Junk Bonds werden gesünder

Schrottanleihen werden bei Anlegern immer beliebter, Fondsmanager sehen dahinter einen langfristigen Trend

Die Eurokrise lodert vor sich hin, das Wachstum in den USA schwächt sich ab, doch Investoren pumpen ihr Geld weiterhin in Hochzinsanleihen. Fonds mit Fokus auf Hochzinsanleihen haben zuletzt sieben Wochen lang über eine Milliarde Dollar eingesammelt. Seit Jahresbeginn wurden 43 Milliarden Dollar in die Anlageklasse investiert, 30 Prozent mehr als in den zwölf Monaten des bisherigen Rekordjahres, so die Analysten vom Branchendienst EPFR.

Ihre Beinamen "Ramschanleihen" oder "Schrottanleihen" haben diese Bonds aber gerade wegen ihres hohen Risikos, gemessen an ihrer niedrigeren Bonität. Ein Rating von höchstens BB+ dürfen diese Anleihen haben, um als "Junk Bonds" zu gelten. Dafür versprechen sie auch höhere Renditen. In Europa bringen Hochzinspapiere aktuell eine jährliche Rendite von knapp neun Prozent, je nach Index, sagt Marina Cohen, Fondsmanagerin von Hochzinsanleihen beim französischen Fondshaus Amundi, gleichzeitig sind Unternehmenspleiten weiterhin relativ selten.

Das hat institutionelle Anleger angelockt. "Die Jagd nach Rendite ist ein wesentlicher Treiber für viele Anleger in dieser Anlageklasse", sagt Cohen. Sie ist bei dem großen Vermögensverwalter für Fonds und institutionelle Mandate mit Hochzinsanleihen-Fokus verantwortlich. 2,9 Milliarden Euro verwaltet sie.

Investoren wie Versicherungen suchen fixe Renditen, weil die Staatsanleihen kaum mehr Erträge bieten. Sie picken daher im Ramschsegment die Qualitätsunternehmen heraus. Das habe dazu geführt, dass die mit BB bewerteten Unternehmen kaum mehr als Hochzinsanleihen gelten können, weil ihre Zinsen derart stark zurückgekommen sind. Lediglich drei bis vier Prozent Rendite sind keine Seltenheit. In den USA sind die Zinsen auf die Anlageklasse der Hochzinsanleihen zuletzt in die Nähe ihres Rekordtiefs gefallen. Daher sei das BB-Segment "nicht unbedingt attraktiv", sagt Cohen. In ihren Fonds sind daher Unternehmen mit etwas schlechterem Rating, B, übergewichtet.

Schrumpfende Banken, wachsende Märkte

Die Assetklasse befindet sich in einem enormen Wandel. Gerade in Europa ist der Markt massiv gewachsen. 2008 waren gerade einmal 81 Milliarden Dollar an Hochzinsanleihen auf dem Markt. Heute sind es 239 Milliarden Euro. Doch in den vergangenen Jahren haben die "gesunden" Emissionen am Markt deutlich zugenommen. Für Fondsmanager Cohen sind das Anleihen, die Unternehmen zur klassischen Refinanzierung nutzen und nicht etwa Schulden, um Dividenden auszuzahlen oder stark fremdkapitalfinanzierte Übernahmen (LBO) durchzuführen. "Es ist richtig, dass die Emissionen massiv angestiegen sind, doch sie sind viel gesünder."

Diese Entwicklung werde von einem langfristigen Trend unterstützt. Weil Banken angesichts von Regulierung und Reparatur ihrer Bilanzen weniger Kredite vergeben, greifen mehr Unternehmen auf den Kapitalmarkt zurück, um sich zu refinanzieren. "Mittlere Unternehmen genauso wie riskantere Schuldner kommen zusehends an den Hochzinsanleihenmarkt. Dieses Wachstum wird sich fortsetzen", sagt Cohen.

Michael Phelps, leitender Fondsmanager des European Credit Strategies Fund von Blackrock, betont, dass dabei gerade der europäische Markt attraktive Chancen bietet: "Die anhaltende Unsicherheit über die Solvenz von Staaten und die tiefe Rezession haben die Renditen deutlich ansteigen lassen. Der europäische Markt bietet Investoren aktuell knapp 2,5 Prozentpunkte mehr Rendite als der US-Markt." Zudem würde sich auch die Qualität gerade in Europa verbessern. "Da europäische Banken ihre Bilanzen schrumpfen und der Kreditmarkt für institutionelle Investoren zurückgeht, kommen mehr Qualitätsunternehmen auf den Anleihenmarkt, um sich zu finanzieren," sagt Phelps. (Lukas Sustala, DER STANDARD, 10.8.2012)

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