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"Fünf, sechs Medaillen sollten immer möglich sein im Sommer", sagt Norbert Darabos.
Standard: Luxemburg, Malta und?
Darabos: Und Österreich, ich weiß. Das sind die drei EU-Länder ohne Olympia-Medaille. Ich hoffe natürlich bis zum Schluss, aber unsere Chancen sind klein.
Standard: Aber könnte und würde die eine Medaille etwas ändern am Sportzustand des Landes?
Darabos: Eben nicht. Deswegen wundert mich, dass sich ÖOC- Präsident Stoss von mir auf den Schlips getreten fühlt, wenn ich diesen Zustand kritisiere. Ich kritisiere ja nicht das ÖOC, das eine Beschickungsagentur ist und nicht verantwortlich für Vorbereitung und Leistung der Sportler. Ich würde Stoss gerne als Mitstreiter sehen.
Standard: Sie propagieren ein neues Sportförderungsgesetz, das Sie heuer durchbringen wollen. Ist das allein der Stein der Weisen?
Darabos: Für London hätte das Gesetz noch nichts verändert. Aber für Rio 2016 kann es viel bewirken. Ich will mich an den Australiern orientieren. Die haben vor ihren Heimspielen 2000 analysiert, wo sie Chancen haben könnten, und gezielt gefördert.
Standard: Australien ist weit weg und groß. Aber auch vergleichbare Nachbarländer reüssieren. Glauben Sie, dass Ungarn so viel mehr in den Sport investiert?
Darabos: Ungarn würde ich mir gerne näher ansehen, auch Kroatien und sogar Slowenien sind viel erfolgreicher. Das tut mir weh.
Standard: Sie sind seit drei Jahren Sportminister, müssen Sie sich den Vorwurf gefallen lassen, dass in der Zeit wenig weitergegangen ist?
Darabos: Aber ich kämpfe auch seit drei Jahren darum, die Sportförderung zu verändern. Da fühle ich mich relativ allein. In der Dopingbekämpfung haben wir etwas verändert, den Fall Bernhard Kohl als Momentum genützt. Im ÖOC haben wir etwas verändert, das Momentum war der Fall Jungwirth. Die traurige London-Bilanz sollten wir auch als Momentum nützen und etwas verändern. Jetzt läuten die Alarmglocken. Wenn nicht jetzt, wann dann?
Standard: Sie haben zur Mitte der Spiele die Einstellung mancher Sportler kritisiert, die damit zufrieden seien, dabei zu sein. Fühlen Sie sich bestätigt?
Darabos: Es geht nicht um die, die Vierte oder Fünfte werden. Aber nach einem 27. Platz zu sagen, es war eine tolle Erfahrung, ist ein bisserl wenig, wenn jemand nicht einmal seine Bestmarke erreicht hat. Der Vergleich hinkt, aber den Hermann Maier ha-ben zweite Plätze gewurmt. Im Sommersport dürfte da schon auch ein Mentalitätsproblem mitspielen.
Standard: Für viele Experten waren null Medaillen von vornherein wahrscheinlich. Wo lag der Unterschied zu 2004 oder 2008?
Darabos: Auch ich hatte die Befürchtung, dass wir ohne Medaille bleiben, hab aber wider besseres Wissen auf drei bis fünf Medaillen gehofft. Früher hat sich oft etwas durch Zufälle ergeben. Markus Rogan war so ein Zufall, Mirna Jukic ein anderer. Diesmal war zufällig kein Zufall dabei. Wir brauchen eine völlig neue Basis für 2016. Aber ich befürchte, dass wieder nichts passiert.
Standard: Täuscht der Eindruck, oder wird Österreichs Sportpolitik derzeit bis zum Gehtnichtmehr verpolitisiert? Und die zwei Reichshälften kommen nicht zusammen und wickeln auch intern?
