FAO für Drosselung bei Agrosprit

10. August 2012, 17:11

Wegen der anhaltenden Dürre in den USA fordern Experten ein Umdenken

Washington/Rom/Wien - Angesichts der anhaltenden Dürre schlug der Generaldirektor der UN-Welternährungsorganisation, der Brasilianer José Graziano da Silva, in der Financial Times vom Freitag neue Töne an: Die USA verwendeten bereits 40 Prozent ihrer Maisproduktion für die Herstellung von Agrarsprit. Angesichts der drohenden Nahrungsmittelknappheit sollten die USA eine sofortige, einen gewissen Zeitraum umfassende Aufhebung der Biospritproduktion ins Auge fassen, forderte er. Dies würde den Agrarmärkten die notwendige Atempause verschaffen; die Maisernte könnte stattdessen in die Lebensmittel und Tierfutterproduktion gehen.

Der US-Kongress hatte 2007 vorgeschrieben, welcher Anteil der Getreideproduktion für Biokraftstoffe verwendet werden soll. Seitdem sind die Preise laut Studien stark gestiegen. Mehrere G-20-Staaten haben sich bereits besorgt über die hohe Ethanolproduktion in den USA gezeigt. Die Vereinigten Staaten sind der weltweit größte Produzent und Exporteur von Mais. Doch herrscht im mittleren Westen der USA die schlimmste Dürreperiode seit 1956.

Dürre macht Märkte anfällig

Zwar befinde man sich derzeit noch nicht in einer Krise, doch die US-Dürre macht die globalen Märkte höchst anfällig für weitere Erschütterungen. Der FAO-Index für Getreide erreichte diese Woche einen durchschnittlichen Wert von 260 Punkten und damit 38 Punkte mehr als im Juni. Der Wert ist damit 14 Punkte von seinem bisherigen Rekord vom April 2008 entfernt, als es weltweit zu Hungerrevolten kam.

Da Silva warnte davor, dass Regierungen die Situation durch falsche Reaktionen verschärfen könnten. Damals hatten mehrere große Produktionsländer Ausfuhrrestriktionen erlassen, um im eigenen Land die Preise in Schach zu halten. Das hatte die Krise aber noch verschärft.

Nicht überall wird der Appell des FAO-Chefs goutiert. Bei der Biospritproduktion falle nicht nur Ethanol an, streicht Ernst Gauhs, Manager der Raiffeisen Ware Austria, hervor, sondern auch ein Abfallprodukt, die sogenannte "Schlempe". Diese wird wegen ihres hohen Eiweißgehalts als Tierfutter verwendet und ersetze über weite Strecken Soja. "Bei einem Aussetzen der Biospritproduktion würde der Bedarf an Soja für die Tierfütterung steigen."

Mehr Investoren angelockt

Auch das Problem der ungezügelten Spekulation mit Agrargütern ist wieder zu beobachten. Die höheren Lebensmittelpreise lockten im Juli Investoren in Fonds auf Agrarrohstoffe. Die Zuflüsse in börsennotierte Indexfonds (ETFs) und andere Anlageformen, die sich auf Terminkontrakte und Indizes für Agrarprodukte beziehen, erreichten mit knapp 110 Millionen Dollar (89 Mio. Euro) den höchsten Wert seit März 2011, so eine Statistik des Analysehauses Lipper.

Nach Ansicht von Lipper-Analyst Matthew Lemieux werden die Investoren weiter Geld in Agrarfonds stecken. "Wir werden noch mehr Zuflüsse sehen, wenn die Preise für Nahrungsmittel weiter steigen. Das dürfte so lange anhalten, bis sich an der Dürre in den USA und an anderen Gegebenheiten etwas ändert, die die Preise weltweit in die Höhe treiben." (Reuters, dpa, ruz, DER STANDARD; 11.8.2012)

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"Biosprit" hat nichts mit biologischer Landwirtschaft zu tun.

Im Gegenteil.

