Erste kauft BNP Privat-Banking ab

  • Erste-Chef Andreas Treichl hat zugelangt.
    foto: apa/hochmuth

    Erste-Chef Andreas Treichl hat zugelangt.

Wien/Budapest - Die börsenotierte Erste Group hat in Ungarn trotz des schwierigen Bankenmarktes und hoher Verluste in dem Land mit einem Zukauf überrascht: Sie erwirbt von der französischen Großbank BNP Paribas deren Private-Banking-Sparte in Ungarn mit rund 400 Kunden und einem verwalteten Vermögen von 60 Mrd. Forint (216 Mio. Euro). Zum Kaufpreis gab es zunächst keine Angaben. Mit der Akquisition steige der Marktanteil der Erste Bank in Ungarn von 9 auf 12 Prozent, teilte die Erste Group am Donnerstag in einer Aussendung mit. Der Deal muss noch von den ungarischen Behörden genehmigt werden.

Bisher hatte die Erste Bank Ungarn in der Vermögensverwaltungssparte über 1.800 Kunden. Dort verwaltete sie ein Vermögen von 150 Mrd. Forint. Die gesamte Erste Group managt ein Vermögen von 13,5 Mrd. Euro für mehr als 12.000 Klienten in sechs Ländern - neben Ungarn auch in Österreich, Tschechien, der Slowakei, Rumänien und Kroatien.

Zuletzt wenig Freude

Im Bankenmarkt Ungarn hatte die Erste Group allerdings zuletzt wenig Freude: 2011 gab es dort einen Rekordverlust von 567 Mio. Euro, die Bank musste bei ihrer ungarischen Tochter im letzten Jahr den ganzen Firmenwert abschreiben. Im Halbjahr 2012 gab es in der Ungarn-Tochter nochmals 72,7 Mio. Euro Verlust. Wie den anderen Banken auch setzen den Erste-Bankern in dem Land die Folgen der Fremdwährungskredit-Konvertierung zu. 2012 und 2013 werden von der Tochterbank keine Gewinne erwartet.

In den letzten Jahren geriet der ungarische Banksektor ins Visier der Regierung Viktor Orbans, der sich auf seine Fahnen schrieb, die "Ära der Banker" zu beenden. Mit einer befristet eingeführten Bankenabgabe und Zwangskonvertierung von Fremdwährungskrediten belastete er die in Ungarn tätigen Banken massiv, sodass zahlreiche Geldinstitute wie die Erste Bank und die Raiffeisen rote Zahlen schrieben. Im Juli 2012 beschloss das Parlament eine neue Finanztransaktionssteuer.

Die Erste-Konzernführung in Wien hat wiederholt beteuert, nicht an einen Abzug aus Ungarn zu denken. Mit dem Zukauf heute wurden Zweifel daran wieder ausgeräumt. Der Erste-Chef in Ungarn, Radovan Jelasity, erwartet das Closing des Deals für November, sagte er auf einer Pressekonferenz in Budapest laut der ungarischen Nachrichtenagentur MTI.  (APA, 9.8.2012)

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