Naive Zahlenkünstlerin findet ihren Meister

  • Auch in den Casinos von Las Vegas hält die Bank das große Geld gut verwahrt: Rebecca Hall blickt als Neuling Beth in "Lady Vegas" sehnsüchtig durchs Gitter.
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    Auch in den Casinos von Las Vegas hält die Bank das große Geld gut verwahrt: Rebecca Hall blickt als Neuling Beth in "Lady Vegas" sehnsüchtig durchs Gitter.

Der Brite Stephen Frears hat mit "Lady Vegas" eine US-Gaunerkomödie gedreht

Wien - Wenn man sich beruflich am Ende wähnt, dann hilft mitunter eine gründliche Neuorientierung. Beth (Rebecca Hall), die ihren Lebensunterhalt mehr schlecht als recht als "private dancer" bestreitet - also einsamen Herren daheim etwas vortanzt und dabei weitgehend auf Oberbekleidung verzichtet -, hat einen entsprechenden Geistesblitz: Cocktailkellnerin in Las Vegas, das ist die nächste Karrierestation.

In Nevada angekommen, stellt sich heraus, dass dieser Berufswunsch nicht jeder Quereinsteigerin erfüllt werden kann. Mit großen Kulleraugen und Hotpants erreicht Beth dafür ein anderes Ziel. Der Gentleman-Buchmacher Dink (Bruce Willis) erkennt umstandslos ihre Qualifikation für Zahlen und Geld. Beth wird in die Welt der Wetten eingeführt. Die Geschäfte gehen gut. Dann aber begeht Beth aus unerfindlichen Gründen den Fehler, sich in den verheirateten Dink zu verlieben. Nicht nur Gattin Tulip (Catherine Zeta-Jones) reagiert darauf empfindlich.

Stephen Frears' jüngster Streich "Lady Vegas" orientiert sich an den boulevardesken Gaunerkomödien vergangener Jahrzehnte: als die weiblichen Mitwirkenden noch für die Schauwerte und ihre männlichen Kollegen für die Tatkraft zuständig waren. Pappkameraden allesamt, aber charmant, selbst dem größten Betrüger kann man auch in "Lady Vegas" nicht wirklich böse sein. Außerdem hat Stephen Frears jede Menge einprägsamer Charakterköpfe rekrutiert - dafür muss sich Rebecca Hall als sexy Naive weit unter Wert schlagen.

Leider fehlt dem Ganzen außerdem ein wirklich zwingender Zusammenhang. Die magische Anziehung zwischen Beth und Dink ist nicht nachvollziehbar. Der Fortgang der Erzählung zwischen Vegas, New York und Curaçao bringt höchstens fahrige Hektik ins Geschehen. Immerhin: Bruce Willis' lässige weiße Kniestrümpfe - von denen es leider kein Pressefoto gibt - hinterlassen einen bleibenden Eindruck.  (Isabella Reicher, DER STANDARD, 10.8.2012)

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