Viel Lärm um den Knallfrosch

Günter Traxler
10. August 2012, 18:50
  • Stefan Petzner.
    foto: apa/eggenberger

    Stefan Petzner.

So viel mediale Aufmerksamkeit für nichts. Man muss sagen: Petzner versteht sein Handwerk

Warum sollen Medien, die jahrelang auf Jörg Hai- der hereingefallen sind, nicht auch auf seinen Lebensmenschen hereinfallen? Schließlich ist niemand verpflichtet, aus Schaden klug zu werden. "Petzner kündigt Polit-Bombe an", lautete der Aufmacher der "Kronen Zeitung" am Montag und versuchte damit "Hochspannung vor Zeugenaussage in Kärnten" zu erzeugen. Auf den Seiten 2 und 3 überschlug sich die Redaktion noch einmal. "Petzner kündigt weitere Polit-Bombe an", hieß es da, der "Haider-Intimus" wurde "als brisanter Zeuge" angekündigt und mit dem Satz zitiert: "Wenn ich sage, es kommt was, das die Politwelt erschüttert, dann kommt auch was - ich bin ja kein Idiot."

An dieser Selbsteinschätzung sind angesichts dessen, was dann kam, gewisse Zweifel erlaubt. Andererseits auch wieder nicht, denn wenn schon nicht für Haider, so doch für sich selbst hat Petzner mit der Andeutung seiner "Polit-Bombe" medial deutlich mehr herausgeholt, als sein unter lebhaftem Gefuchtel gerülpstes "Polit-Bömbchen" ermöglicht hätte. Denn auch "Österreich" fiel mit dem Aufmacher "Es wird spannend - Petzner will heute vor Gericht auspacken" auf ihn herein. Es spricht nicht gerade für die Qualität der österreichischen Boulevardpresse, dass der Herausgeber seinen Kommentar zu dem weltbewegenden Ereignis mit den Worten einleitete: "Es spricht nicht gerade für die Qualität der österreichischen Politik, dass der Polit-Clown Stefan Petzner derzeit ihr wichtigster Aufdecker ist". So gesehen, erhebt sich "die Qualität der österreichischen Politik" noch immer deutlich über die der lautesten österreichischen Zeitungen.

Ob die Fotos von der ästhetische Augenweide Petzner, die sie aus versprochenem Anlass, aber schon vor demselben, ins Blatt rückten, ihre Auflage in die Höhe schnellen ließen, ist nicht bekannt. Wolfgang Fellners Einschätzung, "Petzner war der Hof-Narr der Haider-Mafia" und "Polit-Clown", wird dies mangels Neuigkeitswert auch nicht gelungen sein. Man muss schon ein ziemlicher "Hof-Narr" des Boulevards und Medien-Clown sein, um die Leserinnen und Leser am nächsten Tag neuerlich mit der Schönheit Petzners zu konfrontieren, als man bereits gezwungen war, nicht nur seine Aussage als "Knallfrosch" - wieso eigentlich nicht Knall-Frosch? - zu bewerten, sondern sich von ihm auch noch der falschen Berichterstattung zeihen zu lassen. Auch die "Krone" musste eingestehen: "Petzner Bombe verkommt zum VP-Blindgänger". Da hatte "Österreich" aber schon wieder den Rüssel vorne. "Ich habe nie eine Bombe angekündigt", antwortete Petzner da im Interview einem leicht beleidigten Redakteur, und wörtlich genommen, hatte er damit Recht.

Der Richter, vor dem Petzner neben den Medien auch noch auftrat, brauchte wesentlich kürzer als die Journalisten, die Substanz von Petzners Aussage einzuschätzen. "Sie reden Wischiwaschi", fuhr er den Zeugen laut "Österreich" an, was der Redaktion endlich die Augen öffnete: "Der Auftritt Stefan Petzners vor Richter Manfred Herrnhofer war für viele eine Enttäuschung". Vor allem für jene, die ihm auf den Leim gegangen waren und sein Wischiwaschi prophetisch und sensationsgeil zur "Polit-Bombe" aufgewertet hatten.

Selbst als die Enttäuschung schon feststand, konnte sich "Österreich" ihrer Dramatisierung mit drei Fotos nicht enthalten. Als käme es auf jede Minute an, hieß es da: 13.24 Uhr: "Petzner betritt den Gerichtssaal. 13.56 Uhr: Petzner beginnt Aussage. 15.25 Uhr: Petzner gibt Interviews" - um endlich mit der "Polit-Bombe" herauszurücken: "Ich wollte und werde es nicht zulassen, dass Jörg Haider kriminalisiert wird." Und wenn er dafür enthüllen musste, dass Haider nur "austesten" wollte, ob bei den Birnbacher-Millionen für die ÖVP da was läuft.

Auch "Die Presse" musste Enttäuschung einräumen. "Er hatte die große Enthüllung angekündigt, doch diese blieb Stefan Petzner am achten Verhandlungstag im Birnbacher-Prozess schuldig." Sie wollte aber mehr bieten als den Bericht von der Verhandlung. Also ging sie unter dem Titel "Last Man Standing: Haiders schrillster Verteidiger" der aufwühlenden Frage nach: "Wer ist Stefan Petzner?" Seit Dienstag wissen ihre Leser: "Petzner ist in jeder Hinsicht ein bunter Hund. Dezente Anzüge oder gar eine Krawatte sind seine Sache nicht." Womit der "bunte Hund" auch da seine Botschaft durchgebracht hatte: "Von anderen heißt es, sie sind farblos, das will ich für mich nicht."