Agrarsprit ist die richtige Bezeichnung.

Was war an meinem Posting so brisant dass es nicht veröffentlicht wurde?

Zweiter Versuch:

Man sollte hier bei der Öko/Bio Lobby nachfragen was die dazu sagen.
Bisher wurde Biosprit ja als Heilsbringer hochgelobt.

wahrscheinlich wars blödsinn

die "öko/bio lobby" (wer immer das sein soll) hat agrosprit wie als "heilsbringer" gesehen. das war immer nur die övp-bauernlobby.

Biosprit geht hauptsächlich zu lasten der Entwicklungsländer.

Dass man Urwälder abholzt um Palmöl anzubauen, ist reiner Wahnsinn. Biosprit war immer nur Augenauswischerei, damit man der Bevölkerung suggeriert, damit würden die Ölreserven noch viiiiel länger halten. Er ist aber nur ein Tropfen auf den heißen tein.

Die Entwicklung von (brauch- und leistbaren) Elektroautos bzw. das echte 3-Liter-Auto sind immer noch nicht verwirklicht. Weil die Ölindustrie eine zu starke Lobby hat :-(

Zunächst hat man Agrosprit verherrlich und jetzt darf er als Sündenbock herhalten. Die Masse plappert die typischen Sager einfach nach, ohne sich je mit diesen Märkten beschäftigt zu haben. Jetzt ist es eben die kurzsichtige Vorstellung, dass Agrospirit zu Nahrungsmittelknappheit führt^^

Jedenfalls braucht es aber bei rapide wachsender Weltbevölkerung und enormen Wirtschaftswachstum in Brasilien/China/Indien AKWs und Riesen-Wasserkraftwerke.

Zum Glück haben die Amis in den...

...letzten Jahren eine so große Ethanolindustrie aufgebaut. >>> Sonst könnte die FAO bei der diesjährigen schlechten Ernten eine Drosselung der Ethnolproduktion gar nicht fordern. Der dafür vorgesehen Mais wäre ohne Ethanolindustie im Frühjahr gar nicht gesät worden.

Endlich ein vernünftiges Posting zu dem Thema

dazu kommt noch: Durch Verschenken unserer Überschüsse an die 3.Welt hat man deren Ldw. Nachhaltig ruiniert, deren Bauern um die Einkommen beraubt.
Hätte man die Überschüsse schon vor 20 Jahren verspritet, gäbe es dort noch vernünftige Produktion - und Einkommen für die Kleinbauern.

die Maisernte könnte stattdessen in die Lebensmittel und Tierfutterproduktion gehen

aber nur im amiland bitte

Wieso dass den?

Verdienen Sie mit Ihren Agrofonds so gut am elend der Menschen, oder ist es Ihnen einfach nur scheißegal wie viele Menschen für Ihr 'Recht auf billigen Sprit' verrecken müssen?!?

unsinn.
mit den nahrungsmittelexporten in die hungerlaender afrikas machen wir dort die dortige infrastruktur kaputt.
bevoelkerungsexplosion und landflucht und 80% der bevoelkerung leben faktisch von der wohlfahrt.
die chance nutzen, noch mehr spekulieren, die knappheit erhoehen, afrika, afghanistan, pakistan, bangla desh wieder gesundschrumpfen lassen.

die "gesundung" kann nicht über massensterben gehen.

das geht nur mit verwendung des eigenen hirns. bzw. in kombination der hirne der 10000e entscheidungsträger auf allen ebenen in diesen regionen.

ist halt schwierig wenn pausenlos auf allen ebenen falsche entscheidungen getroffen werden.

beginnt beim beischlaf zwecks vermehrung. beim nicht verwenden von verhüttungsmittel, sich auf gott verlassen, etc. etc.

warum man da einer industrie die "eigene" rohstoffe verbraucht, wo 100000e bauern, produzenten, konsumenten dranhängen, den schwarzen peter zuschieben will verstehe ich nicht.

