Waffenlobby: Waffen aus 3D-Drucker "machen Amerika sicherer"

13. August 2012, 10:49

Kritiker befürchten, dass bald durch komplett gedruckte Waffen Kontrolle umgangen werden könnte

Nach Berichten über das erste, teilweise mit einem 3D-Drucker hergestellte, funktionierende Gewehr hat sich die Waffenlobby in den USA zu Wort gemeldet. Gegenüber Wired zeigte sich Dudley Brown, Executive Vice President der National Association for Gun Rights (NAGR), begeistert über die Entwicklung.

"Macht USA sicherer"

Es sei nicht gefährlich, sondern im Gegenteil würde die USA sicherer machen, wenn Menschen ihre eigenen Waffen zu Hause entwickeln. Von dort kämen die meisten Innovationen. Schon John Moses Browning, der unter anderem Ende des 19. Jahrhunderts Waffen für Winchester entwickelt hatte, habe Waffen in seinem Keller hergestellt und sie würden auch heute noch eingesetzt. Ein Sicherheitsproblem sieht der Waffenlobbyist nicht. Kriminelle würden auch so an Waffen gelangen. Der Aurora-Attentäter James H. habe seine AR-15 immerhin legal erworben, argumentiert Brown.

Frage nach Legalität

Zwar spreche sich die NAGR gegen die illegale Herstellung von Waffen aus, doch gerade beim Eigenbau werden Fragen nach der Legalität aufgeworfen. Jener User, der eine AR-15 selbst gebaut hat, hat nur den Receiver per 3D-Druckverfahren hergestellt, bei den restlichen Komponenten wurde auf Originalbauteile zurückgegriffen.

Beim Receiver handelt es sich laut den Gun Control Act fon 1968 um den einzigen Teil, der in den USA einer Regulierung unterliegt und eine Seriennummer tragen muss. Seine eigene Waffe zu bauen sei für den privaten Einsatz zwar legal, verkauft werden dürfe eine Waffe ohne Registrierung jedoch nicht.

Undetectable Firearms Act

Ein Problem könnte es mit Waffen aus dem 3D-Drucker allerdings an anderer Stelle geben. Der Undetectable Firearms Act von 1988 verbiete den Besitz und die Herstellung von Waffen, die beispielsweise bei Sicherheitskontrollen am Flughafen nicht aufgespürt werden können, so Daniel Vice, Anwalt des Brady Center to Prevent Gun Violence. Ob das auf die teilweise gedruckte AR-15 zutreffe sei nicht ganz klar.

Bald ganze Waffe aus dem Drucker?

Derzeit sei es noch relativ kompliziert und erfordere genaues technisches Wissen, um eine Waffen selbst herzustellen. So sei es mit einfacheren 3D-Druckern auch noch nicht möglich, alle Komponenten auf Metall und Keramik herzustellen. In wenigen Jahren sollen jedoch auch Geräte für den Eigengebrauch mit solchen Materialien umgehen können. Dann stünde dem gedruckten Gewehr auf Knopfdruck theoretisch nichts mehr im Wege - wie sicher diese Waffen im Gebrauch wären, ist eine andere Frage.

Im Forbes Magazin wurden bereits Befürchtungen geäußert, dass das Ende der Waffenkontrolle bedeuten könnte. Und auch die 3D-Druckseite Thingiverse hat die Verbreitung von Waffendesigns bereits untersagt. (red, derStandard.at, 13.8.2012)

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3d drucker

Also ich find das ganze zu sehr aufgeschauckelt, hab mir kürzlich nen Drucker von Reprap.cc geholt, und ich würd nie auf die Idee kommen damit ne Waffe zu drucken, da gibts ja 20000 andere Sachen die ich eher brauch ;)

Im Artikel fehlt etwas Hintergundwissen bzw wird das angedeutet:

Nur ein Teil einer Waffe - der angesprochene Receiver - unterliegt in den USA der Registration und der Überprüfung des Waffenkäufers. Dh. kaufe ich eine komplette Waffe oder den Receiver als Ersatzteil, dann wird überprüft. Kaufe ich andere Ersatzteile entällt jegliche Überprüfung.
Dieser Receiver kann aber bereits heute mittels 3D Drucker hergestellt werden, der Rest wird einfach so als Ersatzteil zugekauft. Dh. man besitzt unüberprüft eine nicht registrierte, einsatzbereite Waffe.

Das Problem ist dabei natürlich nicht der 3D Drucker, immerhin kann man jeder Werkzeugmaschine frei kaufen, sondern das einfache Erhalten der Ersatzteile.

So mein Wissensstand, bitte um Korrektur falls das nicht zutrifft.

Aber so lange die US Army

ihre Field Manuals zB via amazon unters Volk bringt, ist der Kauf von Waffen ohnehin nur was für Leute dies unkompliziert mögen. Die Field Manuals sind Anleitungen für die Heimwerker unter den Möchtegernterroristen.

was genau steht in diesen field manuals?
survival? close combat taktiken? selbstverteidigung? ländertypische sitten?
nur so neugierig

Gibts mehrere..

..aber neben Survival, Taktik, Selbstverteidigung zB Anleitungen für improvisierte Waffen von Pfeil und Bogen bis zum Granatwerfer. ZB 12gauge shotgun can be made from 3/4 water or gas pipe with fittings. Also eine Bauanleitung für primitive aber "funktionstüchtige" Schrotflinten und Munition.
Oder das Buch über Sprengfallen. Wo diese platziert werden um max Schaden (an Zivilpersonen sic!! - Zeichnung dazu stellt Frauen mit Kindern dar) anzurichten, wie die Zünder gelegt werden. Wenn man mal keinen militärischen Sprengstoff zur Hand hat, wie man diesen selber aus Hausmitteln herstellt inkl wo man die Zutaten üblicherweise bekommt.

