Die finanzielle Not der Kinderfestspiele

  • Elisabeth Fuchs, Dirigentin in Salzburg.
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    Elisabeth Fuchs, Dirigentin in Salzburg.

Elisabeth Fuchs, Leiterin der Kinderfestspiele und Chefdirigentin der Philharmonie Salzburg, kritisiert die geringe Wertschätzung von Kultur für Kinder

Jahrelang arbeitete sie umsonst, jetzt reicht es ihr.

Salzburg/Wien - "Mühsam" und "fast schon peinlich" sei der alljährliche Kampf ums Geld, stöhnt Elisabeth Fuchs, Chefin der Kinderfestspiele und Chefdirigentin der Philharmonie Salzburg.

Sie hat gerade die Zauberflöte für Kinder dirigiert, die im Rahmen den regulären Festspiele im Kinderprogramm angeboten wird. Es ist eine gekürzte Version, aufbereitet vom Ensemble der Kinderfestspiele, den Musikern der Philharmonie Salzburg und Solisten des Young Singers Project.

Junge Künstler brauchen diverse Stationen im Lebenslauf, je imposanter, desto besser. Die Festspiele im Repertoire zu haben ist dabei fast unbezahlbar. "Junge Kunst, vor allem für Kinder, wird leider immer schlecht bezahlt, das ist ein Phänomen", sagt Fuchs.

Die Musiker der Kinderzauberflöte etwa müssen mit 1600 Euro brutto Lohn auskommen - das ist das Geld für alle acht Vorstellungen, inklusive Probenpauschale. Fuchs: "Die Musiker müssen für einige Wochen eine Wohnung bezahlen, Versicherung, ihr Instrument instand halten - kurzum - das ist einfach zu wenig."

250 Euro pro Vorstellung

Die Einnahmen aus der Produktion - eine Karte kostet zwischen 20 und 35 Euro - gehen an das Haus von Festspielintendant Alexander Pereira, der über ein Budget von 56,6 Millionen Euro verfügt, 13,5 Millionen Euro davon aus öffentlicher Hand.

Die Kinderfestspiele, die bis auf die Zauberflöte unabhängig von den Festspielen organisiert und finanziert werden, bekommen von Bund, Stadt und Land Salzburg 56.000 Euro. Die Einnahmen? Etwa das Fünffache. Zum Vergleich: Für das zeitgenössische Kunstfestival Salzburg Biennale kommen von der Stadt 600.000 Euro jährlich - bei 29.000 Euro Einnahmen durch den Kartenverkauf, was 2011 vor allem von der Salzburger VP kritisiert wurde.

Fuchs, die auch der New York Times schon aufgefallen ist, bekommt als Dirigentin für eine Vorstellung bei den Kinderfestspielen etwa 250 Euro brutto. "Das geht auch nur, weil ich eine Mäzenin aufgetrieben habe, die uns mit 10.000 Euro unterstützt", sagt Fuchs. Bis heuer hat sie überhaupt unbezahlt gearbeitet und aus der eigenen Tasche 40.000 Euro vorgestreckt, um das Projekt zu realisieren.

Klaudia Kadlec von den Festspielen, die das Kinderprogramm Opera Viva gestaltet, ist mit der ihr zugestandenen Finanzierung sehr zufrieden. Zahlen könne sie keine nennen, aber der Klage der Kollegen wolle sie sich nicht anschließen. "Unsere Produktionen sind sehr aufwändig, wir können in Salzburg gigantische Projekte umsetzen, das ist außergewöhnlich."

Grundsätzlich stimme sie der Kritik zu, dass der Bereich Jugendförderung immer mehr zurückgefahren wird.

"Der Fokus liegt international auf Großprojekten, unsere wichtige Arbeit mit dem Nachwuchs verschwindet zunehmend." Politische Lippenbekenntnisse, die Jugend für Kultur begeistern zu wollen, gebe es genug. "Wenn es jedoch um die Finanzen geht, kommt es meist zu einem Down-grading."

Luxus Bühnenbildner

"Vom Gefühl her würde ich auch sagen, dass bei den Kindern zuerst gespart wird", sagt Melanie Plank, Geschäftsführerin der Kinderfestspiele. Für sie ist das vorhandene Budget von 65.000 Euro "nicht schlecht". "Für die Mittel, die uns zur Verfügung stehen, arbeiten wir sehr professionell."

Allfälliger Luxus wie eigene Bühnenbildner oder Regisseure gehen sich aber nicht aus. "Die Verhältnisse stimmen einfach nicht, wir versuchen hochqualitative Basisarbeit für Bildung zu leisten", resümiert Plank. Festspiel-Intendant Pereira selbst sagt, er wolle dem erstmals stattfindenden Kinderprogramm bei den Festspielen "einen fixen Platz" zuweisen. "Es kommt besonders gut an."

Ob Fuchs diesen fixen Platz als Dirigentin annehmen wird, ist die Frage: " Das Ensemble kann er gerne haben, wenn es das will. Aber zu diesen Konditionen ohne mich."    (Julia Herrnböck, DER STANDARD, 11./12..8.2012)

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