Viel Lärm um den Knallfrosch

  • Stefan Petzner.
    foto: apa/eggenberger

    Stefan Petzner.

So viel mediale Aufmerksamkeit für nichts. Man muss sagen: Petzner versteht sein Handwerk

Warum sollen Medien, die jahrelang auf Jörg Hai- der hereingefallen sind, nicht auch auf seinen Lebensmenschen hereinfallen? Schließlich ist niemand verpflichtet, aus Schaden klug zu werden. "Petzner kündigt Polit-Bombe an", lautete der Aufmacher der "Kronen Zeitung" am Montag und versuchte damit "Hochspannung vor Zeugenaussage in Kärnten" zu erzeugen. Auf den Seiten 2 und 3 überschlug sich die Redaktion noch einmal. "Petzner kündigt weitere Polit-Bombe an", hieß es da, der "Haider-Intimus" wurde "als brisanter Zeuge" angekündigt und mit dem Satz zitiert: "Wenn ich sage, es kommt was, das die Politwelt erschüttert, dann kommt auch was - ich bin ja kein Idiot."

An dieser Selbsteinschätzung sind angesichts dessen, was dann kam, gewisse Zweifel erlaubt. Andererseits auch wieder nicht, denn wenn schon nicht für Haider, so doch für sich selbst hat Petzner mit der Andeutung seiner "Polit-Bombe" medial deutlich mehr herausgeholt, als sein unter lebhaftem Gefuchtel gerülpstes "Polit-Bömbchen" ermöglicht hätte. Denn auch "Österreich" fiel mit dem Aufmacher "Es wird spannend - Petzner will heute vor Gericht auspacken" auf ihn herein. Es spricht nicht gerade für die Qualität der österreichischen Boulevardpresse, dass der Herausgeber seinen Kommentar zu dem weltbewegenden Ereignis mit den Worten einleitete: "Es spricht nicht gerade für die Qualität der österreichischen Politik, dass der Polit-Clown Stefan Petzner derzeit ihr wichtigster Aufdecker ist". So gesehen, erhebt sich "die Qualität der österreichischen Politik" noch immer deutlich über die der lautesten österreichischen Zeitungen.

Ob die Fotos von der ästhetische Augenweide Petzner, die sie aus versprochenem Anlass, aber schon vor demselben, ins Blatt rückten, ihre Auflage in die Höhe schnellen ließen, ist nicht bekannt. Wolfgang Fellners Einschätzung, "Petzner war der Hof-Narr der Haider-Mafia" und "Polit-Clown", wird dies mangels Neuigkeitswert auch nicht gelungen sein. Man muss schon ein ziemlicher "Hof-Narr" des Boulevards und Medien-Clown sein, um die Leserinnen und Leser am nächsten Tag neuerlich mit der Schönheit Petzners zu konfrontieren, als man bereits gezwungen war, nicht nur seine Aussage als "Knallfrosch" - wieso eigentlich nicht Knall-Frosch? - zu bewerten, sondern sich von ihm auch noch der falschen Berichterstattung zeihen zu lassen. Auch die "Krone" musste eingestehen: "Petzner Bombe verkommt zum VP-Blindgänger". Da hatte "Österreich" aber schon wieder den Rüssel vorne. "Ich habe nie eine Bombe angekündigt", antwortete Petzner da im Interview einem leicht beleidigten Redakteur, und wörtlich genommen, hatte er damit Recht.

Der Richter, vor dem Petzner neben den Medien auch noch auftrat, brauchte wesentlich kürzer als die Journalisten, die Substanz von Petzners Aussage einzuschätzen. "Sie reden Wischiwaschi", fuhr er den Zeugen laut "Österreich" an, was der Redaktion endlich die Augen öffnete: "Der Auftritt Stefan Petzners vor Richter Manfred Herrnhofer war für viele eine Enttäuschung". Vor allem für jene, die ihm auf den Leim gegangen waren und sein Wischiwaschi prophetisch und sensationsgeil zur "Polit-Bombe" aufgewertet hatten.

Selbst als die Enttäuschung schon feststand, konnte sich "Österreich" ihrer Dramatisierung mit drei Fotos nicht enthalten. Als käme es auf jede Minute an, hieß es da: 13.24 Uhr: "Petzner betritt den Gerichtssaal. 13.56 Uhr: Petzner beginnt Aussage. 15.25 Uhr: Petzner gibt Interviews" - um endlich mit der "Polit-Bombe" herauszurücken: "Ich wollte und werde es nicht zulassen, dass Jörg Haider kriminalisiert wird." Und wenn er dafür enthüllen musste, dass Haider nur "austesten" wollte, ob bei den Birnbacher-Millionen für die ÖVP da was läuft.

Auch "Die Presse" musste Enttäuschung einräumen. "Er hatte die große Enthüllung angekündigt, doch diese blieb Stefan Petzner am achten Verhandlungstag im Birnbacher-Prozess schuldig." Sie wollte aber mehr bieten als den Bericht von der Verhandlung. Also ging sie unter dem Titel "Last Man Standing: Haiders schrillster Verteidiger" der aufwühlenden Frage nach: "Wer ist Stefan Petzner?" Seit Dienstag wissen ihre Leser: "Petzner ist in jeder Hinsicht ein bunter Hund. Dezente Anzüge oder gar eine Krawatte sind seine Sache nicht." Womit der "bunte Hund" auch da seine Botschaft durchgebracht hatte: "Von anderen heißt es, sie sind farblos, das will ich für mich nicht."

So viel mediale Aufmerksamkeit für nichts. Man muss sagen: Petzner versteht sein Handwerk. (Günter Traxler, DER STANDARD, 11./12.2012)

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