Recycling als Knackpunkt

Im Automobilbau wird nur wenig Recycling-Alu verwendet und ein großer Teil der Autos endet in einigen der ärmsten Ländern der Welt

Lebenszyklus-Energiebilanzen werden wesentlich davon beeinflusst, was mit einem Produkt am Ende passiert. So kann man Aluminium als extrem umweltfreundlich darstellen, wenn ein hoher Anteil an Recyclingmaterial verwendet wird. So ist für die Herstellung von einem Kilogramm frischem Alu ein Energieaufwand von 195 Megajoule erforderlich, während man fürs Recycling nur 24 Megajoule benötigt.

Zum Vergleich Stahl: 29 MJ frisch, 9 MJ Recycling. Setzt man also überwiegend Recycling-Alu in die Bilanz ein, so erscheint Aluminium sogar umweltfreundlicher als Stahl.

Die Realität ist aber, dass im Automobilbau nur wenig Recycling-Alu verwendet wird, weil entsprechend definierte Qualitäten an Recycling-Alu in erforderlichen Mengen am Weltmarkt gar nicht verfügbar sind. Immer noch unternimmt ein großer Teil der Autos im Lauf ihres Lebens eine lange Reise in die ärmsten Länder der Welt und kehrt von dort nie mehr zurück.

Aus mehreren Gründen wird sich diese Tendenz abschwächen. Allein aufgrund ständig steigender Rohstoffpreise wird das Recycling eine rapid zunehmende Bedeutung bekommen.

Das ist auch notwendig, weil viele der künftig verwendeten Werkstoffe nur bei streng geordnetem Recycling ökologisch verantwortbar sind. Das gilt für die gesamte Autoindustrie, inklusive Herstellungsprozess, aber ganz besonders für die Elektromobilität, die sich ohne Wiederverwertung zu einem ökologischen Katastrophenszenario entwickeln würde. Der Markt wird da vieles regeln, aber sicher nicht alles. (Rudolf Skarics, AutoMobil, DER STANDARD, 10.8.2012)

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