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Allgegenwärtige Quäler wie die Gelse sind als Allergene schwierig zu identifizieren.
Irgendetwas stach ihn, dann wurde ihm schwindelig, und er bekam keine Luft mehr. Kurze Zeit später lag der 29-Jährige im Krankenhaus, die Ärzte konnten gerade noch sein Leben retten. Zu spät kam jede Hilfe für das drei Monate alte Baby. Aus dem Nebenzimmer hörte die Kinderfrau das Mädchen schreien, führte das aber auf Bauchkoliken zurück. Als sie kurze Zeit später ins Zimmer kam, war das Baby tot. Die Ursache war in beiden Fällen eine Allergie gegen die rote Feuerameise. "Menschen können auch auf andere Insekten als Bienen oder Wespen allergisch reagieren", sagt Peter Schmid-Grendelmeier, leitender Allergologe an der Uni Zürich. "Zum Glück kommt das sehr selten vor." Mann und Baby bekamen die Stiche in den USA, wo die rote Feuerameise, ebenso wie in Brasilien und Nordaustralien, lebt.
Unangenehm geweckt wurde eine 45-Jährige in den frühen Morgenstunden. Es juckte am ganzen Körper. Als sie aufstand, wurde ihr schwarz vor Augen, und sie musste brechen. Im Krankenhaus stellte der Arzt einen allergischen Schock auf Raubwanzen fest. Das beobachtet man vor allem bei Menschen im Westen und Südwesten der USA. Die Wanzen beißen ihre Opfer am liebsten nachts.
Häufiger reagieren Menschen allergisch auf Mückenspeichel. Meist merken die Betroffenen den Stich kaum, nur die Allergie: Die Haut wird rot, schwillt an und juckt fürchterlich, sehr selten kommt es zu einem Schock mit Atemnot oder Ohnmacht. "Bei so einer Allergie hilft nur Mückenschutzmittel und lange Kleidung", rät Schmid-Grendelmeier, "und wenn es einen doch erwischt hat, ein juckreizstillendes Gel." Nicht immer ist die Diagnose einer Insektenallergie so einfach wie bei den knallroten Stichen einer Feuerameise oder den rosaroten, juckenden Flecken bei Mücken. Manchmal gehen Allergologen wie Detektive vor, wenn ein Patient über allergietypische Beschwerden klagt, aber zunächst nichts auf eine Allergie weist. Bekommt jemand beispielsweise immer Fließschnupfen oder anfallartigen Husten beim Füttern seiner Aquariumfische, könnte er gegen rote Mückenlarven im Fischfutter allergisch sein. "Die Therapie ist einfach", erklärt Schmid-Grendelmeier, "man wechselt das Fischfutter."
Leidet jemand nachts unter anfallsartigem Husten und schläft gerne mit offenem Fenster, könnte eine Allergie gegen Taubenzecken dahinterstecken: Diese leben im Gefieder der Tauben und gelangen durch das Fenster in das Schlafzimmer. "Am besten ist es, die Tauben loszuwerden. Gegen die Symptome helfen Asthma- oder Nasenspray." Leidet jemand außerhalb der Pollensaison unter Fließschnupfen und Husten, während er sich im Haus aufhält, könnte er allergisch gegen den Kot von Marienkäfern sein. "Auch hier helfen Allergiesprays, aber besser noch ein Kammerjäger."
Allergologen forschen schon länger, ob diese selteneren Insektenallergien mit einer Immuntherapie behandelbar sind. "Bislang gibt es aber noch keine standardisierte Immunlösung", sagt Schmid-Grendelmeier. Der Allergologe rät nur zu einer Immuntherapie bei einer Allergie gegen die rote Feuerameise in den USA. "Ansonsten ist das Beste, sich vor den Insekten zu schützen." (fewi, DER STANDARD, 13.8.2012)
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