Athen schickt 40.000 Staatsbedienstete heim

Samaras will glaubwürdig sein. Zudem hat er den Chef einer Staatsfirma entlassen, der die Löhne nicht senken wollte

Athen - Die griechische Regierung will bis zu 40.000 Stellen im öffentlichen Dienst streichen. Das sagten mehrere Regierungsvertreter am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Auch Zehntausende Zeitarbeiter sollen gehen. "Durch diese Maßnahme wird es keine drastischen und raschen Einsparungen geben, aber es wird die Glaubwürdigkeit in all unsere Reformanstrengungen stärken", sagte ein Regierungsvertreter. Griechenland setzt darauf, dass die internationalen Geldgeber dem Land dringend benötigte neue Hilfen gewähren.

Die sozialistische Vorgängerregierung hatte vergangenes Jahr geplant, schrittweise 30.000 der 700.000 Staatsbediensteten loszuwerden. Sie sollten ein Jahr lang 40 Prozent ihres Gehaltes weiter beziehen und danach entlassen werden. Tatsächlich gingen aber nur 6.500, vorwiegend in den Ruhestand. "Der Plan wird diesmal umgesetzt", sagte ein zweiter Regierungsvertreter. "Das letzte Mal ist das nicht passiert."

Samaras macht Ernst

Dass es Samaras wirklich Ernst meint, zeigt das Beispiel Larco Nickel. Der Chef der Staatsfirma, einer der größten Nickelfabriken Europas, weigerte sich die Löhne seiner Mitarbeiter auf das Niveau anderer Staatsbediensteter abzusenken. Daher wurde Anastasios Barakos am Donnerstag entlassen, teilte das Finanzministerium mit. Das soll bei allen Staatsbetrieben passieren, die Gehälter werden rückwirkend zum Jahresbeginn angepasst.

Geldnot

Für Löhne, Vorsorgeleistungen und Pensionen wendet der Staat etwa zwei Drittel seiner Ausgaben von 82 Milliarden Euro im Jahr auf, Zinszahlungen nicht mitgerechnet. Er muss 11,5 Milliarden Euro sparen. Andernfalls könnten die internationalen Geldgeber keine Hilfen mehr überwiesen. Und über genau diese Hilfen werden die Finanzminister der Eurozone nach derzeitigem Zeitplan wohl am 8. Oktober beraten. Das bestätigte ein EU-Diplomat am Donnerstag in Brüssel. Zuvor hatte das "Wall Street Journal" über den Termin berichtet. Die Auszahlung der nächsten Tranche in Höhe von 31,2 Milliarden Euro war ursprünglich für den August vorgesehen. (APA, 9.8.2012)

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