Ein Feuerwerk und etwas Trübes

10. August 2012, 20:09
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Jonathan Burrows und Matteo Fargion brillieren mit ihrem Duett "Counting to One Hundred" im Schauspielhaus

Wien - Die beiden wissen, was sie tun. Jonathan Burrows und Matteo Fargion haben dem Festival Impulstanz mit ihrem Duett Counting to One Hundred im Schauspielhaus einen echten Höhepunkt beschert.

Burrows, 52, der englische Choreograf und ehemalige Solist im Londoner Royal Ballet, tritt seit zehn Jahren zusammen mit dem aus Italien stammenden, 51-jährigen Komponisten Matteo Fargion auf. Das Duo war von Beginn an - mit ihrem Both Sitting Duet - ausgesprochen erfolgreich. Heute touren die zwei auf allen Kontinenten und zählen zu den Spitzenkünstlern in der zeitgenössischen europäischen Choreografie.

Wie bereits ihre fünf vorangegangenen Duette ist auch Counting to One Hundred eine Kombination aus klarem Konzept, zarter Anarchie und trockenem Humor. Unübersehbar spielt da eine Leidenschaft für die Ideen und Methoden von John Cage mit.

Das dreißigminütige Stück ist ein wahres Feuerwerk an Details, ein gestisch-tänzerisches Musikstück, in dem die beiden abwechselnd laut zählen. Allein aus dem Stimmeinsatz beim Zählen auf Englisch und Italienisch ließe sich ein wunderbares Hörspiel machen. Und die Gesten, die gegenseitigen Berührungen sowie die körperlichen Haltungen bauen dieses Spiel in einen Verhaltenskode ein, der wie eine Botschaft aus der Zukunft wirkt. Aus einer Kultur, die freier, leichter und intelligenter geworden sein wird.

Eher im Trüben bleibt dagegen der deutsche Choreograf Sebastian Matthias (32) mit seinem Trio Tremor. Zwei Männer und eine Frau tanzen, torkeln und sinken hin zu der großartig vibrierenden Perkussion von Jassem Hindi. Ohne Witz, dafür mit einem seltsam richtungslosen Pathos der Bewegungen, die genau das Gegenteil dessen vermitteln, was der Titel verspricht. Abgesehen von einer kurzen Passage bleibt alles unter Kontrolle. Da zittert und zuckt gar nichts. Tremor zeigt keinen einzigen neuen Aspekt im Tanz und wirkt eher wie eine Ausbildungsabschlussarbeit.

Noch einen Rückschritt weiter macht der aus Ecuador stammende Fabian Barba, 30, im Kasino am Schwarzenbergplatz. Der Absolvent von Anne Teresa De Keersmaekers Brüsseler P.A.R.T.S.-Schule hatte sich ab 2009 mit einem guten Abend aus Soli der Expressionistin Mary Wigman vor allen in die Herzen von deutschen Tanzpatrioten getanzt. Der Anschluss daran gelingt ihm nun in seinem Folge-Solo A personal yet collective history nicht mehr. Er zeigt darin nur, wie wenig er zu sagen hat und wie eng ein künstlerischer Horizont sein kann.   (Helmut Ploebst, DER STANDARD, 11./12..8.2012)

  • "Counting to One Hundred"
    foto: impulstanz / hermann sorgeloos

    "Counting to One Hundred"

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