Bär, Luchs und Wolf kehren heim nach Österreich

10. August 2012, 09:46
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    foto: apa/dpa/armin weigel

Die Wiederansiedlung der "Großen Drei" ist aber noch nicht gesichert

Wien - Mit scheuen Schritten kehrt ein Stück Wildnis heim nach Österreich. 150 Jahre nachdem Bär, Wolf und Luchs den Kampf um den Boden gegen den Menschen verloren haben, erobern die Tiere nach und nach Teile ihres ehemaligen Lebensraumes zurück. Doch ob es die letzten großen Räuber der Wälder schaffen, noch einmal in Österreich sesshaft zu werden, ist fraglich.

Zu Gesicht hat die vorsichtigen Tiere bisher kaum jemand bekommen, nur Bilder aus Fotofallen und die Auswertung von Spuren bezeugen, dass die "Großen Drei" wieder in Österreich unterwegs sind. Noch ist die Population verschwindend klein - und für den Menschen vollkommen ungefährlich. Sollten sich die Räuber aber tatsächlich wieder ausbreiten, so muss die Bevölkerung in den betroffenen Revieren schnell aufgeklärt werden, um "möglichen Ängsten oder Vorurteilen zu begegnen", so Christian Pichler vom WWF. Denn die Rufe nach einem "Abschuss" könnten schnell laut werden, sobald die Tiere einmal ihre Zähne zeigen.

Bär zum zweiten Mal ausgestorben

Beim Bär geht es aber inzwischen gar nicht mehr um seine Wiederansiedlung, es geht um seine Rettung. In Österreich gilt er zum zweiten Mal als ausgestorben. Dabei hat es lange Zeit gut ausgesehen: 1972 ist eines der wenigen überlebenden Exemplare im Alpenraum von Slowenien nach Österreich eingewandert, 1999 wurden bereits zwölf Individuen gezählt.

Doch dann kam der Rückschlag. Mehr als 20 Bären sind im Laufe der Jahre aus völlig ungeklärter Ursache verschwunden. Der WWF vermutet, dass sie unter anderem illegal geschossen wurden. "Moritz", der letzte braune Räuber, wurde seit dem Jahr 2011 nicht mehr gesehen. "Was in Österreich bleibt sind einige Bären in Kärnten. Diese stammen aus Italien und Slowenien, besuchen gelegentlich Österreich und wandern dann wieder ab", erklärt Pichler.

Aufgeben will man den Braunbären aber auf keinen Fall. "Die Bemühungen des WWF konzentrieren sich jetzt auf Dreiländereck Österreich-Italien-Slowenien, weil es das Schlüsselgebiet für die Wiederansiedlung ist", sagt Pichler. Doch sorgt sich der WWF als Artenschutzorganisation nicht vordergründig um einzelne Tiere, sondern um den Erhalt der Art insgesamt. "Deshalb unterstützen wir das Ziel der EU Fauna-Flora-Habitatrichtlinie nach einer stabilen, sich selbst erhaltenden Bärenpopulation in den Alpen", so Pichler.

Wolf: Im 19. Jahrhundert verfolgt

Kaum ein Tier wurde in Österreich so brutal gejagt wie der Wolf. 1882 war das blutige Gemetzel vollendet, in der Steiermark erlosch das letzte Rudel der Tiere. Die Tage des wilden Urahn des Hundes waren in dem Moment gezählt gewesen, als er sich an den Haustieren der Menschen vergangen hatte. Dabei geschahen die Übergriffe damals aus schierer Not heraus: Die Wölfe fanden in den leergejagten Wäldern keine Beute mehr, immer mehr Anteile ihres Reviers wurden Raub der sich rapide ausbreitenden Landwirtschaft.

Heute steht der Rückkehr des Wolfes nach Österreich eigentlich nichts mehr im Weg. Die Schalenwildbestände haben zugenommen, der Verfolgungsdruck hat nachgelassen. In einigen nahen Ländern haben die grauen Tiere auch bereits wieder Fuß gefasst, auch wenn die Populationen bisher klein ist. Zehn bis 20 Exemplare sind es in der Schweiz, über 100 in Deutschland, 140 in Frankreich und 500 bis 800 in Italien.

Transitland Österreich

Österreich ist für die scheuen grauen Tiere bisher vor allem ein gern genutztes Durchzugsgebiet. Entsprechend haben auch die Sichtungen in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Nachgewiesen wurden 2010 sieben einzelne Individuen, 2011 waren es drei. Eine Fortpflanzung - und damit auch eine Wiederansiedlung - gab es bisher aber nicht. Für den WWF ist es jedoch nur mehr eine Frage der Zeit, bis der Wolf wieder in Österreich heimisch wird. Dementsprechend schnell sollte ein Managementplan erstellt werden, der als Leitfaden für das Miteinander von Mensch und Wolf und als Grundlage für das Handeln im Falle von Konflikten fungiert.

Der Luchs teilte das Schicksal des Wolfes. Neben seinem schlechten Ruf als "Wildschädling" machten ihm vor allem die ausufernde Waldnutzung und die damit einhergehende Reduzierung seiner natürlichen Beute ein Überleben in Mitteleuropa unmöglich. In großen Teilen Nord-, Ost- und Südosteuropas ist der Luchs aber niemals verschwunden.

