Eigenes Internet: "Isolieren lässt sich der Iran nicht"

Alois Pumhösl
11. August 2012, 10:20

Irans Regime erklärt, das Land vom Internet abkoppeln zu wollen. Iran-Experte Walter Posch erklärt die Hintergründe.

Wieder einmal macht der Iran mit Ankündigungen dramatischer Freiheitseinschränkungen auf sich aufmerksam. Das Internet solle nun - bis Ende 2013 - gleich ganz abgeschaltet werden, schreibt das Tech-Magazin Wired in Berufung auf Irans Nachrichtenagentur Fars und dem Iranischen Minister für Informationstechnologie Reza Taqipour. Im September sollen in einem ersten Schritt alle Ministerien und öffentlichen Einrichtungen abgenabelt werden.

Iranisches Intranet

Vom Aufbau eines eigenen iranischen Intranets, das die Anbindung an das WWW ersetzen soll, ist schon seit April 2011 die Rede. Nach den vielen Cyberattacken soll der Iran nicht mehr von außen zugänglich sein.

Auch wenn eine totale Abkopplung käme, heißt das nicht, dass die Bevölkerung vollkommen von Informationen abgeschnitten sei, ist der österreichische Iranist Walter Posch, der an der Stiftung für Wissenschaft und Politik in Berlin forscht, überzeugt. "Die Bedeutung des Internets für den Iran wird relativ übertrieben", sagt Posch im STANDARD-Gespräch. Für Auslandsiraner spiele es eine große Rolle, für Wissenschafter wäre es sehr schlimm. Aber Information komme auch über BBC oder Voice of America und Kanäle aus der Türkei und Aserbaidschan ins Land. Zudem würde sofort mit Satellitentelefonen und Funk geschmuggelt werden. "Das Ziel, das Land von den Informationsflüssen abzuschneiden, ist zum Scheitern verurteilt. Isolieren lässt sich der Iran nicht."

Klientelpolitik

Solche Ankündigungen entstünden eher durch die ausgeprägte Klientelpolitik im Iran, sagt Posch. "Präsident Ahmadi-Nejad versucht noch einmal auf Teufel komm raus, Gruppen zu unterstützen, denen er etwas schuldet." Die Radikalen in der konservativ-radikalislamistischen Koalition fühlen sich vom Regime verraten. Für sie sind solche Initiativen gemacht. "Ahmadi-Nejad gibt bestimmten Gruppen noch einmal die Möglichkeit, sich ideologisch auszutoben, weil er an die nächsten Wahlen denkt."

Überwachung

Im Iran gibt es schon lange eine ausgereifte technische Überwachung. Schon ein Jahrzehnt lang werden Freiwilligenverbände ausgebildet. Die effiziente Kompetenzaufteilung und ein schon früh aufgestelltes "Cybercommand" werde gerne unterschätzt. "Als 2009 die grüne Bewegung begann, waren die ganzen Apparate schon einsatzfähig." Man hatte die Zensurtechniken bei pornografischen Seiten ausprobiert, was da natürlich niemand störte.

Es sei zu bedenken, dass der Iran "im Prinzip von Soziologen regiert wird. Die gehen da mit Netzwerkanalysen, mit einer Kombination von technischem und polizeisoziologischem Wissen rein", sagt Posch.

Bürgerinitiativen und Organisationen würden in Frieden gelassen, solange sie nur bestimmte Klientel ansprechen. "Sobald es aber schicht- oder gesellschaftsübergreifend wurde, hat man etwas dagegen getan." Nur bei der Frauenbewegung seien die Überwacher zu spät dran gewesen. Sie wurde eingeschüchtert, ist aber nach wie vor aktiv. (Alois Pumhösel, DER STANDARD, 11.8.2012)

Share if you care
7 Postings

Je schwieriger ein virtueller Angriff auf das iranische Atomprogramm wird, desto wahrscheinlicher wird ein realer Angriff.

Ich als Hobbyiranist meine: Der Iran isoliert sich lieber selbst, statt vom Westen isoliert zu werden! Jawohl, meine mehr verehrten Damen als Herren!

...

http://www.reporter-ohne-grenzen.de/presse/pr... nets-2012/

Interessant auch das Frankreich zu den Ländern gehört die unter beobachtung stehen.

Eigenes Internet: "Isolieren lässt sich der Iran nicht"

Es sei zu bedenken, dass der Iran "im Prinzip von Soziologen regiert wird. Die gehen da mit Netzwerkanalysen, mit einer Kombination von technischem und polizeisoziologischem Wissen rein", sagt Posch.
Herr Posch, bitt schään, da han i a Frakh: Wie kommen die fanatischen Mullahs, welche das Land voll in Griff haben, zu so vielem wissen? die Experten sind wohl gegen Geld engagierte Amis oder Europäer, nicht wahr? Denn wir wissen ja, Mullahs Luftwaffe ist all aus Blech und ihre Satelliten im ALL chinesische oder Nord koreanische Machenschaft. In Gegenzug kauft Süd korea dort Erdöl. Indien und Japan ziehen nach. China hat nie aufgehört gehabt dort Öl zu kaufen. Fazit: Mullahstaat voll isoliert. Der Wechsel von WWW zu Islamic WWW als Krönung.

iran wird nicht von irgendwelche Mullah aus Ghom
regiert. sondern von Jungen Absolventen der Elite Unis wie
Malk-alashtar Universität (http://en.wikipedia.org/wiki/Male... echnology) für Ingenieure
oder Imam Sadegh Universität für Diplomaten

by the way
manche Ausländische Iran Experten sind besser und objektiver als loser exil-Iranian die seit 30 Jahre in Westen blech reden.,

Eigenes Internet: "Isolieren lässt sich der Iran nicht"

Klar ausgedruckt muss es heißen: Der Mullahstaat ist nicht isolierbar. Und wovon auch? Ich erinnere mich genau: Seine Majestät Schahinschah Mohamad Resa Schah, König der Könige Ariamehr das Licht der Arrier Perserkaiser der Letzte hatte an einem seiner schöneren Tagen geprotzt: Mit mir geht Europa unter. Insgeheim mag er darin eine Warnung verschickt haben, seine Bosse mögen auf ihn aufpassen. das wurde nichts. aber wo stehen wir EU - Völker heute? In Spanien werden Supermärkte ausgeplündert und Lebensmittel unter bedürftigen, welche kein Cent nicht haben um essen zu kaufen verteilt. In Rom verbrennt sich ein Bedürftiger vorm Parlament. ce la vie eben, ce la vie. ist der Mullahstaat isoliert? Deswegen die Tagung der Blockfreien dort also?

intenet ist das demokratischte was ich kenne

kein wunder , staaten versuchen dieses unter ihren machtbereich zu stellen.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.