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Edith Huber wurde für ihre Netzstalking-Studie prämiert.
Als Edith Huber vor zehn Jahren begann, wissenschaftlich zum Thema Internetsicherheit zu arbeiten, war sie in Österreich eine der Ersten. Ihre kürzlich veröffentlichte Dissertation, "Cyber-stalking - ein Phänomen des sozialen Wandels", ist die erste landesweit repräsentative Studie auf diesem Gebiet in Österreich. Die Arbeit trug der 37-Jährigen im Juni einen Maria-Schaumayer-Stiftungspreis zur Unterstützung von Frauenkarrieren ein.
In ihrer Studie, die demnächst als Buch beim Springer-Verlag erscheinen wird, analysiert Huber das Cyberstalking-Verhalten der Österreicher und versucht den bisher ungenauen Begriff zu präzisieren. Denn das Missbrauchspotenzial, das heutige Kommunikationstechnologien bieten, ist groß: Stalking und Mobbing via Internet und Handy sind einfach, anonymisiert und fallen rechtlich nach wie vor in eine Grauzone.
Die Absolventin der Publizistik- und Kommunikationswissenschaften sowie der Psychologie an der Uni Wien leitet heute die Stabsstelle für Forschung und Internationales an der Donau-Universität Krems. An der Sicherheitsforschung im Netz reizte sie vor allem die Interdisziplinarität und Paxisnähe des Feldes. Die Wienerin forscht gemeinsam mit Juristen, Sprachwissenschaftern und Soziologen und arbeitet mit zuständigen Behörden, etwa der Wiener Polizei und dem Unterrichtsministerium, zusammen.
"Ein Ziel ist es, die Prävention zu verbessern, gerade bei Jugendlichen. Lehrer, Eltern und Polizeibeamte sollten geschult werden, Mobbing- und Stalkingverhalten zu erkennen und zu beurteilen. Was für den einen Stalking ist, ist für den anderen vielleicht ganz normal", sagt Huber. Betroffenen rät sie, Anzeige zu erstatten. Wichtig sei, die Belästigungen zu dokumentieren. Außerdem muss das Stalking mindestens einen Monat andauern, da sonst keine "beharrliche Verfolgung" vorliegt, die für eine Ermittlung notwendig ist. Selbst war Huber noch nicht betroffen. Sie nutzt soziale Netzwerke wie Twitter oder Facebook - wenn auch vorsichtig: "Ich bin da voll dabei, aber ich weiß, was ich tue."
Auch außerhalb des Internets hat sich Huber mit Fragen der Sicherheit beschäftigt. In einem Projekt, das durch das Sicherheitsforschungsprogramm Kiras des Infrastrukturministeriums gefördert wurde, erforschte Huber, welche Auswirkung Überwachungskameras bei Großveranstaltungen auf das Sicherheitsempfinden der Besucher haben - meist eher wenig, wie die Studie zeigte.
Derzeit widmet sie sich einem in Österreich noch wenig erschlossenem Feld: Amokläufer, wobei Huber hier den Terminus "Gefährder" vorzieht. Es geht dabei nicht um Menschen, die mit Maschinenpistolen Massen niedermähen, sondern um solche, die Waffen am Arbeitsplatz oder in der Schule bei sich tragen und eine potenzielle Gefahr darstellen. "Die Forschung orientiert sich vor allem am Vorbild der USA und Australiens. In Europa gibt es wenig, am ehesten noch in Deutschland", erklärt die Jungforscherin.
Neben der Forschung unterrichtet sie auch an der Donau-Universität Krems, wo sie eine unbefristet Vollzeitstelle hat - eine Seltenheit in der Branche. Da sie in Wien lebt und täglich pendelt, ist Freizeit ein seltenes Gut. Sie selbst sieht das allerdings gelassen: "Man kann eben nicht ein bisschen forschen." (Barbara Wallner, DER STANDARD, 14./15.8.2012)
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