Stronachpartei: Der falsche Prophet

Kommentar |

Die "Wahrheit", die Stronach predigt, besteht aus hohlen Phrasen

Frank Stronach hat lange nach einem geeigneten Spitzenkandidaten für seine Wahlbewegung gesucht, ein junger, dynamischer Kerl sollte das sein, klug und charismatisch. Einer, dem man gerne zuhört, der etwas zu sagen hat. Vergangene Woche hat Stronach diese Person endlich gefunden, er selbst ist es, und in einem sehr urdemokratischen Akt hat er sich gleich einstimmig zum Anführer seiner Partei erkoren. Wer das Geld hat, schafft an.

Stronach gehört wie Dietrich Mateschitz zu jener Kategorie von Leuten, die glauben, mit Geld könne man sich die Welt kaufen. In vielen Bereichen stimmt das sicher auch, in manchen Bereichen kann das aber auch ordentlich in die Hose gehen. Da gibt es im Sport ein paar ganz gute Beispiele, davon können sowohl Mateschitz als auch Stronach ein Lied singen. Da gesellt sich zum Schaden ganz rasch der Spott, diese Art von Scheitern sieht man gerne.

In der Politik hat Stronach sicher Potenzial, auch wenn diese ähnlich wie der Sport ein schwer berechenbares Terrain ist. Es stimmt schon, mit Geld lässt sich einiges bewegen, gerade auch in der Politik, aber die charismatische Führungsfigur ist Stronach sicher nicht. Seine Stärken liegen im Management. Die "Wahrheit", die er predigt, besteht aus hohlen Phrasen. Stronach ist nicht der Erste, der gegen Freunderlwirtschaft und Korruption wettert, und seine Forderung nach einer radikalen Verwaltungsreform ist weder abendfüllend noch realpolitisch umsetzbar.

Wirklich gefährlich und für einen Mann mit seiner internationalen Erfahrung auch nicht ganz nachvollziehbar ist Stronachs Wettern gegen die EU. Der Ausstieg aus dem Euro und der Rückzug in die kleine, scheinbar heimelige Welt des Schilling und die engen, nationalen Grenzen "unseres" Österreichs sind mit Sicherheit der falsche Weg. Da wetteifert Stronach mit FPÖ-Chef Strache in üblem Populismus und verspielt jede Glaubwürdigkeit. (Michael Völker, DER STANDARD, 13.8.2012)

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