"Weniger Menschen sind gut für den Planeten"

Johanna Ruzicka, 10. August 2012, 18:30

Das kurzfristige Denken von Politikern und Wählern kritisiert der Herausgeber des neuen Club-of-Rome-Report, Jorgen Randers

Standard: Vor 40 Jahren hat der Club of Rome einen vielbeachteten Report über den Raubbau der Ressourcen herausgegeben. Ihr Bericht nun ist eine Art Neuauflage. Hat sich etwas zum Besseren gewendet?

Randers: In einigen Bereichen kommt es nicht so angespannt wie angenommen. Viele Umweltschützer erwarten in den nächsten 40 Jahren gravierende Probleme wegen der Umweltverschmutzung und aufgrund des Ressourcenabbaus. Ich denke, dass dies zumindest in den nächsten 40 Jahren nicht ganz so gravierend wird.

Standard: Warum?

Randers: Aus zwei Gründen: Die Weltbevölkerung wird langsamer anwachsen und die Wirtschaft ebenfalls. Die Weltpopulation wird 2040 mit acht Milliarden Menschen eine Spitze erreichen und dann zurückgehen. Das ist weit unter den neun Milliarden Menschen, die meistens prognostiziert werden. Der Grund dafür ist, dass mehr Frauen sich dafür entscheiden werden, weniger Kinder zu bekommen. Wenn man in einem urbanen Umfeld lebt, macht es nicht viel Sinn, viele Kinder in die Welt zu setzen.

Standard: Und die Wirtschaft?

Randers: Auch die wird nicht mehr so schnell wachsen. Der Grund ist darin zu suchen, dass die westliche Gesellschaft altert. Die Aufgabe der Gesellschaft in den nächsten Jahrzehnten wird sein, soziale Dienstleistungen aufzubauen. Damit aber ist Wirtschaftswachstum nicht so leicht zu generieren. Das ist schwieriger, als in einer Fabrik die Produktivität zu steigern. Das heißt auch, dass die Menschen nicht so viel verdienen - und dass sie nicht so viele Ressourcen verbrauchen werden. Weniger Menschen und eine kleinere Wirtschaft sind gut für den Planeten.

Standard: Und doch sind Sie pessimistisch, was unsere ökologische Zukunft betrifft?

Randers: Das stimmt. Als das Buch in englischer Sprache herauskam, lautete die häufigste Schlagzeile: plus zwei Grad bis 2052. Aber die Conclusio des Buches ist, dass dies nicht mehr möglich ist. Die Menschheit ist nicht imstande, das Klimawandelproblem zu lösen. Es gibt zwar Entspannung - aber nicht genug. Und das heißt wiederum, dass es bei den zwei Grad plus nicht bleibt. Wir werden den Treibhausgasausstoß nicht genug reduzieren können, um dem Problem Herr zu werden.

Standard: Warum tun wir da so wenig?

Randers: Weil unsere Gesellschaft auf Kurzfristigkeit angelegt ist. Der Kapitalmarkt tickt kurzfristig und Politik und Gesellschaft auch. Es werden nur Investments gemacht, die großen, schnellen Gewinn abwerfen. Wenn der Return on Invest nicht hoch genug ist, wird eine Investition nicht getätigt. So ticken wir.

Standard: Aber die Politik könnte das regulieren.

Randers: Die Politik könnte natürlich eingreifen, sodass es profitabel wird, mehr für den Klimaschutz zu tun. Aber auch da regiert die Kurzfristigkeit. Die meisten Bürger wählen keine Parteien, die Steuererhöhungen ankündigen, damit mit dem Geld eine bessere Welt für künftige Generationen geschaffen wird. Alle denken kurzfristig! Wähler, Parteien, Gesellschaft, Firmen.

Standard: In deutschen Zeitungen gab es eine Art medialen Aufschreis aufgrund einer Aussage von Ihnen, bei der Sie wegen der Unbeholfenheit bei Klimawandelentscheidungen für einen "guten Diktator" plädierten.

Randers: Das war für die eine gute Schlagzeile mit einer darunterliegenden Wahrheit. Ich frage mich: Wie können wir die kapitalistische Gesellschaft so gestalten, dass sie langfristig agiert? Wie können wir die Wähler zu mehr Langfristigkeit erziehen? Wir müssen heute kostspielige Maßnahmen setzen, damit kommende Generationen eine bessere Zukunft haben. Da gibt es keine einfachen Lösungen. Ich denke, wir benötigen eine Art "supranationaler Organisation" mit Durchgriffsrecht. Eine, die Staaten dazu zwingt, langfristiger zu agieren.

Standard: Beim Klimaschutz wird oft über eine starke UN-Organisation nachgedacht.

Randers: Ich bin für eine zeitlich limitierte, starke Organisation, um die Erderwärmungsproblematik zu lösen. Das, was die UN-Klimagespräche mit dem Kioto-Vertrag erreichten, war so eine bindende Auflage. Das ist der Typ Organisation, die Art von "good dictatorship", die mir vorschwebt.

