Schweizer fühlen sich von EU überrollt

10. August 2012, 05:30

Zuzug sorgt für rasantes Wachsen der Bevölkerungszahl - In der Schweiz leben bereits acht Millionen Menschen

Die konservativen Kräfte des Landes fordern einen Einwanderungsstopp.

 

Vielleicht ist es schon geschehen, vielleicht passiert es diese Tage, sicher aber noch in diesem Sommer: Die Schweiz kann den achtmillionsten Einwohner begrüßen. Dies hat das Schweizer Bundesamt für Statistik mitgeteilt.

Mit großer Wahrscheinlichkeit ist Einwohner Nr. 8.000.000 kein Schweizer, sondern aus der EU zugezogen. Denn das Schweizer Bevölkerungswachstum basiert laut den Bundesstatistikern zu vier Fünfteln auf Zuwanderung. Zwar steigt auch in der Schweiz die Lebenserwartung, und weil die Menschen länger leben, nimmt die Bevölkerung bei gleichbleibender Geburtenzahl automatisch leicht zu. Doch es ist vor allem der freie Personenverkehr mit der EU, der in den letzten Jahren viele Europäer in die Schweiz gelockt hat - Ärzte, Ingenieure, Uni-Professoren mitsamt ihren Assistenten, aber auch Hilfskräfte für Bau, Landwirtschaft und Krankenpflege. Allein 2011 waren es rund 50.000 Neuzuzüger. Mittlerweile leben mehr als 1,8 Millionen Ausländerinnen und Ausländer in der Schweiz.

Die Diskussion um die Grenzen des Bevölkerungswachstums in der Schweiz hat damit neuen Auftrieb erhalten. Denn im Gegensatz zu vielen europäischen Ländern, in denen die Einwohnerzahl stagniert oder minimal zunimmt (in Österreich zum Beispiel um 0,2 Prozent jährlich), wächst die Schweizer Bevölkerung seit dem Jahr 2000 um rund ein Prozent jährlich - eine Kleinstadt, die Jahr für Jahr dazukommt.

Das ist Wasser auf die Mühlen der nationalkonservativen Volkspartei SVP, die mit einer Volks initiative die "Masseneinwanderung" stoppen will. Aber auch die konservativ-ökologische Bewegung Ecopop, welche in der "Überbevölkerung" die Hauptursache aller globalen und hausgemachten Probleme sieht, sammelt derzeit Unterschriften für ein Volksbegehren, mit dem Zuwanderung massiv eingeschränkt werden soll. Künftig soll die Bevölkerung nur noch um 0,2 Prozent jährlich wachsen dürfen.

Fachkräfte und Ressourcen

Die übrigen Parteien reagieren gelassener auf die Entwicklung. Die bürgerliche Mitte und die Wirtschaftsverbände setzen weiterhin auf geordnete Zuwanderung, da sonst Unternehmen zu wenige Fachkräfte fänden. Die linken und grünen Parteien und Umweltorganisationen fordern, tatsächliche Probleme, wie etwa den zu hohen Verschleiß an Ressourcen, durch einen ökologischen Umbau der Wirtschaft zu lösen.

Die linke Wochenzeitung WOZ warnt davor, ökologische und fremdenfeindliche Anliegen zu vermischen: "Ja, die natürlichen Ressourcen sind endlich, und es braucht Nachhaltigkeit. Aber Grenzen sind gestaltbar, durch raumplanerische Verdichtung und soziale Ausweitung."

Ganz ähnlich sieht dies auch der Chefredakteur der liberal-konservativen Weltwoche, Roger Köppel. "Die Frage lautet nicht: Wie viele Menschen verkraftet die Schweiz? Die Frage lautet: Wie sollte ein globalisierter Kleinstaat, der auf Zuwanderung angewiesen ist, diese Zuwanderung organisieren?" Die Klage über das Bevölkerungswachstum sei vor allem bei denen populär, die bereits ihr schönes Haus im Grünen hätten. (Klaus Bonanomi aus Bern /DER STANDARD, 10.8.2012)

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Ich dachte wir werden immer weniger!?