Darabos: Egal in welches Gremium man geht, man trifft immer dieselben zehn Personen. Das kann ja nicht sein, dass der österreichische Sport nur aus zehn Personen besteht. Ich weiß, ich hab mich auch mit Parteifreunden angelegt, mit Peter Wittmann, dem Präsidenten der Bundes-Sportorganisation. Aber die BSO hat 17 Abänderungsverträge zu meinem Sportförderungsgesetz eingebracht, sie zielen darauf ab, dass sich erst recht nichts ändert.
Standard: Und wie kann sich dennoch etwas ändern?
Darabos: Ich will, dass sich jetzt rasch alle an einen Tisch setzen. Es kann nicht sein, dass man nur bei zwei von gut fünfzig Verbänden wirklich mit olympischen Medaillen rechnen kann, beim Skiverband und beim Rodelverband. Fünf, sechs Medaillen sollten immer möglich sein im Sommer, finde ich.
Standard: Im Skiverband hat nur einer das Sagen. Könnten zehn Personen, die im Sommersport mitreden, nicht schon zu viele sein?
Darabos: Peter Schröcksnadel ist eine Ausnahme-Erscheinung. Der hat eine Struktur aufgebaut, wird aber nicht betriebsblind und ändert, was er ändern muss. Natürlich hat er den Vorteil, dass Österreich eine Wintersportnation ist.
Standard: Man hört von einer "Geheimakte Rio". Stimmt es, dass Sie Schröcksnadel auch beim Sommersport miteinbeziehen wollen?
Darabos: Das ist keine Geheimakte, sondern hoffentlich bald ein Konzept. Wir wollen in verschiedenen Sportarten definieren, wo es Talente gibt, 14- und 15-Jährige, und sie auf Teufel komm raus fördern. Schröcksnadel soll helfen, den Talentepool zu definieren. Er wäre dazu bereit, ohne sich als Besserwisser zu sehen.
Standard: Wenn wir schon bei Jugendlichen sind - wie steht es um den Schulsport? Sie haben vor Jahren gemeinsam mit der Unterrichtsministerin große Pläne vorgestellt, was wurde daraus?
Darabos: Einiges ist in Bewegung gekommen, es gibt diverse Aktionen. Was wirklich fehlt, ist die tägliche Turnstunde, sie bleibt das große Ziel. Ich allein kann sie leider nicht durchsetzen, da braucht es vor allem die Unterrichtsministerin und den Gesundheitsminister. Ich bin nur der Sportminister, bin nur der Überbringer der schlechten Botschaft.
Standard: Die da wäre?
Darabos: Die Botschaft lautet, dass nur jeder fünfte Österreicher regelmäßig Sport betreibt. Ich weiß es von den Grundwehrdienern, die Zahl junger Männer über hundert Kilogramm hat sich in kurzer Zeit verdoppelt. Die Leute werden immer dicker und schwerer. Das ist nur über die Schulen zu durchbrechen, indem man die Menschen früh zum Sport bringt. Und das würde uns im Gesundheitswesen sehr viel Geld ersparen.
Standard: Was speziell London und das große Jammern betrifft - kann man nicht auch sagen, es soll dem Land nichts Schlimmeres passieren als medaillenlose Spiele?
Darabos: Da bin ich nicht der richtige Ansprechpartner. Ich bin mit Emotionen dabei, zittere mit allen österreichischen Sportlern mit. Ich würde das schon sehr okay finden, wenn wir bei Olympischen Spielen einige Medaillen holen. (Fritz Neumann, DER STANDARD, 11./12.8.2012)
NORBERT DARABOS (48), SPÖ-Nationalratsabgeordneter, ist seit Jänner 2007 Verteidigungsminister, seit Februar 2009 Sportminister.
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was minister darabos fordert (zentralisierung der sportförderung, ansiedlung beim bmlv) sind empfehlungen des rechnungshofs. nachzulesen hier:
http://www.rechnungshof.gv.at/fileadmin... 2_01_2.pdf
auf s. 236, (2) und (3)
die medaillenlosen spiele waren ein willkommener anlaß für ihn, das hervorzukramen. leider hat er es nicht mehr ganz erwarten können und nicht den richtigen zeitpunkt abgewartet; es platzte schon während der spiele aus ihm heraus, danach wäre es passender gewesen.
