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Die 80-jährige Annette Barboza kämpft für den Erhalt des von ihrem Vater gegründeten Schmuckgeschäfts im Gebäude an der Place Vendôme. Es misst gerade einmal sieben Quadratmeter.
Groß ist er nicht gerade, der Schmuckladen von Madame Barboza. Sieben Quadratmeter misst er, mit Platz für zwei schmale Wandvitrinen, ein samtbezogenes Präsentiertischchen und zwei Stühle. Links ein Panzerschrank, rechts ein verdecktes Lavabo und dazwischen Annette Barboza, 80 Jahre jung, elegant und energisch wie eine Pariserin in den besten Jahren, mit langen schmalen Händen und einem Blick, der leuchtet wie einer der Granatsteine im Schaufenster. Oder Funken sprüht, wenn sich die alte Dame über LVMH ärgert. Louis Vuitton Moët Hennessy, der größte Luxusgüterkonzern der Welt, der Marken aufreiht wie Perlen an einer Kette, möchte sich auch den Laden Barboza einverleiben.
Die Schmuckhändlerin redet nicht gerne darüber, lieber erzählt sie von der Place Vendôme, in deren Eckhaus ihr Kabäuschen untergebracht ist: " Hier war es einmal voll von kleinen Uhrmachern und Schmuckhändlern. In den Gassen gab es Schneiderinnen, Buchhändler, Schuhmacher. Heute findet man nur noch große Luxusmarken. Der Platz und sein Viertel verlieren ihre Seele."
"Haute Joaillerie"
Im Juli hat hier auch LVMH ein Juwelier-Atelier eröffnet. Cartier, Chaumet, Van Cleef & Arpels, Bulgari sind bereits vertreten. "Haute Joaillerie", hohe Juwelierkunst, nennt sich das, wie die Haute Couture. Die Diamantenringe, Armreifen und Halsbänder kosten teils mehr als die schwarzen Limousinen, die hier im Parkverbot stehen.
Der Quadratmeterpreis an der Place Vendôme ist der höchste von Paris. Zu den Grundeigentümern gehören der Sultan von Brunei, der Emir von Katar - oder eben Bernard Arnault, mit 41 Milliarden Dollar der reichste Franzose, Gründer und Eigner von LVMH.
Annette Barboza erzählt auch vom Mythos der Place Vendôme, deren Grundform dem Flakon für Chanel No. 5 Modell gestanden haben soll. Hier beliebte Madame de Pompadour zu dinieren. Hier starb Frédéric Chopin, hier drehte Audrey Hepburn. Hier startete vom Hotel Ritz die tödliche Autofahrt Lady Dianas an jenem Augustabend des Jahres 1997.
"Kein Bling-Bling"
Zu Annette Barboza kam Prinzessin Diana nie. Die Auslage war ihr vielleicht zu unscheinbar, zu altmodisch. "Kein Bling-Bling", umschreibt Annette Barboza ihr Angebot. "Wir bieten alte Schmuckstücke an, und die führt hier niemand mehr." Goldschmiedekunst, Silberwaren des 18. und 19. Jahrhunderts, fein Ziseliertes, alte erlesene Steine aus Persien, Tibet oder Brasilien, Achate, Lapislazuli, Smaragde und Türkise. Nichts Protziges, etwas für jedes Budget.
Abgeschottet und versteckt
Immerhin, zu Barbozas Stammkunden zählen auch Paul McCartney und Catherine Deneuve, wie die Händlerin nebenbei erzählt. Viele Schmuckliebhaber kämen jetzt "erst recht" vorbei. Aus Solidarität. Denn jetzt muss man die Boutique Barboza hinter einem Baugerüst suchen. "Sie schotten meinen Laden vor der Außenwelt ab, damit uns die Kunden ausgehen", meint die Verkäuferin. Mit "sie" meint sind die Verantwortlichen des LVMH-Konzerns, die das ganze Gebäude gekauft haben und Barboza "rauswerfen" wollen, wie sie sagt. Nicht wegen der sieben Quadratmeter, sondern weil ihr Schaufenster Gold wert ist. Nebenan prangen schon Auslagen von Dior und Guerlain, zwei LVMH-Marken.
