: "Es wird von allen Zivilcourage brauchen." (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 14./15.8.2012)

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"Es muss klargemacht werden, dass mit Falotten, die lügen, die Eide brechen, keine Politik zu machen ist." Das Problem haben wir in Wien auch, wo eine neue Regierungspartei von einem Notariatsakt, den sie kurz vor der Wahl unterschrieben hat, nichts mehr wissen will, seit sie mit an der Macht sitzt ...

Danke für diese klaren Worte,

nur wieviele Kärntner denken so wie Sie, Herr Wieser?

das alle Kärntner so denken, sollten Sie sich lieber nicht wünschen. Sonst gehen die alle genau wie Herr Wieser in die Insolvenz - und die Lieferanten bleiben auf ihren unbezahlten Rechnungen sitzen...

Neues Wetter?

Seit die Sonne vom Himmel gefallen ist dauert das Warten auf eine saubere Morgenröte schon Jahre.

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