Wieder einmal werden Sie politisch demontiert.(Ihre Versetzung zum Militär und Sport werde ich dem paranoiden Team um Gusenbauer nie verzeihen, denn Sie hätten in anderen Ressorts sicher bessere Figur und Karriere gemacht).
Sie könnten immer noch Sportjourist werden ! Da könnten Sie ungestraft und noch inkompetenter noch ganz andere Sachen sagen ohne selbst je in die Schußlinie zu kommen.
Es hat den Anschein, daß diese thematischen Eintagsfliegen völlig überfordert sind Fragen so zu stellen, daß es auf was anderes rauskommen kann als das Problem, wie wir sicher stellen können, die die Chauvinisten 2016 wieder ein paar Helden befeiern können.
Oder steckt dahinter Kalkül, denn das Gedümmel um Sporterfolge nützt deren Profession am meisten.
Wie schön, dass wir im mitteleuropäischen Durchschnitt liegen! Das wird gern als Freibrief genommen, um nichts ändern zu müssen.
Man sollte meinen, dass es die Aufgabe der Sportlehrer ist, Schülern Sportarten nahe zu bringen und sie dafür zu begeistern! Also den 13jährigen Schüler zeigen Sie mir, der wahre Freude am Zirkeltraining hat! In meiner Schulzeit habe ich die Erfahrung gemacht, dass der Ehrgeiz und Drill der Lehrorgane im Vordergrund steht - nicht etwa der SPASS an der Bewegung! Und das ist es doch, was am Ende übrig bleiben sollte - junge Menschen die sich gerne und aus freien Stücken regelmäßig bewegen!
Zuerst einmal möchte ich den treffenden Kommentaren zur Breitensportförderung beipflichten.
Ich möchte aber davor warnen, den Hrn. Schröcksnadel zu hoch zu loben. Bei aller Professionalität im alpinen Skifahren verschläft der ÖSV die Entwicklungen im Freestyle Wintersport. Snowboard Halfpipe hatte in Vancouver die höchsten Einschaltquoten ALLER olympischen Bewerbe in den USA! Snowboard Slopestyle ist ab Sotchi eine eigene olympische Disziplin. Aufgrund der negativen Einstellung von Hr. Schröcksnadel gegenüber des Freestyle-Sports gibt es beim ÖSV so gut wie keine Förderung von Sportlern und Infrastruktur. Der ÖSV ignoriert die Entwicklung seit Jahren und dementsprechend gering ist der Nachwuchs. Sotchi wird das schonungslos aufzeigen.
"Aber nach einem 27. Platz zu sagen, es war eine tolle Erfahrung, ist ein bisserl wenig, wenn jemand nicht einmal seine Bestmarke erreicht hat. Der Vergleich hinkt, aber den Hermann Maier ha-ben zweite Plätze gewurmt. Im Sommersport dürfte da schon auch ein Mentalitätsproblem mitspielen".
Yep!
ein paar 14-15 Jährige werden jetzt auf "Teufel komm raus" gefördert, damit die übrigen wamperten Österreicher alle vier Jahre ein paar Helden bejubeln können, die uns dann von Fischstäbchen- und Volksbankplakaten entgegenlachen dürfen.
Interessiert doch keine *Sau*, ob der Gschwendtner Herbert schnell rudern kann, oder der Shewardnadse Imran im Boxen super ist.
