Budapests verdichteter Kommunismus

Fotoreportage | Michael Matzenberger
17. August 2012, 05:30

Ein Freiluftmuseum am Stadtrand: Die 1989 in Ungarns Hauptstadt demontierten kommunistischen Statuen und Denkmäler erzählen vom Niedergang eines Systems

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foto: derstandard.at/michael matzenberger

Es ist offenbar nicht das beliebteste Ausflugsziel Budapests. Während Touristenscharen im Budaer Burgviertel ihr Pflichtprogramm abspulen und auf der Váci Utca von Straßenkeilern in Souveniershops und überteuerte Restaurants gelockt werden, sitze ich alleine im Autobus zum Memento Park. Er hätte schon vor einigen Minuten vom Deák Ferenc tér abfahren sollen, als noch ein weiterer Reisender zusteigt.

Wenige Augenblicke später schaut eine junge Frau stirnrunzelnd in das Innere des Busses. Zwei Personen seien deutlich zu wenig für den Bustransfer, erklärt sie uns. Gegen einen Aufpreis könnten wir uns stattdessen ein Taxi zum Freilichtmuseum am südwestlichen Stadtrand Budapests teilen. Wir stimmen zu.

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@Ruin Pub

sehr gerne Herr Matzenberger!

Und kein Wort von einer der brühmtesten Stauen: Ostapenko-Statue???

http://www.flickr.com/photos/an... 850363516/

Wie oft wurde damals Autofahrern (die sich in Budapest nicht auskannten) gesagt: "Ich warte auf dich bei Ostapenko und dann folge mir!" oder "Ich begleite dich bis Ostapenko und von dort schaffst die Fahrt nach Hause auch schon allein!"

Bogdan Bogdanovic ist zu empfehlen,wenn man Antifaschistische Statuen sehen will,vor allem in EX Yu sollte man sie sich anschauen bevor sie verfallen.

wer kommunistische Gebäude und Statuen sehen möchte, dem kann ich Minsk in Weißrussland sehr empfehlen. Obwohl ich mit Kommunismus überhaupt nix am Hut habe, fand ich diese Stadt irgendwie faszinierend.

Ulan Ude mit dem riesigen Leninkopf - der weltgrößten Porträtbüste - ist auch nicht zu verachten

ich war das letzte mal vor ein paar jahren dort. es war hochgradig unspektakulär und vor allem wahnsinnig schlecht dokumentiert. dafür wars teuer. imho eine touristenfalle.

Ich hab als erstes "Menlo Park" gelesen - in Kombination mit einem Lenin Bild hat das komisch gewirkt :-)

Als ich in diesem Park war habe ich versucht, mir den Anblick der Statuen an den Originalplätzen in Erinnerung zu rufen. Es ist mir kaum gelungen, obwohl ich Budapest schon zu Ost-Zeiten recht gut kannte.
Offenbar hatte ich immer einfach "hindurchgeschaut".

Die Statuen erzählen nicht vom "Niedergang eines Systems",

sondern vom Scheitern eines Versuchs, eine gerechtere Welt zu errichten. Ist ein Unterschied.

Mir war dieser Versuch (vor 30, 35 Jahren, als ich im Land lebte) bedeutend sympathischer als das, was sich heute in diesem Land abspielt.

psst ... nicht laut sagen!

wo doch heutzutage alle menschen glücklich sind, dass in einem grossteil europas heute neof*schistis*he parteien in den parlamenten sitzen.

und die interessen der breiten bevölkerung, durch das system des neoliberalen turbokapitalismus, zum wohle aller vertreten werden ...

es war auch und vor allem der Versuch Moskaus mit Hilfe einer Ideologie große Teile der Welt unter seine Kontrolle zu bringen - darüber sollte man nicht so nonchalant hinweggehen, sonst begreift man den Realsozialismus Osteuropas nicht.

und wiewiele Monate lang

ist in der 70jährigen Geschichte des realen Kommunismus dieser Gedanke im Vordergrund gestanden? 2 Monate ? 3 Monate?

Viele Poster erinnern mich an die Lehrerin auf dem Mond bei "Iron Sky". Nur hatte die nicht alle Infos.

Das find ich nett, dass Sie sich auf "Infos" berufen.

Mit Infos würd ich mich an Ihrer Stelle bei der politischen Meinungsbildung nicht begnügen :)

Ich meinerseits halte es für recht hilfreich, die reale Situation realer Menschen im realen ungarischen Sozialismus kennengelernt zu haben, bevor man darüber urteilt ...

(Umso mehr, wenn man selbst Teil eines politischen Systems ist, in dem die Politiker es nicht schaffen, Menschen zur sozialen Raison zu bringen, die auf die Lebensmittel oder den Tod anderer Menschen wetten, sondern sich im Gegenteil von derartigem Gemensch vor sich her treiben lassen)

Fernando, ich habe das kommunistische System in Ungarn erlebt und

damals nicht daran gedacht, dass das eine gerechte werden wollte.
Es war ein schlechtes System: es prämierte Passivität - sag' mal so - etwas, wozu wir Ungarn leider sowieso neigen.
Wir sollten nicht auf die Russen Zeigen, sondern tief in uns blicken: wieweit haben wir das System erhalten, ja sogar unterstützt durch unsere Passivität, Pessimismus und Oberflächlichkeit?

wieviel monate ??????????????

wieviel jahrzehnte triffts eher .....

Sorry, aber da haben Sie wohl etwas mißverstanden.

Es ging Ihrem Vorposter um die Frage, wie viele Monate der rund 70 Jahre Kommunismus in Europe wohl ernsthaft versucht wurde, ein besseres Leben für die Menschen zu erarbeiten.

Den Ungarn scheinen die weniger sympathisch zu sein.

Die haben (wenn mich die wikipedia jetzt nicht täuscht) bei der letzten Wahl 2010 mit heißen 0,11% für die damaligen Weltverbesserer (heute: Ungarische Kommunistische Arbeiterpartei) gestimmt.

vielleicht, weil dort alles was links ist ...

massiv von seiten des staates bedroht wird?

In der Tat, für Jobbik haben mehr gestimmt.

Sag ich ja.

die Nachfolgerin der Ungarischen Arbeiterpartei sind die ungarischen Sozialisten, von denen sich bei der Umbenennung die immer schon winzige KP absplitterte

Ich bezweifle, dass die sonderlich viel mit der alten KP gemeinsam haben.

welchen Flügel von welcher Partei in welchem Zeitraum meinen Sie?

Das linke Dauerdilemma schön auf den Punkt gebracht.

vom Deák tér mit der Straßenbahn zum Kosztolányi Dezso tér und von dort mit dem öffentlichen Bus. So spart man sich ein paar tausend Forint!

Die großartige Plastik in Bild 8 verrottet in diesem Park

durch Wind und Regen. Ungarn ist ein Land voll von faschistischem Dreck, der dringend heraus gespült werden müsste. Anders als in Österreich, das mehrere Jahrzehnte lang durch die sogenannte amerikanische Hegemonie dazu gezwungen wurde sich in Richtung Zivilisation zu bewegen, fehlt dieser Druck in Ungarn.

http://hungarianspectrum.wordpress.com/2012/08/1... j-szinhaz/

Es ist deutlich, dass allein der Druck der sogenannten amerikanischen Hegemonie in der Lage ist, den Faschismus kulturell zu besiegen.

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