Einsatzkräfte: Keine Alternative zur Rettungsgasse

9. August 2012, 13:21
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Nach wachsender Kritik an mangelhafter Durchführung stellen sich die Einsatzorganisationen hinter die Rettungsgasse

Eine in österreichischen Medien aufgeflammte Diskussion um die sogenannte Rettungsgasse im Straßenverkehr stieß am Donnerstag bei den größten österreichischen Einsatzorganisationen und bei für die Sicherheit im Autoverkehr Verantwortlichen auf Erstaunen. Sprecher der Blaulichtorganisationen erklärten unisono, dass die seit Anfang des Jahres geltende Regelung ohne Alternative sei.

Man stehe voll und ganz hinter der Regelung, sagten Sprecher des Roten Kreuzes und des Arbeiter-Samariter-Bundes. Beim Kuratorium für Verkehrssicherheit äußerte sich ein Sprecher ganz ähnlich: "Wir haben von Anfang an gesagt, dass das natürlich Zeit braucht. Man muss die Evaluierungsphase abwarten. Die ist im Laufen." Alle Befragten wiesen darauf hin, dass es immer auch negative Einzelerfahrungen geben werde.

Reaktion auf wachsende Kritik

Zuvor waren Stimmen innerhalb der Organisationen laut geworden, die eine Abschaffung der Rettungsgasse forderten. So sagte etwa der Leiter der Sanitätsstaffel des Österreichischen Rettungsdienstes, Hermann Dominik, zum "Kurier": "Wir sind seit 27 Jahren einsatzmäßig im Staubereich unterwegs. Es gab keinerlei Notwendigkeit für die Rettungsgasse. Sie wird auch niemals funktionieren".

Auch Dietmar Fahrafellner, Kommandant der St. Pöltner Feuerwehr, teilt diese Einschätzung: "Es gibt jetzt weitaus längere Anfahrtszeiten als vorher", so Fahrafellner. Vor allem bei drei Spuren gebe es enorme Probleme, bei zwei Drittel der Einsätze funktioniere die Rettungsgasse nicht. Unter den Einsatzfahrern wachse die Kritik an der schlecht funktionierenden Regelung.

Tatsächlich häufen sich die Meldungen über Probleme. "Wir strafen derzeit sehr viel, aber die Rettungsgasse funktioniert noch immer wenig bis gar nicht", sagte Oberst Josef Binder von der Wiener Verkehrspolizei zum "Kurier". Auf den Stadtautobahnen seien derzeit vor allem Zivilstreifenmotorräder zur Kontrolle im Einsatz.

Verkehrsministerium: Bisher nur "positives Feedback"

Im Büro von Verkehrsministerin Doris Bures (SPÖ) hieß es, man müsse sich "die Vorfälle genauer anschauen, eine wissenschaftliche Evaluierung wird demnächst durchgeführt". Von den Blaulichtorganisationen habe es bei einem Treffen im Juni nur "positives Feedback" gegeben.

Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Oekonsult vom Mai waren knapp 80 Prozent der Österreicher der Meinung, die Rettungsgasse funktioniere nicht. Trotz aller Kritik standen 74,4 Prozent der Idee der Rettungsgasse grundsätzlich positiv gegenüber. (red, derStandard.at, 9.8.2012)

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    "Die Rettungsgasse funktioniert noch immer wenig bis gar nicht", sagt Oberst Josef Binder von der Wiener Verkehrspolizei.

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