So viel mediale Aufmerksamkeit für nichts. Man muss sagen: Petzner versteht sein Handwerk. (Günter Traxler, DER STANDARD, 11./12.2012)

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A guate Farb hat er

Wieso ist der so braun, wenn die Sonne vom Himmel gefallen ist?
Oder ist die direkt im Petzner seinem Garten gelandet?

Also

für mich heißt er in Zukunft einfach nur mehr "Knallfrosch" der Typ.

Es stoßt mir immer wieder sauer auf ...

... daß ich eine solche Person von meinen Steuergeld erhalten muß.

14 x 7418 euro brutto als parlamentarier + eine kleine witwenrente....

Schlechte Publicity ist gute Publicity

Haider hat es vorgemacht, und alle seine Lebensmenschen, Zöglinge, etc. machen es nach:
Egal mit welchem Aufreger du in die Presse kommst, sobald du in der Presse stehst, bist du wichtig und wirst gewählt.

Das ist zum Teil ein Armutszeugnis für die Presse, aber noch viel mehr: für die Leser und Wähler, die diese Methode bis heute ständig als richtig erweisen.

Lose-Lose-Situation

Petzner kam ja damals auf die NR-Liste, weil Haider seinen Knaben irgendwie versorgen musste. Für's Studium haben die bescheidenen Fähigkeiten nicht gereicht und richtige Arbeit ist halt auch eher nix für ihn.
Nachdem Haider von seiner großen Bühne abgetreten war, wollte Petzner eben auch ein wenig spielen, was dem BZÖ gepasst hat, weil man sich ohnehin jugendlich und "schick" geben wollte. Nun werden ihn halt nimmer los, und er kann ja sonst auch nirgends etwas anfangen.
Das Hauptproblem dieser Person ist, daß er sich für einen irrsinnig gewieften Politiker, und darüber hinaus für übermäßig intelligent und wortgewandt hält, was er in keiner Weise ist und aufgrund seiner Dummheit nicht erkennt (Vgl. DUNNING et al.-"Dunning-Kruger Effect")

Das Rotgesicht wurde zurückgepfiffen...

Ein bisschen schlauer könnten sich unsere Medien schon geben. Einmal mehr glaube ich, deren vorgetragene "Naivität" ist mitschuld am heimischen Korruptionsdesaster.

petzner wurde nicht zurückgepfiffen, sondern der verdacht liegt nahe, dass er für sich was ausgehandelt hat

er war ja ein paar tage vorher bei dörfler im büro

das erklärte der petzi mit einem gespräch über die connect-affäre, in der er ja mit dörfler und den rest der kärntner fpö gemeinsam verwickelt ist

aber wenn man mal eine absprache? in einem ermittlungsverfahren als ausrede verwenden muss

wirds echt absurd

mein verdacht, bucher will den petzi auch nicht unbedingt, und der petzi will wieder nach kärnten zur kärntner fpö

solar, toaster was auch immer

aber nicht auf die frösche !

nicht der Mann versteht sein Handwerk

Ihr Medien seit so sensationstgeil das ihr auf die kleinste MÜCKE anspringt nur um die Auflage zu steigern. Den Arikel ingesmat find ich ganz witzig weil der standard himself nicht wenig dazu beigetragen hat Petzner als den Aufdecker schlechthin ins Rampenlicht zu zerren...aber ja war es wieder mal die Umsonstzeitung Österreich.

Der "Mann" ist lebendige Werbung für das schwarze Melanom.

Ist wahrscheinlich gesponsert von den Dermatologen. Gratis-STUNDEN im nächst erreichbaren Solarium.
Witzig ist er auch, der Petzi, reizt mich immer zum lachen. Eine komische Figur, auf jeden Fall.
Vielleicht könnte man ihn im Fasching verwenden, in Villach. Er braucht ja bald eine neue Beschäftigung, nachdem er den "politischen" Laufsteg verlassen hat.

Wie macht man eine Kerze aus??

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, ich musste wirklich lachen:

"Der Richter brauchte wesentlich kürzer als die Journalisten, die Substanz von Petzners Aussage einzuschätzen. "Sie reden Wischiwaschi", fuhr er den Zeugen laut "Österreich" an"

Köstlich!

Knallfrosch?

Wohl eher Pfeife, oder?

Er erinnert mich immer irgendwie an Sebastian, den Butler des Premiers, aus "little Britain"

Sekretär, nicht Butler.

Also nicht wirklich ein Unterschied zu Kärnten...

wenn ich das poste, wird's zensuriert.....

Petzner spielt mit den medien

wie ein kleines kind, weil es das niveau unsere selbstzensierenden medien nicht erfordert auf eine komplexe art mit ihnen zu spielen.

und damit meine ich ausnahmslos ALLE Ö medien.

Petzner - man muss ihn als Komödianten nehmen, dann ist er echt lustig !

Und... er wird nicht mehr lang in einem "Amt" sein, gnaz einfach weil das BZÖ die Hürde nicht mehr schafft. Warum auch, sind ja nur für die Katz !
Also, Petzner genießen, solange es ihn noch gibt.
Danach residiert er nur mehr im Solarium. Es lebe das Melanom.

>So eine Person nennt man bei uns "Dampfplauderer"<

Bei uns nicht

da heißt so einer einfach Dodel!

Großartige Überschrift!

Der Mann ist Politiker

Man muss es sich selbst immer wieder sagen, um es zu glauben. Er ist tatsächlich Politiker.

Ist ein Verdacht

Auf falsche Zeugenaussage nichts?

Ist ein Verdacht

Auf falsche Zeugenaussage nichts?

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