"Sie haben ihn mit einem Handstreich vernichtet"

  • Ernst Trummer ein politisches Opfer?
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    Ernst Trummer ein politisches Opfer?

Anwalt des vom Land geschassten Planai-Chefs klagt Politik an - Gerüchte um ÖSV-Boss Schröcksnadel

Graz/Wien/Schladming - "Eine Groteske, ich bin erschüttert", sagt der Wiener Rechtsanwalt und Arbeitsrechtsexperte Roland Gerlach. So etwas wie das, was gegenwärtig in der steirischen Landespolitik rund um den geschassten Geschäftsführer der Schladminger Planai-Bahnen, Ernst Trummer, der die Ski-WM 2013 ausrichtet, ablaufe, habe er selten erlebt.

Gerlach - er vertritt neben Trummer unter anderem auch den Bord-Betriebsrat bei den Auseinandersetzungen mit dem AUA-Management - geht davon aus, dass der Planai-Manager aus "politischen Gründen" entfernt worden sei, denn rechtlich gebe es "überhaupt keinen Grund". Trummer wird von VP-Landeshauptmann-Vize Hermann Schützenhöfer vorgeworfen, er habe ohne die "Generalversammlung" der Planai-Bahnen, die mehrheitlich in Landesbesitz stehen - also ohne ihn als Eigentümervertreter zu kontaktieren -, seinen Dienstvertrag vom Aufsichtsrat abändern lassen.

In diesem von der Gerlach-Kanzlei aufgesetzten Vertrag ist ein Mehrverdienst für die zusätzliche Tätigkeit als Geschäftsführer des laufenden Falkensteiner-Hotelprojekts in Schladming, an dem die Planai-Bahnen beteiligt sind, festgeschrieben. Der Aufsichtsrat, hätte dies nicht genehmigen dürfen, argumentierte Schützenhöfer, der in einer hastig einberufenen Pressekonferenz die sofortige Abberufung Trummers verkündet hatte. Es sei quasi Gefahr in Verzug. Schützenhöfers Begründung für den Rauswurf sei juridisch ein "völliger Nonsens". Gerlach: "Das lernt man im ersten Proseminar beim GmbH-Gesetz, dass der Aufsichtsrat für Verträge zuständig ist." Das werde man wohl auch beim Land Steiermark wissen, also müsse etwas anderes dahinterstecken.

Davon ist auch in Schladming seit Tagen die Rede: dass nämlich Trummer einer größeren "Schladming-Lösung" im Wege gestanden sei. Das Gerücht macht die Runde, ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel wolle über eine seiner Firmen im obersteirischen WM-Skiort groß einsteigen und nach der Ski-WM 2013 die Planai-Bahnen kaufen. Und er habe dafür bereits eine Zusage der steirischen Landesregierung. Landeshauptmann-Vize Schützenhöfer ließ am Donnerstag lediglich ausrichten: "Alles, was zum Thema Schladming zu sagen ist, wurde gesagt." Schröcksnadel war zu den kursierenden Gerüchten nicht erreichbar.

Verbrieft ist jedenfalls, auch wenn dies Schröcksnadel stets dementieren lässt, dass sich der junge Manager Trummer mehrmals mit dem mächtigen ÖSV-Boss, der die WM nach Schladming gebracht hat, angelegt hat.

Anwalt Gerlach meint, es sei durchaus nachvollziehbar, wenn es übergeordnete politische Interessen, etwa eine Privatisierung, gebe, es sei aber inakzeptabel, "derart brutal gegen einen Manager vorzugehen. Sie haben ihn mit einem Handstreich vernichtet."

Als "besonderes Schmankerl dieser Farce" verbucht Gerlach den Umstand, dass Trummer von Schützenhöfer nun bekniet werde, die Geschäftsführung der Hotelerrichtungsgesellschaft - also beim Casus Belli - weiterzumachen. Gerlach: "Wie gesagt, eine Groteske." Die, wenn sich Trummer und das Land nicht auf eine gütliche Lösung einigen, in einem teuren Prozess enden wird. (Walter Müller, DER STANDARD 10.8.2012)

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