Da wird die AGRANA wohl das Spiritus-Werk Pischelsdorf abschreiben müssen !

Wem gehört die AGRANA eigentlich?!?

Und nein, bevor man in Österreich sowas macht lässt man SICHER noch ein paar Millionen 'Nackerbalzelte' verhungern. verschärft durch steigende Lebensmittelpreise die Inflation und Armuts-spirale im eigenen Land und macht die letzten Äcker und Wiesen mit Mais Monokulturen kaputt!
Aber "alles nur für die Umwelt" oder?

Sie lasen eine Belangsendung der Soja Produzenten...

Lieber Standard

Warum stehen sich beim Thema Ernährung der Chef der FAO und zwei Bankster im Artikel gegenüber?

Warum wird der Raiffeisen Bankster kompetenter als der Chef der FAO dargestellt (weil er an die tolle "Schlempe" denkt)?

Mich persönlich interessiert es Nüsse was Bankster zur Nahrungsproduktion zu sagen haben: Geld kann man nicht essen. Punkt

ohne geld kann man keine nahrungsmittel produzieren oder kaufen. punkt.
mit geld kann man - ich behaupt mal - weltweit 10 mal soviel nahrungsmittel produzieren, als man es derzeit tut.
mit viel geld 20 mal soviel. mit der heutigen technologie.

mal was ganz anderes ! wie kommt eigentlich die us-biospritindustrie dazu auf ihre kosten den preis für andere niedrig zu halten ?!

sollten staaten nicht danach trachten, ihre grundversorgung sicherzustellen und nicht auf den good-will der amierkanischen biospritindustrie angewiesen zu sein.

Raiffeisen wäre ist keine Bank.

;) -der war ganicht schlecht!

Aber gehören tuen AGRANA, Raifeisen Ware uswusf. alle wem???

Nun, wem gehören sie?
Mich interessiert Ihre Meinung dazu.

Ist eine ziemlich "interessante" rechtliche Konstruktion:

http://de.wikipedia.org/wiki/Agra... on.C3.A4re
Im wesentlichen also Südzucker(Deutschland) und einer Betreiligungsgesellschaft die Wiederum Raiffeisenbank Niederösterreichwien und der RZB gehört(und ein paar % in Streubesitz).
Zu Raiffeisen Ware:
http://de.wikipedia.org/wiki/Raif... eiligungen

Die Welt ist krank …

… und es ist alleweil „wirtschaftlicher“ (realistisch. „pervers“) die Menschen verhungern zu lassen als auf Ökologie für den Tank zu verzichten … für jene die es sich leisten können.

Lebensmittel werden künftig an den Ölpreisen gemessen. Die Rechnung ist einfach. 1 Liter Heizöl ca. 10 kWh, 1 Kilo Getreide ca. 4 kWh. Was liegt da näher als auch das Getreide noch zu verheizen. Hier ein schönes Werbefoto:
http://www.facebook.com/photo.php... =3&theater

und hier noch die Rechnung dazu:
http://qpress.de/2011/03/0... de-heizen/

Mehr verdient wenn der Bauer sein Getreide verheizt als es am freien Markt zu verkaufen. So funktioniert Wirtschaft … (°!°)

Mehr verdient wenn der Bauer sein Getreide verheizt als es am freien Markt zu verkaufen. So funktioniert Wirtschaft … (°!°)

soweit ich weiß ist das schon einige zeit praxis, getreide minderer qualität als wärmequelle zu benutzen... oder hat mir da wer einen bären aufgebunden?

Das ganze Biosprit-Projekt, wie es real abläuft, ist sowohl ökologisch als auch menschenrechtlich ein einziger Wahnsinn. Höchste Zeit, diese Art der Ausbeutung von Natur und Menschen zu stoppen.

Sie meinen Agrosprit?

http://derstandard.at/plink/134... id27403370

Sogar der Standard hat sich lernfähig gezeigt und verwendet die Wortlüge "Biosprit" in letzter Zeit nicht mehr.

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