Ecstasy erhöht die Empathie ... aber nur einseitig

11. August 2012, 11:26
36 Postings

Schweizer Forscher ließen die Partydroge testen und bestätigen die Wirkung einer "rosaroten Brille"

Basel - Mit der Rave-Kultur hat auch die Partydroge Ecstasy seit Ende der 80er Jahre einen weltweiten Siegeszug angetreten. Und auch wenn der Begriff "Ecstasy" auf eine Reihe unterschiedlicher Phenylethylamine angewandt wird, stand er ursprünglich für das Amphetaminderivat MDMA (3,4-Methylendioxymethamphetamin). Dieses haben Schweizer Forscher näher untersucht und konnten dabei den Ruf der Droge, wie eine rosarote Brille zu wirken, bestätigen: Wie die Universität Basel berichtet, erhöht Ecstasy offenbar die Empathie - aber nur einseitig, nämlich wenn es um positive Emotionen geht.

Das Experiment

Die Fähigkeit, unter Ecstasy komplexe Emotionen erkennen zu können, testeten die Pharmakologen mithilfe des "Reading the Mind in the Eyes"-Test. Dabei versuchen die Probanden, anhand des Fotos einer Augenpartie den mentalen Zustand des Gegenübers zu erkennen. Der Test besteht aus einer Folge von 36 Augenpaaren, die jeweils eine unterschiedliche Gefühlslage ausdrücken. Zusammen mit jedem Bild werden den Testpersonen vier mögliche Emotionen vorgeschlagen, von denen aber nur eine richtig ist. In der Basler Studie füllten je 24 Männer und Frauen an zwei Tagen den Test aus - einmal nach der Einnahme von 125 Milligramm reinem MDMA und einmal nach der Einnahme eines Placebos.

Die Ergebnisse: Während die Probanden mit oder ohne MDMA neutrale Mienen gleich gut einordnen konnten, zeigten sich beim Erkennen von positiven und negativen Emotionen deutliche Unterschiede. Unter dem Einfluss von MDMA erkannten die Probanden ein freundliches oder interessiertes Gesicht überdurchschnittlich gut. Sie hatten aber Mühe, einen misstrauischen oder herausfordernden Gesichtsausdruck richtig zu deuten. "Wer unter Ecstasy steht, scheint die Welt durch eine rosarote Brille zu sehen", erläutert Erstautor Cédric Hysek die Resultate. "Unter dem Einfluss von MDMA sind Personen weniger in der Lage, feindselige Blicke zu erkennen, was mit bestimmten Risiken verbunden ist."

Insgesamt erzielten die Versuchspersonen unter dem Einfluss von MDMA nicht die besseren Resultate, was bedeutet, dass der Wirkstoff die Empathie nicht grundsätzlich steigert. (red, derStandard.at, 11. 8. 2012)

  • Kleine bunte Pillen: Begleiterscheinung der globalen Dancefloor-Kultur.
    foto: apa/dpa

    Kleine bunte Pillen: Begleiterscheinung der globalen Dancefloor-Kultur.

Share if you care.