Recycling als Knackpunkt

Rudolf Skarics
9. August 2012, 17:15
  • Recycling ist dank steigender Rohstoffpreise ein gutes Geschäft.
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    Recycling ist dank steigender Rohstoffpreise ein gutes Geschäft.

Im Automobilbau wird nur wenig Recycling-Alu verwendet und ein großer Teil der Autos endet in einigen der ärmsten Ländern der Welt

Lebenszyklus-Energiebilanzen werden wesentlich davon beeinflusst, was mit einem Produkt am Ende passiert. So kann man Aluminium als extrem umweltfreundlich darstellen, wenn ein hoher Anteil an Recyclingmaterial verwendet wird. So ist für die Herstellung von einem Kilogramm frischem Alu ein Energieaufwand von 195 Megajoule erforderlich, während man fürs Recycling nur 24 Megajoule benötigt.

Zum Vergleich Stahl: 29 MJ frisch, 9 MJ Recycling. Setzt man also überwiegend Recycling-Alu in die Bilanz ein, so erscheint Aluminium sogar umweltfreundlicher als Stahl.

Die Realität ist aber, dass im Automobilbau nur wenig Recycling-Alu verwendet wird, weil entsprechend definierte Qualitäten an Recycling-Alu in erforderlichen Mengen am Weltmarkt gar nicht verfügbar sind. Immer noch unternimmt ein großer Teil der Autos im Lauf ihres Lebens eine lange Reise in die ärmsten Länder der Welt und kehrt von dort nie mehr zurück.

Aus mehreren Gründen wird sich diese Tendenz abschwächen. Allein aufgrund ständig steigender Rohstoffpreise wird das Recycling eine rapid zunehmende Bedeutung bekommen.

Das ist auch notwendig, weil viele der künftig verwendeten Werkstoffe nur bei streng geordnetem Recycling ökologisch verantwortbar sind. Das gilt für die gesamte Autoindustrie, inklusive Herstellungsprozess, aber ganz besonders für die Elektromobilität, die sich ohne Wiederverwertung zu einem ökologischen Katastrophenszenario entwickeln würde. Der Markt wird da vieles regeln, aber sicher nicht alles. (Rudolf Skarics, AutoMobil, DER STANDARD, 10.8.2012)

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12 Postings
Alu ist meist trotzdem Umweltfreundlicher

gerade bei Autos, wenn die Karosserie 1/4 weniger wiegt spart viel Treibstoff beim beschleunigen. soviel kann die Aluproduktion gar nicht verschlingen.

sie haben anscheinend keine ahnung was alu

in der produktion kostet bzw. an stromkosten verursacht! das egalisiert ihren vorteil im betrieb in null komma garnichts. der ökologische fussabdruck von alu fahrzeugen ist jedenfalls beachtlich. vor allem in der herstellung.

Was am empörendesten ist:

ALLE, wirklich ALLE, Rechnungen erbegen, daß ein möglichst langes Leben des einzelnen Autos gegenüber der Neuanschaffung eines energiepsarenden Modells BEI WEITEM die gesamtenergiebedarfsgünstigere Variante ist.
Regelungen wie die geplante, jedoch per Volksentscheid erfreulicherweise gekippte in Graz, die darauf hinausläuft, daß eine Menge Leute ihre an sich tadellosen Autos hätten verkaufen müssen, um neue anzuschaffen, die der haha "Umweltzone" adäquat wären, sind in Wirklichkeit UMWELTFEINDLICH!!

Die "umweltfreundlichen" Modelle

brauchen kaum einen halben liter weniger, als ein etwas älteres Modell.

2001 in Madagaskar:

Buckel-Peugeots (203) und 403 (ovaler Kühler) als Standardgefährte, vor allem Taxis, einige wenige 404er, fast keine 504. Viele Antn (vor allem Wellblech, also vor 1970 ca.), und als Glanzstück ein schwerer (so ca. 2.5 - 3 l-)Sechszylinder-Hotchkiss als pickup einer Baufirma, dürfte von ca. 1937 gestammt haben.
Die LKWs überwiegend Mercedes Hauber, Mitte 1960er

Alu vs. Stahl?

Wenn die Rechnung stimmt, brauch man zwar für Recycling-Alu nur 12% der Energie für neues Alu und damit prozentuell deutlich weniger als für Recycling-Stahl gegenüber neuem Stahl (30%).
24MJ sind aber immer noch das ~2,5-fache von 9MJ, wo ist da die Aluminiumproduktion energietechnisch besser als die Stahlproduktion?

Bedenken Sie, dass man mit 1kg ALU etwa 4 mal mehr Auto als mit 1 kg Stahl bauen kann.

so ein blödsinn. man kann etwa 11% Gewicht einsparen mit alu. Das war es aber auch. Ob insgesamt gesehen alu oder stahl besser ist, hängt vor allem von Stromenergiemix, kilometerleistung und autoklasse ab.

diese disziplin nennt sich Schönrechnen...

Alu (Recycling) vs. Stahl (neu): 29:24 MJ...

Alte Birnen sind billiger als frische Äpfel - so kann man es natürlich auch sehen.

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