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vergrößern 600x400Sängerin Malena Ernman (als geheimnisvolle und begehrte Elena) im Theater an der Wien (Premiere am 10. 8.).

2017 bei den Salzburger Osterfestspielen: Christof Loy.
Standard: Sie kommen auf vier Neuproduktionen jährlich. Bedenkt man die langen Vorlaufzeiten der Opernhäuser, könnte man meinen, Sie arbeiten planend oder probend an sehr vielen Inszenierungen gleichzeitig.
Loy: Ich will immer auf drei Produktionen kommen, aber es ist schwer - ich gehe sehr lustvoll an die Oper heran. Wenn ich probe, geht es mir besonders gut. Mit 120 Menschen zu arbeiten macht mir auch keine Sorge. Ich blühe eher auf. In der nächsten Spielzeit sind es aber nur zwei Neuheiten.
Standard: Trotz der regen, auch internationalen Tätigkeit gab es an der Wiener Staatsoper noch nichts von Ihnen zu sehen.
Loy: Ioan Holender hat mich vor zehn Jahren bezüglich Strauss' "Arabella" angesprochen. Damals war ich schon gewohnt, dass man mit mir die Besetzungen detailliert bespricht. Es war ihm aber vollkommen fremd, dass ich etwa dreimal in der Woche anrief, um zu diskutieren. Nur die berühmtesten Namen zu engagieren, macht keine gute Besetzung, meinte ich. Und diesen Satz fand er, glaube ich, ganz eigenartig. Ich habe ihm dann gesagt, dass wir das besser lassen sollten, da wir verschiedene Ideen haben, wie Oper funktionieren soll. Es geht nicht nur darum, schöne Melodien in schönen Kleidern zu singen.
Standard: Welche Phasen durchlaufen Sie bei Ihrer Arbeit, bis eine Inszenierung steht?
Loy: Ich verbringe sehr viel Zeit damit, das Stück zu lesen, zu hören. Dann kommt eine Phase, in der ich Filmmaterial suche, das mit dem Stoff oder der Atmosphäre der Oper etwas zu tun haben könnte. Es hilft manchmal, wenn man daraus quasi Figuren entlehnen kann - in dem Sinne, dass ich sie beim Proben im Kopf habe. Die Gefahr von opernhaften Klischees wird dadurch reduziert.
Standard: Wie war das bei Rossinis "La donna del lago", das in Schottland spielt?
Loy: Ich war jedenfalls nie in Schottland, finde das auch nicht so wichtig, auch Rossini war nie dort. Walter Scott zu lesen, auf dessen dramatischem Gedicht die Oper basiert, hat auch nichts geholfen. Ich habe mich aber mit dem, was man mit Schottland verbindet, zunächst wahllos auseinandergesetzt. Es waren die unmöglichsten Highlander -Verfilmungen dabei. Ziemlich am Ende des Filmstapels lag dann Lars von Triers "Breaking the Waves". Da gibt es als zentrale Frauenfigur dieses eigenartige Mädchen - und da ist sicher etwas eingeflossen in diese Version von der "Dame vom See" namens Elena.
Standard: Was hat Sie an diesem Werk interessiert?
Loy: Ich mag Belcanto-Opern. Es reizt mich, die Schwierigkeiten mit diesem vielen vokalen Zierrat zu lösen. Auch die wunderbare romantische Unlogik der Libretti ist reizvoll. Da fühle ich mich mit meinem chaotischen Gefühlshaushalt eher zu Hause, als dass ich es merkwürdig fände.
Standard: Dieser Rossini kommt aus Genf nach Wien. Wie gehen Sie mit den Raumdimensionen um? Genf ist ja viel größer.
Loy: Früher mochte ich Koproduktionen nicht. Mittlerweile denke ich, es ist so wie bei Dirigenten: Die sind froh, Werke öfters zu erarbeiten. Das Gute war, dass man wusste, es würde ans Theater an der Wien kommen. Und eigentlich ist es hier noch stimmiger als im Grand Théâtre de Genève.
Standard: Mit Raumfragen waren Sie auch bei den Salzburger Festspielen befasst. Da inszenierten Sie im Großen Festspielhaus - auch "Frau ohne Schatten".
Loy: Salzburg wünsche ich den Bau eines zusätzlichen Opernhauses - größenmäßig zwischen Haus für Mozart und Großem Festspielhaus. Das Mozarthaus hat mich nie gereizt. Man hat immer das Gefühl, der Bühnenraum würde einen einengen, und gleichzeitig ist man als Zuschauer wahnsinnig weit weg. Zum Großen Festspielhaus habe ich einen guten Zugang gefunden, aber es ist natürlich auch begrenzt. Und bei der Felsenreitschule hatte ich den Wunsch, das Dach aufzureißen, damit man den Himmel spürt.
Standard: Wie war die Strauss-Arbeit mit Dirigent Christian Thielemann?
Loy: Ich war zunächst eher vorsichtig. Beim ersten Gespräch hat er aber neugierige Fragen gestellt und nie etwas torpediert. Als er dann zu den szenischen Proben kam, fand ich das beeindruckend: Er hat ein paar Minuten geguckt, die Atmosphäre erspürt, und dann hat er sich hingestellt und mit seiner Musikalität alles getragen. Wir werden weiter zusammenarbeiten, bei den Salzburger Osterfestspielen 2017. Unsere Terminkalender sind ja recht voll.
Standard: Woran würde man Ihren Regiestil erkennen, wenn man nicht wüsste, dass es Ihre Arbeit ist?
Loy: Am ehesten daran, dass alle sehr gut miteinander spielen.
(Ljubisa Tosic, DER STANDARD, 10.8.2012)
Christof Loy, Jahrgang 1962, studierte Regie, Philosophie, Kunstgeschichte sowie Philologie und ist einer der wesentlichen Opernregisseure der Gegenwart. Die "Opernwelt" wählte ihn dreimal zum Regisseur des Jahres.
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