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Salzburg - Liebe und Hass, Herrschsucht und Opferwille: Gängige Zutaten bilden in Händels Oper Tamerlano den gängigen Vorwand zum Singen. Dennoch erzählt auch das krudeste Libretto zwischen Heldentod und Herrscherpose bewegende Geschichten - wenn so beispielhaft musiziert wird wie in der konzertanten Aufführung im Großen Festspielhaus. Worum geht es noch mal? Tamerlano hat Sultan Bajazet besiegt. Bajazet und seine Tochter Asteria sind Gefangene im Palast des Tatarenfürsten. Der Titelheld soll aus Staatsräson die Prinzessin Irene heiraten, hat sich aber inzwischen in die Tochter Bajazets verliebt.
Großzügig will er Irene seinem Verbündeten Andronico andrehen, der aber längst Asteria liebt. Daraus mixte Textdichter Nicola Francesco Haym besagten Cocktail aus Mannesstolz und Liebe. Bajazet ( die eigentliche Hauptfigur) geht für seine Ehre und die Ehre seiner Tochter in den Tod. Nachdenklich-versöhnliches Ende ohne Schlussjubel. Marc Minkowski leitete Les Musiciens du Louvre Grenoble mit federndem, vorwärtsdrängendem Drive.
Countertenor Bejun Mehta gab den Titelhelden als trotziges Kind, das seinen Willen stampfenden Fußes durchsetzt - und gefährlich wird, so an seiner Eitelkeit gekratzt wird: eine Paraderolle für Mehta und seine perfekt fokussierte, bewegliche und doch so tragfähige Stimme. Größte Tonsprünge werden von ihm auf eine einzige goldene Linie gefädelt. Die feinsten Schnörkel in den Verzierungen kommen im Dacapo immer noch kleingliedriger daher. Atemberaubend. Tamerlanos Verbündeter im Krieg und Konkurrent in der Liebe ist der Grieche Andronico. Und: Franco Fagioli lieh der zweiten Counter-Partie seine Stimme.
Es war spannend, zwei so verschiedene Klangfarben nebeneinander zu erleben. Samtig im Timbre, den Klang weicher und etwas weiter "streuend" als Mehta, bestach Fagioli ebenfalls mit Geschmeidigkeit und Beweglichkeit. Nicht nur in den lyrischen Passagen, sondern etwa auch in der Bravourarie Stolzer als ein Tiger. Julia Lezhneva sang die Asteria mit engelsgleicher Ruhe und Souveränität. Sie bezauberte mit vollem, facettenreichem Klang und strahlenden Höhen, setzte den sängerischen Glanzleistungen die Glanzlichter auf. Ebenso perfekt besetzt war die Partie der Irene mit Marianne Crebassa. Ein Luxus: Michael Volle als Leone, als Bote und Vertrauter Irenes.
Und Plácido Domingo? Sein Bajazet berührte vom ersten Auftreten bis zur hochdramatischen Sterbeszene, in der der Unbeugsame die Höllenfurien beschwört: lockere Koloraturen, im ständigen engen Kontakt mit Minkowski präzise artikuliert, schmelzender Tenorklang. Dazu technisch perfekt sitzende Attacke: eine wunderbare Wiederbegegnung. (Heidemarie Klabacher, DER STANDARD, 11./12..8.2012)
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