id Software: "Würden lieber nur für den PC entwickeln"

9. August 2012, 14:06
  • id hat vieles aus der Veröffentlichung von "Rage" gelernt.
    foto: bethesda softworks

    id hat vieles aus der Veröffentlichung von "Rage" gelernt.

Kreativ-Chef Tim Willits übt Kritik an Firmenchef John Carmack

Tim Willits, Chef der Kreativabteilung von id Software, hat sich in einem Interview mit Penny Arcade zum Thema "PC vs. Konsolen" geäußert. Das Unternehmen würde am Liebsten "für immer PC-Spiele" produzieren, jedoch wäre das finanziell nicht möglich.

"PC only" lohnt sich nicht

"Wir würden PC-Spiele machen und in den Sonnenuntergang reiten, aber wir können nicht. Wenn man kein abonnement-basiertes Produkt hat, wäre es enorm schwer einen Toptitel zu machen, den es nur am Computer gibt", so der Entwickler. Er verweist auf die Einnahmen durch den im letzten Herbst veröffentlichten Titel "Rage". "Weniger als die Hälfte der Verkäufe waren PC-Versionen, den Großteil machten Xbox 360 und die PlayStation 3."

Mit der Übernahme durch Bethesda hat id Software laut Willits an Eigenständigkeit verloren. "Wir haben nicht mehr die Freiheit wie einst, der Markt spielt nicht mehr nach unseren Regeln." Ein Zustand, den er indirekt Firmengründer John Carmack ankreidet, der sich weiterhin dem geschäftsüblichen Prozedere verschließt.

Carmack als brillanter Realitätsverweigerer

Statt mit einer Technologie eine Reihe von Spielen zu entwickeln, ist Carmack ständig bemüht, neue Paradigmen durchzusetzen, was Zeit raubt. "Wir hätten Doom 3 auf Basis von Quake 3 und dann Doom 4 mit einer modifizierten Version machen können. Uund damit dann Rage 1 und dann Rage 2 mit id Tech 5. Wir könnten in der gleichen Zeit drei weitere Spiele veröffentlicht haben. So wie das alle anderen auch machen."

Das muss sich seiner Meinung nach künftig ändern. "Während das Team wächst und man alles abdecken muss, erwarten die Spieler immer mehr. Wir können nicht bei jedem neuen Spiel die alte Engine entsorgen, wie wir es in der Vergangenheit gemacht haben."

Trotz allem hat er über den Umgang mit Carmack, mit dem er mittlerweile seit 18 Jahren zusammenarbeitet, nur Gutes zu sagen. "Ihn um sich zu haben ist großartig. Er ist ein Visionär, er ist brillant und offen. Jeder kann mit ihm reden, er antwortet auf E-Mails, also darf ich mich sehr glücklich schätzen."

Weiter Schweigen zu Doom 4

Dass sich id nach wie vor kaum zur Entwicklung von "Doom 4" äußert, liegt an den Erfahrungen mit "Rage". "Was wir bei der Arbeit mit EA und Bethesda als Publisher gelernt haben ist, dass wir viel zu früh Sachen aus Rage hergezeigt haben", so Willits. "Ich war besorgt, dass die Leute die autobasierten Kämpfe nicht verstehen würden, also habe ich früh darüber geredet. Doch dass hat die Erwartungen so verzerrt, dass wir dem immer nachlaufen mussten." Künftig will man erst an die Öffentlichkeit treten, wenn es genug zu Zeigen gibt.

Immerhin eines gab er augenzwinkernd zum vierten Teil der legendären Egoshooter-Reihe preis: "Es wird Dämonen und Shotguns geben." (gpi, derStandard.at, 09.08.2012)

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19 Postings
Das Problem ist einfach, dass so ab WoW alle kollektiv durchgedreht haben.

Entwicklungskosten für ein Computerspiel in Höhe von Budgets für einen Kinofilm?

Kein Spieler braucht ein verblödetes Grafikfeuerwerk, dass er aus Performancegründen sowieso auf Minimum stellt. Die Spiele, die mich bisher am meisten fasziniert haben, sind mit unter 100 MB auf der Festplatte ausgekommen - Ausnahme Baldur's Gate, aber das war auch nicht so teuer.

geht mir ähnlich. Wenn Gameplay und Story auf der Strecke bleiben, dann hilft die beste Grafik nix. Ist wie bei einem Michael Bay Film ... einfach eine Demo der Grafik-Möglichkeiten zieht mich nicht ins Kino.

beim PC gibt es für Spiele weitaus mehr Raubkopien als für die Konsole, daher lohnen sich die teureren Konolenspiele oftmal mehr.

Und Konsolenspiele werden nicht gecrackt?