Wo kommen die 0,2% oder 160.000 Menschen jedes Jahr her? Hm??

wahrscheinlich sind 50% davon steuerflüchtende Millionäre

die ihren "Lebensmittelpunkt" sprich Steuermittelpunkt in die Schweiz verlegt haben.

wie war der alte witz vom qualtinger noch?

was ist der unterschied zwischen dem wiener zentralfriedhof und der schweiz? die schweiz ist zwar doppelt so groß, aber nur halb so unterhaltsam.
stimmt bis heute...

jeden miesen witz muss man nicht unbedingt weiter erzählen

das sieht man nur als schweizer so wie Sie

;o) kopf hoch, beleidigte leberwurscht...

bin weder beleidigt noch schweizer.

fehleinschätzungen und schlechten humor ...ja, genau kopf hoch wenns geht.

Der Witz ist aber gut.

ich lebe in der schweiz ... und der witz könnte von einem schweizer sein.

Vor dem EU-Beitritt

haben uns die Politiker geweissagt, die Schweiz fürde mit wehenden Fahnen untergehen....

Jetzt kommen viele Bürger drauf, dass es sich dort wohl doch besser lebt. Ohne EU. Da sieht man, was die Prognosen wert waren ;-)

Die Schweizer leben ja nicht ohne EU.

Sie leben v o n der EU - nach dem Motto "Wasch mir den Pelz und mach nich nicht naß". Ach, fast hätte ich es vergessen: Jeder auch noch so kleine Maxi von der Straße in der Schweiz profitiert indirekt davon, daß die Diktatoren, Kriminellen und Steuerbetrüger des Planeten dort unter Verzicht auf Verzinsung ihr Schwarz- bzw. Blutgeld parken. Ganz schön scheinheilig, die Schweiz, irgendwie, oder?

Heute-Leser !

die schwarzgeld resp antigeldwäschebestimmgungen sind inder schweiz wesentlich strenger als in der EU.

Beim sperren der Diktatorengelder (siehe arabischer frühling) ist der schweizer bundesrat immer ca. 2 Wochen vor der österr. bundesregierung gewesen.

Gelder haben sie da wie dort versteckt.

Aber es lebt sich leicht mit den Klischees. Anstatt zu schauen, was die Schweiz gut macht schiebt man ein billiges Argument in den vordergrund.

Sorry, aber mit dem Geld aus halb Europa kann ich auch alles gut und besser machen...

Die Schweizer zahlen aber auch in die EU ein.

Naja die Schweiz überweist immer wieder Millionen in die EU (Kohäsionsmilliarde etc..) ohne etwas mitbestimmen zu dürfen und sammelt brav Steuern für andere Staaten ein...

Klar wollen alle Deutsche in die Schweiz, weil in Deutschland keine anständigen Gehälter mehr gibt. Im Gegenzug will die deutsche Regierung jetzt junge Spanier anwerben, nachdem bereits alle Billig-Polen und andere ins Lang geholt wurden.

Die Schweiz wird von den Deutschen regelrecht vereinnahmt. Bereits jetzt sind viele der Manager Jobs an Bundesbürger vergeben, die sich dort in gewohnt deutscher Ekel Manier unbeliebt machen.

So wie eine große schweizer Tageszeitung titelte: "Die Deutschen - Vom Störfaktor zum Hassobjekt".

werden halt besser sein als die Einheimischen.

Hätten ja sonst nicht diese Jobs als Manager Schweizer Firmen.

Nicht besser, skrupelloser.
Heute heist das auch gerne professioneller! ;)

eher billiger ...

also nicht günstiger, sondern wirklich billiger!

Richtig, haben zu Hause 40 Jahre lang die Wirtschaftsmafia gewählt, und wundern sich nun daß sie für ihre Arbeit nichts kriegen. Als Dank machen sie nun die letzten Länder platt, in denen das noch so halbwegs funktionierte.

Sagt einer aus dem Land von Ackermann

Ihr seit wirklich tolle Herrenmenschen

Ackermann ist Schweizer!

Richtig.

Und was bedeutet das jetzt für Ihre Aussage von den Deutschen Managern, die besser als die Schweizer Manager sind (12.08., 13:16, direkt oben)?

Es bedeutet, dass er wohl geeigneter war für den Job

als deutsche Konkurrenten und dass die Frage seines Passes für die Deutsche Bank belanglos ist.

Sein Nachfolger ist übrigens Inder.

Nennen wir doch das Kind beim Namen

Die Schweiz wird von Wirtschaftsflüchtlingen überrollt.

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