Breitensport gehört "auf Teufel komm raus" gefördert! Mountainbikestrecken, wo's nur geht, Kajak- und Ruderzentren entlang der Donau, Kletterhallen 1x quer durch Österreich, Randsportarten im ORF (statt Formel 1, zB.), und, am allerwichtigsten: EINE VÖLLIG NEUE VEREINSKULTUR IN SCHULEN! Sollte es dann vielleicht i-wann ein paar Olympiasieger mehr geben: schön. Wenn nicht: auch ok.
was der orf von sport hält, hat er auch heute wieder wunderbar gezeigt. da wird doch glatt die liveübertragung vom mountainbike bei olympia unterbrochen um irgendein blödes gequatsche über einen so bedeutenden kick zwischen östrreichischen bezahlten amateurmannschaften zu bringen. gleichzeitig mit dem olympiafinale wird eine vb aufzeichnung aus dem vorjahr gebracht und statt weitere sportliche finalentscheidungen im sportbereich (vb, bb, hb) zu übertragen wird dieser kick dann live übertragen. und für das zahle ich gebühren. lieber würde ich das direkt dem sportnachwuchs überweisen.
Von einem sportminister, der nicht seit gestern oder vorgestern im amt ist erawrte ich mir er haette es laengst getan und so nebenbei auch die strukturen un skandinavien und holland analysiert. diese aussage haut mir echt den vogel aussa, was tut er als sportminister. nein. es geht mir nicht um maidaillen. es geht um den zugang zum sport. dieser ist aber durch kleingeistige parteipolitisch organisierte verbaende und/oder nichtpraesenz in laendlichen gegenden charakerisiert.
Auch in der USA muss da etwas richtig laufen. Vl. sollte man sich auch über den Universitätssport Gedanken machen:
http://www.pacifictakes.com/2012/8/12... 2-olympics
Die olympischen Spiele sind eine ordinäre Kommerzveranstaltung. Aber sie brauchen Geld und deshalb dürfen mittelprächtige Verteidigungsminister mitreden, die dann als Edeltouristen von ihren Erfolgen als Medaillenvermehrer schwärmen können. Ein bisschen dumm sein schadet im Sport anscheinend wirklich nicht. Der Schröcksnadel ist grundsätzlich ein anständiger Mensch, aber die alpinen Erfolge stehen schon damit in Zusammenhang, dass er eine Freizeitindustrie aufgebaut hat, wo nichts mehr gratis ist. Wenn der im Sommersport auftaucht, dann wird es bald eine Radwegmaut geben und Sportarten, wo man nicht mindestens 50€ pro Tag ausgeben muss, werden sicher nicht gefördert werden. Aber die geförderten Sportler werden Medaillen machen
als basis für spätere medaillenerfolge?
mein eindruck war der, dass turnunterricht in österreich eher nebenher läuft.
da gibts kaum leistungsansprüche und bei nichterfüllung passiert auch null.
ich bin ja nicht dafür, dass es fünfer geben soll im turnen, aber in fast jedem anderen fach gibt es mindestanforderungen um durchzukommen.
warum nicht auch beim turnen?
muss ja keine fünfer geben und für diejenigen, die eine behinderung haben oder krank sind, soll es selbsverständlich dann ausnahmeregelungen geben, wär das nix?
wenn man das aber den kindern, jugendlichen nicht zumuten will, dann soll man später auch nicht weinen, wenns eben keine medaillen bei der ol. gibt.
objektiv betrachtet wird man künftig nur in den disziplinen eine chance auf medaillen haben, die den großen nationen nicht hipp genug sind. in allen anderen wird man ausnahmetalente benötigen, die man finden und fördern muss, aber nicht produzieren kann.
die größten chancen rechne ich mir da in sportarten wie mountainbike, kajak oder segeln aus, weil das im moment doch ziemliche trendsportarten in österreich sind.
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viel peinlicher finde ich es aber, dass wir es als wintersportland seit jahren nicht schaffen langläufer internationalen formates zu stellen, erfolgreiche frauen im nordischen skisport sucht man ohnehin vergebens. da muss strukturell viel mehr im argen liegen, denn dort hätten wir das geld und das know-how...
die ausländischen kinder sind meist die besseren sportler/innen. ich würde einen pisatest für sport einmal empfehlen und wäre dann neugierig, ob unsere oberlehrer/innen dann genauso entsetzt wären über das mangelhafte abschneiden unserer schüler/innen. denn dass wir positiv dastehen würden, wird ja wohl niemand annehmen.
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