(Ich spiele schon lange nicht mehr, war C-64 Early Adopter.)

Das hat er ja nicht geschrieben. Er schrieb, dass PC Spiel öfter als Konsolenspiele gecrackt werden.

Wie kommt der Mann auf die Idee

dass sich PC-Only nicht rentiert?

Ich mein, ja mir is bewusst, dass Blizzard (als beispiel) auch Abo-Spiele hat, aber alle anderen sind einmal kaufen und dann zocken?

Und Blizzard hat bis vor WoW auch gut gelebt. Andere Firmen schaffen es glaub ich auch, auch wenn mir gerade keine einfällt

Bis vor WoW hatten anderen Firmen auch gut von PC-Only-Spielen gelebt. Ab da fand aber circa der Umbruch Richtung Konsolen statt.

Nischen-Games gibt es immer noch sehr gute auf PC-only. Die ganz großen Kracher, sind nur auf dem PC aber nicht mehr zu finanzieren. Ob man es mag oder nicht, sein dahingestellt - es IST auf alle Fälle so.

Und Blizzard hat bis vor WoW auch gut gelebt.

Blizzard hatte mit Warcraft, Diablo und StarCraft für unterschiedliche "Suchtprogramme" gesorgt.

Anfang der 90er Jahre waren die Betriebe auch noch nicht so sehr den Aktionären hörig ;-)

Id wurde von Zenimax gekauft. Niemand anderes wurde da übernommen - es war vorher allein im freien Spiel der Kräfte. Gehört also heute gewissermaßen Bethesda, und die Zusammenarbeit wird deshalb auch eine andere sein als mit Electronic Arts (früher), wo "Rage" zuerst hätte erscheinen sollen http://www.golem.de/0807/61052.html
Gerade wo immer soviel über "Indie" geredet wird würde ich mir diesbezüglich eine genauere Berichterstattung erwarten.
Das Verhältnis zwischen Zenimax und Id würde ich jedoch eher so beschreiben wie das zwischen Electronic Arts und Maxis, soll heißen Id Software wird als Traditionsmarke weiterhin relativ unabhängig sein.

Carmack ist ein Relikt aus (besseren?) alten Tagen. Anstatt sich so gegen Konsolen zu wehren, sollte er lieber seine Brillianz auf PS3/360 übertragen. Wenn ich daran denke was Naughty Dog mit der Uncharted Engine jahrelang auf der PS3 gezaubert haben und jetzt immer noch einen drauf legen können (The Last of Us) frage ich mich schon ob es sich lohnt von iD Tech x nicht einfach einige Jahre zu behalten und weiter zu entwickeln. Als Spieler kann mir die Technik dahinter egal sein, wenn aber der Inhalt nicht passt nützt die beste Engine nichts.

liegt vielleicht daran das Rage absoluter MÜLL war?!
ich habs leider gekauft für PC...

Für mich war Rage der beste Shooter der letzten 5 Jahre.
Aber das liegt wohl auch daran, dass alle anderen 3D Games auf meiner Kiste nicht liefen bzw. nur Diashow lieferten.
Rage hingegen lief butterweich und das ist genau die Stärke an IDTech5.

Vielleicht werden das deine Grünstrichler auch mal zu schätzen wissen wenn sie mal nicht mehr alle 2 Jahre um x-hundert Euros neue Hardware kaufen wollen.

Schön, dass es butterweich lief. Das machte das Spiel aber auch nicht viel besser, da es in sich einfach langweilig war. Ich will ja keine Technik-Demo sondern ein Spiel. Das war immer schon das Problem von id.

Das lustige is ja das es mir nicht mal um die Grafik gesetzt sondern es war einfach nur fad.. gameplay war langwellig und story nicht sehr dünn..

Nachdem die Treiber dafür draußen warn fand ichs eigentlich ziemlich fein ;)
bissl leicht halt..

Und Carmack hat in der Quakecon-Keynote vor dem Release vom Rage stolz erzählt, dass sie sehr eng mit den Graka-Herstellern zusammenarbeiten würden.
Pfuh, war ein schöner Griff ins Klo.

die aufpoppenden texturen bei der ps3-version waren echt ein graus... und der komische boomerang, zwar eine supergeile waffe im spiel, aber absolut "overpowered"

Overpowered? Also vielleicht haben die das in der PC Version geändert, oder nachträglich gepatcht (ich hab das Spiel erst relativ spät gekauft) aber mit der Anzahl die man davon zur Verfügung hat bin ich immer sehr sparsam damit umgegangen.

konnte man sich doch eh einfach selber zusammenbauen immer und es gibt ja auch noch den verbesserten, der mehrere gegner trifft + er kommt oft zurück auch wieder

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