Standard: Der Kioto-Klimavertrag war also der richtige Schritt?

Randers: Absolut! Es ist unbedingt notwendig, dass es zu einem Folgeabkommen kommt. Eine lanfris tig richtige Weichenstellung war auch, was die EU-Kommission mit ihren 20-20-20-Zielen bezweckt (bis 2020 um 20 Prozent weniger Treibhausgase als 2005, 20 Prozent Erneuerbare, 20 Prozent mehr Energieeffizienz, Anm.) Dabei wird die Energieeffizienz erhöht, und wir werden von fossilen auf erneuerbare Energien umschwenken. Das wird zu einer bestimmten Schnelligkeit stattfinden, aber nicht schnell genug, um die zwei Grad plus zu vermeiden. Wenn es wirklich gelingt, den Anteil der erneuerbaren Energien auf sagen wir 40 Prozent hinaufzuschrauben - derzeit sind wir bei weltweit acht Prozent -, kommen weiterhin 60 Prozent aus fossilen Quellen.

Standard: Wie sehen Sie dabei die Rolle der Finanzkrise?

Randers: Nach meiner Meinung hat die Finanzkrise den Vorteil, dass der ökologische Fußabdruck der Menschheit geringer wird oder zumindest langsamer wächst. Ein weiterer Vorteil ist, dass die steigende Ungleichheit bei den Einkommen in der Welt, die sich auch in ungleiche Treibhausgas-Emissionen pro Kopf manifestieren, klar wird.

Standard: Und warum ist das alles für den Klimawandel nicht genug?

Randers: Wegen der Langlebigkeit der Treibhausgase. Gase, die wir heute in die Atmosphäre blasen, beeinflussen das Klima noch in hundert Jahren. Es ist ja so: Wir pumpen heute das Doppelte von dem hinauf, was von den natürlichen Speichern, Meeren und Wäldern, absorbiert werden kann. Deshalb ist es notwendig, dass wir schon jetzt bei den Emissionen enorm einsparen.

Standard: Der Klimawandel beeinflusst die Erde unterschiedlich. Wo sind die Gewinner, wo die Verlierer?

Randers: Für das Buch 2052 habe ich das Konzept von "Der neue Norden" entworfen: In den nächsten 40 Jahren wird es wärmer, keine Frage. Das ist natürlich ein Nachteil für den größten Teil der Welt. Aber für Norwegen, Sibirien, Alaska, Kanada oder Russland ist das anders. Derzeit sind die Temperaturen dort die limitierende Einflussgröße für das Pflanzenwachstum. Mit höheren Temperaturen hat man da einen Vorteil für die Landwirtschaft.

Standard: Wir müssen uns vor Fluten wappnen?

Randers: Der Punkt ist, dass das Meeresniveau in den nächsten 40 Jahren um etwa weitere 30 Zentimeter steigen wird. Der Meeresspiegel ist in den letzten hundert Jahren bereits um 20 Zentimenter angestiegen. Das ist viel für niedrig gelegene Landstriche. Und es ist viel für Pazifikinseln oder für Bangladesch. Aber es ist beispielsweise kein Problem im Norden, etwa in Norwegen mit seinen felsigen Küsten. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD; 11.8.2012)

JORGEN RANDERS ist Professor für Klimastrategie an der Norwegian Businessschool for Management. Anfang der 1970er-Jahre arbeitete der heute 66-Jährige an dem Forscherteam am Massachusetts Institute of Technology mit, das den Club-of-Rome-Report "Die Grenzen des Wachstums" verfasste. Die deutsche Ausgabe des neuen Club-of-Rome-Berichts "2052. Eine globale Vorhersage für die nächsten 40 Jahre" erscheint im September im Oekom-Verlag.

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Wer soll dieses CO2-Märchen noch glauben??

CO2 ist zu 0,003-0,004 % in unserer Atmosphäre wovon der Mensch an nur einem minimalen Bruchteil seinen Anteil findet...Wie soll CO2 irgendeine Auswirkung auf den Klimawandel haben???
Der Klimawandel ist naturgemäß so!!
Bitte informiert Euch
http://www.wahrheiten.org/blog/klimaluege/
mit liebem Gruß
benji

Ach ihr Eugeniker: geht mit gutem Beispiel voran,

denn ihr seid das Letzte, was diese Welt braucht. Die Menschheit erträgt auch Vieles, nur euch nicht mehr.

Vor ein paar Monaten wären solche Aussagen noch als Verschwörungstheorie abgetan worden, und heute trauen sich diese Gestalten aus ihren Löchern.
Unglaublich.

wie oft brauchen wir noch beweise, dass der mensch zu blöd ist sein überleben langfristig zu sichern????
er akzeptiert, dass das klima immer unberechenbarer und katastrophaler wird, unternimmt aber nichts dagegen, sondern lebt weiter als ob es kein morgen (für seine kinder gäbe).
ich werd mit 2060 unter der erde sein und nix mehr mitbekommen, mir tun aber die kinder von heute schon leid, die gleich erzogen werden wie alle anderen generationen im kapitalismus: ressourcen plündern, verbrauchen und v.a. VIEL konsumieren.
wirtschaftswachstum ist die maxime, nicht sicherung des überlebens der menschheit auf DIESER erde....

