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Hallein - Zu den Salzburger Festspielen gehen Männer neuerdings auch in kurzen Hosen. Und keiner rümpft die Nase. Denn diese Männer sind Väter: Mit ihren Kindern schauen sie sich auf der Pernerinsel von Hallein Mojo an. Dabei handelt es sich um ein Spektakel ohne Worte, aber mit viel Musik "für alle Neugierigen ab 5 Jahren".
Dass Schauspieldirektor Sven-Eric Bechtolf neue Publikumsschichten erschließen und künftige Festivalbesucher gewinnen will, ist nachvollziehbar. Weniger jedoch, warum er sich zu einer Koproduktion mit Theatre-Rites entschloss, einer Compagnie aus London, die u. a. bei den Wiener Festwochen gastierte. Mojo, eine neonfarbenbunte Show in der Regie von Sue Buckmaster, wirkt wie ein Fremdkörper im Programm.
Und unverständlich bleibt, warum man den Kids nicht erklärt, was das Wort "Mojo" bedeutet. Das Mädchen mit den gelben Wollhaaren, dem man beim schubartigen Wachsen bis zum trotzigen Teen in der Kapuzenjacke zuschauen darf, heißt jedenfalls laut Programmheft Betty. Seine Zeugung ist im wahrsten Sinn des Wortes völlig aus der Luft gegriffen - und recht raffiniert: Zunächst bläst ein Akteur mit der Trompete etliche Seifenblasen, die er dem Schein nach zu jonglieren versteht. Danach formieren sich andere geometrische Figuren wie durch Zauberhand zu einem Säugling im Strampelanzug.
Die achtköpfige Truppe kümmert sich rührend und leider mit übertriebener Mimik um das Baby. Wenig später entdeckt es, welch Glück! ("Mojo!"), die Musik: Betty steppt auf einem Xylofon und liefert sich mit dem brasilianischen Multiinstrumentalisten Adriano Adewale nachgerade einen Klimper-Wettstreit.
Weitere Seifenblasen entpuppen sich als Kegel, mit denen das Hütchenspiel vorexerziert wird. Und natürlich dient einer auch dazu, Betty für kurze Zeit zum Verschwinden zu bringen. In dieser Tonart geht es weiter: Mit Stäben und Kugeln lassen sich zwar eine Vielzahl von Figuren kreieren, aber irgendwann mündet jeder Trick in der Wiederholung. Nach 75 Minuten ist das Mädchen schon fast erwachsen. Ob es, gelenkt von den Puppenspielern, dann "finally free" ist, darf allerdings bezweifelt werden. Nett. (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 11./12..8.2012)
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