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Der Stich der Wespe wirkt bei manchen harmlos, bei anderen tödlich.
Todesangst spüren manche, wenn eine Biene oder Wespe in ihrer Nähe kreist, denn sie haben eine schwere Allergie gegen das Gift. "Reagiert jemand nach einem Stich mit einer starken Schwellung, Ausschlag, Luftnot oder wird gar ohnmächtig, sollte man umgehend einen Allergologen aufsuchen", sagt Reinhart Jarisch von der Österreichischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie. "Denn mit einer Immuntherapie kann man verhindern, dass der nächste Stich tödlich endet."
Bienen- und Wespengift enthalten Hunderte von Eiweißen, aber nur wenige davon lösen allergische Reaktionen aus. Bei der Biene sind es ein Dutzend, bei der Wespe eine Handvoll. Neue Tests mit sogenannten rekombinanten Allergenen (Wissen-Kasten) arbeiten nur mit den Eiweißen, gegen die die meisten Patienten allergisch sind. Sie heißen bei der Biene Api m 1 und bei der Wespe Ves v 1 und Ves v 5. "Studien zeigen, dass die Diagnose in schwierigen Fällen damit viel besser gelingt", sagt Markus Ollert, Allergieforscher an der Technischen Uni München.
Die einzige Behandlung, mit der man eine Insektengift-Allergie "heilen" kann, ist eine Immuntherapie oder Allergieimpfung. Dabei spritzt der Arzt das Bienen- oder Wespengift nach einer einleitenden Behandlung alle vier Wochen unter die Haut. Das führt zu Veränderungen im Abwehrsystem: Die Konzentration bestimmter Abwehrstoffe steigt, und der Körper stellt andere Immunzellen und Botenstoffe her. So "lernt" er, auf das Eiweiß im Gift nicht mehr allergisch zu reagieren.
Die Immuntherapie dauert drei bis fünf Jahre. "Sie ist sehr erfolgreich und wirkt bei über 80 Prozent der Bienenallergiker und 90 Prozent der Wespenallergiker", sagt Reinhart Jarisch. Aber obwohl sich Veränderungen von Abwehrzellen und Botenstoffen im Blut messen lassen, können Ärzte anhand der Blutwerte nicht immer sagen, ob der Patient beim nächsten Stich geschützt wäre. "Deshalb sollten Insektenallergiker auch noch nach der Therapie Notfallmedikamente dabeihaben", rät Jarisch. In manchen Kliniken können sich Patienten unter Notfallbereitschaft eines Arztes von Biene oder Wespe stechen lassen und so sehen, ob sie noch allergisch reagieren.
Zehn Prozent der Wespengiftallergiker und 20 Prozent der Bienengiftallergiker sind auch nach einer langjährigen Immuntherapie nicht geschützt. "Manche von ihnen sind gegen andere Eiweiße als die häufigen allergisch, also etwa Api m 3 oder 10 oder Ves v 3", erklärt Ollert. Diese sind in den normalen Impflösungen nur in sehr geringen Konzentrationen enthalten, die möglicherweise für den Impfschutz nicht ausreichen. Der Allergologe hofft, in Zukunft nur noch die Eiweiße zu spritzen, gegen die der Patient tatsächlich allergisch ist, statt wie bisher das gesamte Gift. "Von den Eiweißen könnten wir dann eine höhere Dosis geben und die Erfolgschancen erhöhen", sagt Ollert. Außerdem wird das Risiko für Nebenwirkungen reduziert. "Bis wir solche individuellen Lösungen routinemäßig anwenden können, wird es aber noch einige Jahre dauern."
Manche Forscher versprechen sich mehr davon, die Impflösung in die Lymphknoten zu spritzen, etwa in der Leiste. Erste Studien bei Pollenallergie zeigen, dass die Therapie wirkt und man statt drei Jahren nur zwei Monate behandeln muss. "Bei Insektenallergie kennen wir aber die Nebenwirkungen noch nicht genug", sagt Ollert. "Außerdem haben wir Hinweise, dass bestimmte Abwehrstoffe für den Therapieerfolg wichtig sind, mit denen das Eiweiß im Gewebe unter der Haut reagiert." In neuen Studien will er deshalb testen, ob eine Immuntherapie erfolgreicher ist, wenn er diese Abwehrstoffe zur Impflösung gibt.
Weiterer Ansatz
Ein anderer Ansatz ist eine RNA-Impfung. Die besteht aus genetischen Informationen, anhand derer der Körper den Impfstoff gegen die Allergene selbst herstellen soll. In Versuchen mit Mäusen konnte das vor einer allergischen Reaktion schützen. "Das hätte den Vorteil, dass man nur einmal spritzen muss", sagt der Allergologe Jarisch.
Viel wichtiger für Allergiker ist, dass sie ihre Notfallmedikamente immer dabeihaben. Pro Jahr sterben in Europa rund 200 Menschen wegen ihrer Insektenallergie. Das könnte eine neue Kampagne der Europäischen Akademie für Allergie und klinische Immunologie EAACI ändern: In allen öffentlichen Orten in Europa sollen in Zukunft Allergie-Notfallspritzen ("Pens") zur Verfügung stehen, die auch Laien leicht anwenden können. "Das rettet hoffentlich mehr Allergikern das Leben", sagt Markus Ollert. (Felicitas Witte, DER STANDARD, 13.8.2012)
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Fließschnupfen ohne Pollenflug
Für die Diagnose hilft als Erstes die Beschreibung des Insekts. Dann spritzt der Arzt beim Hauttest verdünntes Gift in verschiedenen Konzentrationen unter die Haut und schaut nach einer Viertelstunde, ob und ab welcher Giftmenge die Haut reagiert. Bei herkömmlichen Bluttests mischt er Patientenblut mit Insektengift, das die allergieauslösenden Eiweiße (Allergene) enthält.
Hat der Patient eine Allergie, reagieren seine Abwehrstoffe mit dem Eiweiß im Gift. Bei einigen Patienten hatten Allergologen bis vor kurzem Schwierigkeiten, die Diagnose zu stellen.
So zeigen bei jedem Zehnten die Tests keine Allergie, obwohl er auf einen Stich stark allergisch reagierte. Auch wenn die Tests eine Reaktion sowohl auf Wespen- als auch auf Bienengift zeigten, wusste man nicht genau, ob der Betroffene wirklich auf beide Gifte reagiert oder ob eine Kreuzreaktivität vorliegt. Diese kann entstehen, weil einige Eiweiße im Bienen- und Wespengift sehr ähnlich strukturiert sind.
Dies haben Forscher nun mit rekombinanten Allergenen gelöst. Das sind die Allergene aus dem Insektengift, die man gentechnisch herstellt. In den neuen Tests werden diese und nicht das gesamte Gift mit dem Blut des Patienten in Kontakt gebracht.
Inzwischen verwenden einige Kliniken routinemäßig die rekombinanten Allergene zur Diagnose. (fewi)
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