Luchs hat Überlebenskampf noch nicht gewonnen

Inzwischen haben sich auch für den Luchs die Voraussetzungen zum Positiven verändert. Neben der Erholung der Huftierbestände hat es vor allem die Umsetzung von strengen Schutzbestimmungen ermöglicht, dass sich die verbleibenden Luchspopulationen stabilisieren und teilweise erholen konnten. Ab 1970 gab es außerdem verschiedene Wiederansiedlungsversuche in der Schweiz, in Slowenien, Österreich, Frankreich, Italien, Deutschland und Tschechien.

Doch auch der Luchs hat seinen Überlebenskampf in Mitteleuropa noch nicht gewonnen. Die heutigen Verbreitungsgebiete sind laut WWF noch viel zu stark zerstückelt und die Gruppen zumeist klein. "Langfristig können Luchse hier nur dann überleben, wenn es gelingt, die einzelnen Populationen zu fördern und miteinander zu verknüpfen, um den genetischen Austausch sicherzustellen", sagt Pichler. Dabei könnte Österreich durch seine zentrale Lage eine Schlüsselrolle spielen. Wenn sich hierzulande mehr Luchspaare ansiedeln würden, könnte die Vernetzung der entfernten Populationen gelingen. Platz gäbe es in Alpen jedenfalls genug. (Gerwin Haider/APA, 10.8.2012)

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...die überlegen sowieso nicht lange,es gibt sicher genug Trophäenjäger hier im Lande.

Das kann ja dann abenteuerlich werden, beim Schwammerlsuchen...

mehr infos zu luchsen im nationalpark kalkalpen: http://www.kalkalpen.at/system/we... =223335860

ich fordere leistenkrokodile fuer die alte donau!

Sorgen die dann eigentlich für einen kontrollierten Bestand an Wild, und werden dadurch Jäger überflüssig?

jäger werden nie überflüssig! wer wählt sonst die övp? ;-)

Ich hoffe,dass wir diese schießgeilen Jäger unter Kontrolle bringen, bevor sie wieder zuschlagen!

Jäger sind echt das Letzte!

Braver Toto, immer schön verallgemeinern, gell?

Da müssten bei Dir ja eigentlich die Autofahrer das Letzte sein, die bringen ja immer wieder Menschen um.

Ein echter Jäger mit Verständnis für den Wald schießt nicht auf gefährdete Tiere - das machen nur Arschlöcher.

grausliches Vorurteil!

Jetzt fehlen und nur mehr

Kojote, Hyänen, Klapperschlangen, Wasserbüffel . . .

Büffel, Hyänen und Klapperschlangen gibt es in der

politischen Arena Österreichs zuhauf!

also ich würde...

...mich riesig freuen, sollten die tiere hier tatsächlich wieder heimisch werden.

...aber wenn ich mir die postings hier so durchlese halte ich das a) für sehr unwahrscheinlich und b) für viel zu gefährlich (neiiiin, nicht für die armen menschlein). ausgesprochen armselig/traurig/bedenklich/beschämend was manche hier so abgeben! very sad :(((

Ob die Ansiedlerei wirklich so eine gute Idee ist. In den letzten hundert Jahren hat sich die Landschaft in Österreich stark verändert. Es gibt keine zusammenhängenden unberührten Waldgebiete in Ö.
Es ist praktisch fast alles bewirtschaftet, aber für die Asphaltleute fängt die Wildnis schon beim Wienerwald an.

Die Seitentäler Österreichs sind weniger stark besiedelt als vor 100 Jahren und davor.

klar ist der wald fast überall bewirtschaftet. aber das ist kein hindernis für die ansiedelung von wolf, luchs und bär. es gibt in österreich sehr wohl große zusammenhängende waldflächen. fast die hälfte des gesamten staatsgebietes ist wald.

Sie vergessen da Zäune,die gibts öfters

als Bären,Luchs und Wolf

die allermeisten waldflächen in österreich sind nicht eingezäunt.

Natürlich gibt es jede Menge Wald in Österreich, aber eben nicht unberrührt.
Würden sie im Wald arbeiten wenn dort ein Rudel Wölfe oder ein Bär lebt. Selbst in Kanada oder Alaska die fast nur aus menschenleeren Gebieten bestehen gibt es immer wieder Zwischenfälle mit Bären. Wenn das Nahrungsangebot schlecht ist ziehts die Bären immer wieder in die Dörfer. Wenn ich aber nicht im Bärengebiet leben oder arbeiten muss kann ich es leicht befürworten!

Also vor Wölfen braucht ein Waldarbeiter eher keine Angst zu haben. Eher schon vor verwilderten Hunden, aber die würden es bei Wölfen im Wald nicht lange machen.

der wald muss nicht unberührt sein, damit bären, wölfe oder luchse dort leben können. diese tiere sind auch scheu und gehen den menschen aus dem weg. selbst als es vor einigen jahren eine bärenpopulation im ötscherland gab, kam es nie zu zwischenfällen zwischen mensch und bär.

Es geht doch nichtdarum ob es möglich ist, sondern sinvoll. Wenn sie einer Bärenmutter mit Jungen in die Quere kommen schau ich mir gerne an oder sie scheu ist.
Ausserdem ist es nicht richtig dass es zu keinen Problemen mit den Bären gekommen. Wenn ein Bär ihnen zum fünften mal die Bienenstöcke ausräumt oder in einer nacht fünf Schafe reisst sehen sie alles etwas anders. Aus der Ferne sieht immer alles ganz anders aus!

Dafür gibts sehr großzügige Subventionen, die Jäger haben nur Angst davor überflüssig zu werden,

was sie eigentlich eh schon sind!

wieso? gibt es in österreich einen schafmangel?

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