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Jenny Simanowitz.
Von außen sieht das Büro des Versicherungsmaklers am Berliner Kurfürstendamm aus wie jedes andere Büro in der Umgebung. Wenn die Besucher allerdings den Telefonsaal betreten, in dem 20 Mitarbeiter mit Kundenakquise beschäftigt sind, fällt sofort auf, dass alle mehr oder weniger bunt verkleidet sind: manche im Abendkleid oder im eleganten Anzug, andere wieder mit auffallendem Hut oder einer exotischen Sonnenbrille. Ein junger Mann sitzt stolz an seinem Platz, während er in liebevollem Ton mit einer Kundin auf Englisch "turtelt": "Let me take you by the hand and show you all the jewels we can offer."
Nach zehn Jahren als Englischlehrerin war die Arbeit für dieses Unternehmen mein Einstieg ins Geschäftsleben. Sie hat meine Einstellung zum Thema "Kreativität im Wirtschaftsleben" geprägt; ebenso der ausgesprochen originelle, herzliche und schöpferische Geschäftsführer dieses kleinen Maklerbüros, der durch seine unkonventionelle Art ungewöhnliche Erfolge auf dem gesamten deutschen Versicherungsmarkt erzielen konnte.
Der Anreiz, den unser Chef uns geboten hat, bestand darin, dass wir unsere Ideen umsetzen konnten, solange der Umsatz stimmte. Er selbst betrachtete das Geschäft als Spiel und das Wirtschaftsleben als große Theaterbühne. Je unkonventioneller und verrückter eine Idee war, desto besser! Dadurch entstand unter uns Mitarbeitern ein Konkurrenzverhalten im Bereich der Kreativität, was wiederum der Leistung enorm zugutekam. Obwohl keiner von uns eine Schauspielausbildung genossen hatte, wurden wir alle zu gewieften Rollenspielern. Die gegenseitigen Anregungen und der Spaß, in dieser Art zu arbeiten, hat uns ständig vorangetrieben, neue Verhaltensweisen auszuprobieren. Wir haben die Vielfalt unserer " verschiedenen unterschwelligen Selbst" an die Oberfläche gebracht und als Rollen eingesetzt.
Rollen drücken sich bekanntlich durch die drei Elemente der Kommunikation aus: durch Sprache, durch Körpersprache und durch Stimme. Jede kleinste Veränderung dieser Elemente bewirkt eine Veränderung unserer Gefühle und dadurch eine veränderte Wirkung auf die Umgebung. Ob durch das Unternehmensklima Kreativität, Gelassenheit und Freude an der Arbeit erzeugt werden oder das Gegenteil, hängt davon ab, welche Verhaltensweisen (Rollen) gefördert werden und welche nicht. Denn diese Vorgaben sind wesentlich für die Art, wie Menschen miteinander interagieren.
Es war Judith Butler, die dem Begriff des "Performativen" eine neue Bedeutung verliehen hat, indem sie die "Performance", die wir im Alltag spielen, als "Ergebnis einer bestimmten sozialen Konstruktion" darstellt. Bietet eine Organisation viel Freiraum für Abwechslung und kontinuierliche Erforschung auf dem Gebiet der Performance, dann entsteht ein kreatives Organisationsklima. Engt das System durch Ideologien oder rigide Zielsetzungen die Performance zu sehr ein, kann dies zur Rollenzementierung führen. Das Individuum findet sich dann in einem emotionalen Korsett wieder, das nur bestimmte Verhaltensweisen erlaubt. Oft sind diese Verbote unausgesprochen. Trotzdem - oder sogar deswegen - haben diese Botschaften eine starke Wirkung auf das Verhalten der Empfänger. Es ist kaum möglich, sich in einem Klima zu entfalten, in dem nur ein bestimmter Habitus geduldet wird und für Fantasie kein Platz ist. Wenn Menschen immer gleiche Redewendungen hören, immer gleiche Zielsetzung empfangen und unter permanentem Leistungsdruck stehen, werden nach und nach alle kreativen Impulse absterben.
Der Pantomime Samy Molcho behauptet, dass Kreativität erst dort beginnt, wo Menschen aus der Reihe tanzen. Das "Aus-der-Reihe-Tanzen" - das Fantasievolle, das Humorvolle, das Unangepasste und das Erfinderische - muss jedoch von der Führungsebene vorgelebt werden. Führungskräfte sollen wagen, neue Performances auszuprobieren, auch wenn sie zuerst nicht glatt über die Bühne laufen. Ein gewisser Imperfektionismus gehört zum kreativen Prozess.
Wenn Vorgesetzte nur steif über den Gang marschieren oder sich hinter geschlossenen Bürotüren grimmig hinter dem Computer verschanzen, kann man nicht erwarten, dass das Personal seine Kreativität in den Arbeitsprozess einbringt. Daran kann auch die "Motivationsrede" zu Weihnachten nichts ändern. Kreativität muss vorgelebt werden, damit unsere Mitmenschen zu Kreativität angeregt werden. Ein bekannter Wirtschaftsboss hat gesagt: "Jede Führungskraft soll tanzen lernen." Ich glaube, er hat das nicht nur wortwörtlich gemeint. Auch metaphorisch wäre es sicher ein guter Ratschlag! (Jenny Simanowitz, DER STANDARD, 11./12.8.2012)
Jenny Simanowitz ist gebürtige Südafrikanerin, die in Wien lebt. Sie ist Inhaberin und Geschäftsführerin des Happy-Business-Institutes für Kreativität und Kommunikation mit dem Motto "Creating Places where People Love to Work".
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Das ist doch die Kernaussage dieses bezahlten? / unbezahlten ? Werbeartikels.
Aber nein ! Infame Unterstellungen, die wir mit aller gebotenen Schärfe entschieden zurückweisen.
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