"Proletarischer Einkauf" mit Andalusiens Gewerkschaft

Ansichtssache

Eigentlich stammt die "Spesa proletaria collettiva" aus Italien. Linke Aktivisten organisierten dort in den 70er Jahren Plünderungen in Kaufhäusern, um die Beute dann unter Bedürftigen zu verteilen.

Andalusiens Gewerkschaft SAT hat diese Tradition wieder aufgenommen: am Mittwoch stürmten etwa 200 Arbeiterverteter zwei Supermärkte in Écija und Arcos de la Frontera, luden insgesamt 29 Einkaufswagen voll Lebensmittel und Hygieneartikel und drängen an den Kassen vorbei ins Freie.

Lebensmittelbank winkt ab

Die SAT-Aktivisten kündigten an, die erbeuteten Waren Hilfsorganisationen zur Verfügung zu stellen zu wollen, die diese an Bedürftige verteilen sollten. Javier Peña von der spanischen Lebensmittelbank, die die Ausgabe nicht mehr benötigter Nahrungsmittel organisiert, winkte allerdings umgehend ab: seine Organisation wolle nichts mit Diebsgut zu tun haben.

Zwei an der Supermarkt-Erstürmung Beteiligten wurden mittlerweile festgenommen, Gewerkschaftssprecher und Abgeordneter Juan Manuel Sánchez Gordillo, der die Aktion anführte, ist zwar durch seine parlamentarische Immunität geschützt, soll aber demnächst einvernommen werden. Gordillo selbst, dessen Name am Donnerstag bei spanischen Twitter-Usern trending topic Nummer 1 war, kündigte indes weitere "Enteignungen" an. (bed, derStandard.at, 9.8.2012)

Dieses Bild darf aus Gründen von Copyrightbestimmungen nicht im Archiv angezeigt werden.
foto: epa/manuel rodriguez

SAT-Gewerkschafter füllen ihre Einkaufswagen. Bei einer Online-Umfrage der spanischen Zeitung "El Mundo" erklärten 53 Prozent der Teilnehmer, sie hielten die Aktion für gerechtfertigt.

Share if you care