Seit LVMH vor ein paar Monaten das ganze Gebäude kaufte, wartet Madame Barboza auf die Kündigung. Ihr Mietvertrag läuft 2013 aus. Es wäre das Ende nach 85 Jahren "Barboza, bijoutier". Annettes Vater, ein portugiesischer Perlenhändler, hatte den Laden in den Zwanzigern des letzten Jahrhunderts eröffnet. 1941 wurde dieser als "jüdisches Geschäft" angeschrieben, Annette musste den gelben Judenstern tragen. Eines Abends holte die Polizei ihren Vater und ihren Bruder in der nahen Wohnung an der Rue de Rivoli. Beide starben in Auschwitz.
Nach dem Krieg übernahm ihre Mutter, dann sie selbst das Geschäft. Mit Liebe erzählt sie von all den Jahrzehnten in ihren sieben Quadratmetern. Die Schmuckstücke wusch sie am Brunnen des Gebäudehofes. Später kamen die Modehäuser Broschen und Amulette für ihre Sommer- und Winterschauen mieten.
"Ameise vor einem Elefanten"
Heute werden die Kunden in der dunklen Baunische rar. Dafür erhält Annette Barboza moralische Unterstützung, seit ihr Schicksal stadtbekannt ist. "Kämpfen Sie!", hat eine Kundin in ihr Auftragsheft geschrieben. Und das tut Madame. Einem Anwalt von LVMH sagte sie: " Verglichen mit Ihnen bin ich wie eine Ameise vor einem Elefanten." Da habe der Advokat erwidert: "Nein, keine Ameise, eher ein Stachel in unserem Fuß."
LVMH bestätigt auf Anfrage des STANDARD, dass Barbozas Vertrag gekündigt werde. Das sei aber in Paris üblich, wenn ein neuer Besitzer ein Gebäude kaufe und die Mietverträge auf eine neue Basis stellen wolle.
Bei den Quadratmeterpreisen an der Place Vendôme lässt sich nachvollziehen, dass LVMH die besten Vitrinen seines neuen Gebäudes für sich will. Mit Madame Barboza verlöre das Viertel aber das letzte Kleingewerbe. Die Schmuckhändlerin bekennt, dass es ihr Angst mache, in dem dunklen "Grabgewölbe" zu arbeiten. Ihre Tochter Agnès wolle den Laden aber weiterführen. Denn, so meint Annette an die Adresse von LVMH: " Für sie ist es nur ein Schaufenster, für uns aber eine ganze Familiengeschichte." (Stefan Brändle aus Paris, DER STANDARD, 11./12.8.2012)
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..ist aber sehr gross - einfach irgendwo den Artikel blind abgeschieben.. Dank Google Street view kann jeder heutzutage sehen, dass der Artikel insofern Quatsch ist als:
1. Das Geschäft gar nicht am Pl.Vendome ist, sondern in der R St.Hon. No 356 - und dort gibt es SEHR WOHL noch eine Menge kleinerer Läden, extakt das gleiche verkauft ein Laden schräg gegenüber auf 231,
nur weil hier mal "Mietrecht" das hierzulande ja immer verdammt wird (Hofratswitwe in 300 qm2 zum Friendenszins..) nun eben auch mal angewandt wird.. und egal WER das nun gekauft hätte - klar, dass man hier kein Geld zu verschenken hat..
hier einen auf Midleidstour, dazu mit sehr verzerrten Tatsachen.. klingt eher nach Gratis Werbung..
austauschbare 'shopping-miles', wie man ja neudeutsch sagt. Egal ob Düsseldorf, Wien, Rom, New York usw. ein einziges Sortiment , gleiche Schaufenster überall. Wo blieben Farnhammer, Adlmüller, Braun am Graben, Wahliss usw.?
Genau auf solche kleinen Läden stehe ich, sind sie doch oft um Welten kreativer und vielfältiger als das, was man sonst so zu sehen bekommt.
Furchtbar, dass die großen Konzerne mit ihren Stores wirklich überall in den großen Innenstädten jeglichen Charme vertreiben!
Dafür ist es sehr schade, dass Paris so weit weg ist; - ich würde ihren Kundenstamm sonst garantiert erweitern :-))
Also ich freue mich über jeden Tipp, denn Wien finde ich in der Hinsicht eher öde.
Aber sollten Sie einmal nach Ulm kommen - da geht Ihnen das Herz auf! Schmuck für jeden Stil und jeden Geldbeutel, großteils aus eigener, handwerklicher Produktion. Schön ist die Stadt auch noch, also wirklich in jeder Hinsicht eine kleine Reise Wert :-)
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