Handbücher für den Möchtegernterroristen, verkauft von der US Army via amazon. :-p

Aber man muss ja nicht amazon bemühen..

..die Library of Congress www.loc.gov stellt die FMs kostenlos als download zur Verfügug. Natürlich auch die Field Manuals die nicht mehr kommerziell erhältlich sind zb FM 34-52 welches sich mit den Verhörmethoden von Gefangenen befasst.

holy...!

solange der 3d-drucker keine funktionierende munition ausspuckt, sehe ich die sache relativ locker. bis dahin ist das ding ein plastik-prügel und ungefährlicher als ein küchenmesser.

nur, dass kugeln schon so gar nicht kontrolliert werden.

Ich kann mir vorstellen, wie - obwohl 3D-Drucker noch in den Kinderschuhen stecken - die RIAA und MPAA bereits DRM für diese Geräte designen, damit es einem unmöglich gemacht wird, CD/DVDs samt Hüllen zu kopieren..

"Amer'ca - f*ck yeah" ;-)

Grad vor 2 Tagen die DVD erhalten. :-)

Sprachlos

Bin schon ein paar Jährchen alt und habe so einiges erlebt und gehört. aber obige Argumentation ("Es sei nicht gefährlich ...") ist vermutlich das mit Abstand dümmste was mir bis jetzt im Leben begegnet ist.

Davon mal abgesehen, steckt da ein interessanter Punkt drinnen: noch in den Kinderschuhen, aber in - sagen wir mal - 10 Jahren dürfte es kein Problem mehr sein, alles an Bauteilen, Ersatzteilen, etc. frs Alltagsleben zu "drucken", wenn es nicht eben aus Metall oder was auch immer sein muß. Was wetten wir, daß diese Technologie noch massivst reguliert und kontrolliert wird ...

nv

Was halten sie jetzt daran für gefährlich? Telefonieren sie beim Autofahren? Gehen sie bei Rot über die Strasse? Sind sie Grippegeimpft? Oh, das ist auf einmal persönliches Risiko. Raten sie nochmal, was gefährlicher ist. Das Ergebnis zählt nur, wenn sie nicht auch Mitglied einer Drogenbande in Mexiko sind.

Im Forbes Magazin wurden bereits Befürchtungen geäußert, dass das Ende der Waffenkontrolle bedeuten könnte.

Die nächsten 15 Jahre würde ich mir mal allein wegen der notwendigen Festigkeit keine Sorgen machen. Vielleicht sind wir in 20 Jahren so weit, das 3D-Waffen preislich mit einer vom Laster gefallenen Puffn konkurrieren könnten. Viel interessanter ist, wieso sich ausgerechnet Forbes-Leser darüber Gedanken machen sollten.

Ein Sicherheitsproblem sieht der Waffenlobbyist nicht. Kriminelle würden auch so an Waffen gelangen. Der Aurora-Attentäter James H. habe seine AR-15 immerhin legal erworben.

Weils also jetzt leicht ist legal an Waffen zu kommen und damit Attentate durchzuführen brauchen wir uns wegen der 3D Drucker keine Sorgen machen. Gehts noch - was ist denn das für eine Argumentation? Offensichtlich ist es jetzt bereits schon zu leicht und darf nicht noch leichter werden. Typisch USA!

Only bad news are good news

Mich erinnert der Artikel an die Schweinevogelgrippe, BSE, den Plastikkontinent im Pazifik und die Massenvernichtungswaffen im Irak.

Druckerpatrone

Ah, da hat man bei der Wortfindung vor Jahren schon weitergedacht...

eine gescheite drehbank, fraeser

feinmechanikwissen, technisches verstaendniss ist was es braucht um eine funktionierende feuerwaffe im eigenbau herzustellen. ist zwar dann wahrscheinlich nicht so gut und genau wie ein STG oder aehnliches, zum toeten reicht es aber noch allemal. leider. einer waffe aus einem 3D drucker wuerde ich nicht einmal zum erschlagen von jemanden vertrauen...

"Krieg ist Frieden
Sklaverei ist Freiheit
Dummheit ist Stärke"

und jetzt neu im Angebot:
"Waffen bringen Sicherheit"

That rifle hanging on the wall
of the working-class flat or labourer's cottage
is the symbol of democracy.
It is our job to see that it stays there.
~ George Orwell, sergeant in Home Guard

Wieso funktioniert der "Big Brother"?
Big Brother is watching you - habe ich immer als Drohung empfunden. Für andere Menschen ist es das Versprechen von Sicherheit, die sie sich wünschen. Sie trauen dem Big Brother mehr als ihrem Nachbarn. Und das wars dann.

"...Gun Control Act fon 1968..."

;-)

so what.. druck ich mir kugelsichere weste und gut is

Dann drucke ich mir panzerbrechende Munition..

Wettrüsten per Drucker. Klingt wie aus einem Sci-Fi Roman.

Mögliches Résumé aus diesem Artikel, und den Postings im Forum: 1) Es ist nach wie vor nicht möglich sich (als Privater) hochwertige funktionelle Waffenteile herzustellen, die auch nur annähernd an den entsprechenden Industriestandard heranreichen - und das ist auch gut so! Die Ausnahmen von der Regel betreffen einen extrem kleinen Bestandteil der (in Österreich) lebenden Menschen. 2) Das wird auch lange (25 - 50 Jahre) so bleiben. 3) (-Meine Meinung-) Es gibt Menschen die mit einer Schusswaffe (Gebrauch und Verwahrung) verantwortungsvoll umgehen können. Die Schnittmenge zwischen solchen bewussten und den derzeit aktuellen Waffenbesitzern ist verstörend bzw. erschreckend klein...

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