Wie oft brauchen sie noch Beweise dass der Mensch eben nicht zu bloed ist sein Ueberleben zu sichern?

Die Eugeniker drücken uns wieder mal ihre Lügenmärchen rein. Das böse Klima, wir müssen alle sterben, gebt uns Geld und akzeptiert uns als Diktator dann wird alles besser.

Randers...

schaut eh schon so aus als ob er die Pille schon schlucken musste und schreit eben nochmals auf bevor er Alleine ist in der Ewigkeit!

ahh - die eugeniker und ihr bekannter plan diese lästige weltbevölkerung auf ein "gesundes" maß zu reduzieren treten immer ungenierter auf.

nicht die anzahl ist unser problem, sondern unser falscher, resourcenvernichtender und großteils abwärme produzierender technologischer ansatz ist das problem, unsere methode lebensmittel anzubauen, unser umgang mit wald und wasser usw.

F S 3 mit 510 Verfolgern unterwegs, warum wohl?

http://www.zeit.de/politik/a... er/seite-2

Klimawandel Leugner sind Großkapitalisten und stockkonservative Republikaner?

schützen ihre Geschäft, zocken uns ab, weil sie hoffen den Umstieg auf nachhaltige Energien zu verlangsamen, während die Benzinpreise affenartig steigen, damit sie vor dem Ende für Öl und Gas noch ihre Macht festigen?

F S 3 eine bezahlte Vorfeldorganisation?

FS3/Frescobaldi und konsorts sind nur zu dumm und zu faul, sich mit der Physik hinter dem menschgemachten klimawandel zu beschaeftigen, obwohl die prinzipien nicht direkt schwer sind.
Deshalb investieren sie lieber die zeit, die einem intelligenten Menschen reicht ein lehrbuch wie pierrehumberts "physics of planetary climate" samt uebungsbeispielen durchzuackern um den gossip rundherum zu leben und wiederzugeben... ein bisschen wie selbstbefriedigung.
Alle forscher die ihr fach koennen fragen nicht ob AG W "real" waere oder nicht, Sie wissen auch wie es funktioniert. Eine handvoll profilneurotiker hat halt erkannt, dass man beim internationalen trollariat mit einem mediengehypten "galileo stance" schneller berühmt wird als durchs publiziere

*hatschi*

ich bin allergisch auf bulshit

"Bullshit" meinten Sie

und schon wieder aus den schlagzeilen verschwunden...

...kein wunder, derStandard hat auch eine bestimmte meinung dazu zu vertreten, und die ist bestimmt nicht die der meisten poster bzw. leser. feige!

"Wachset und mehret euch...

Erfüllet die Erde und macht sie euch untertan."

Mission completed

Das ist religiöser Imperialismus.,.

Das ist ein Aspekt unseres Untergangs!

tut da wieder einmal wertes und unwertes leben einteilen???? eine unfassbare arroganz.

Nach Meinung der Großkapitalisten genügen ca. 1 Mrd. Menschen um allen gewohnten Luxus für sie zu produzieren.,.Die restlichen 6-7 Mrd. sind nur unnütze Fresser und Umweltschädlinge und sollen vertilgt werden.

tut da wieder einmal wer nur die Überschrift lesen? eine unfassbare immer wiederkehrende Dummheit.

Sie kommen schon mal auf die "unwert" Liste.

Wo lesen Sie denn bitte das da heraus?

Wüsst ich jetzt auch gern?

Die Finanzkrise soll gut sein

weil sie den ökologischen Fußabdruck der Menscheit veringert.Gut.Aber das sie jetzt uns sehen läßt daß die Einkommensunterschiede zunehmen ist nicht klar.Denn das ist seit Jahren zu sehen.Das diese Unterschiede bei den Verlierern zu Minifußabdrücke führen ist klar.Aber das Randers dies auch als Vorteil preißt,kann ja nur unbewußt daherkommen.oder?.
Klar haben Säuglinge die darauf gleich verhungern einen superkleinen Ökofußabdruck.Es ist im Gegenteil gerade die Finanz"wirtschaft"die in welcher Situation auch immer.Krise oder Aufschwung,fast ganz alleine diese Riesenabdrücke schaft.

Randers:..."Wenn man in einem urbanen Umfeld lebt, macht es nicht viel Sinn, viele Kinder in die Welt zu setzen. ".....

Der allergrößte teil der menschheit lebt in keinem urbanen umfeld!
Daher ist die katastrophe der übervölkerung kaum aufzuhalten.

hat sich das nicht vor einigen monaten gedreht?
über 50% der wltbefölkerung leben in städten?
das war doch was, oder?

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