Assads Protokollchef dementiert Fahnenflucht

Al-Arabiya hatten beauptet, Moheddin Muslimani sei desertiert - Türkische Krankenwagen sollen Waffen transportieren

Damaskus/Beirut - Der Protokollchef des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad, Moheddin Muslimani, hat bestritten, zu den Aufständischen übergelaufen zu sein. "Diese Berichte sind ohne Grundlage, ich erfüllen meine Pflicht im Präsidentenpalast", zitierte ihn die staatliche syrische Nachrichtenagentur SANA am Donnerstag. Wenige Stunden zuvor hatte der saudische Nachrichtensender Al-Arabiya berichtet, Muslimani habe sich der Opposition angeschlossen.

Türkische Krankenwagen transportieren nach Angaben eines Oppositionspolitikers regelmäßig Waffen und Munition über die Grenze nach Syrien. Auf dem Rückweg würden mit den Fahrzeugen verwundete Kämpfer der bewaffneten syrischen Opposition in die Türkei gebracht, sagte der Abgeordnete Mevlüt Dudu türkischen Medien vom Donnerstag. Dudu vertritt im Parlament in Ankara die Grenzprovinz Hatay und besuchte kürzlich die Grenzregion.

Unter Berufung auf Bewohner türkischer Grenzdörfer sagte Dudu, einige Häuser in der Region würden als Befehlsposten der syrischen Opposition genutzt. Bei seinem Besuch sei er auch auf Kleinlaster gestoßen, die Medikamente und Treibstoff über die Grenze nach Syrien schafften, sagte der Politiker der linksnationalen Oppositionspartei CHP. Es sei klar, dass die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan von diesen Vorgängen wisse. Im vergangenen Jahr hatte ein anderer CHP-Politiker berichtet, auf dem Schwarzmarkt in Syrien fänden sich viele Waffen aus türkischer Herstellung.

Erneuter Beschuss von Aleppo

Die syrische Armee hat nach Angaben oppositioneller Aktivisten am Donnerstag die nordwestliche Stadt Aleppo erneut unter schweren Beschuss genommen. Die Viertel Hanano, Sakhour, Chaar und Seif al-Dawla seien in der Nacht von Regierungstruppen beschossen worden, teilte die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte unter Berufung auf Angaben von Aktivisten und Zeugen vor Ort mit. Örtliche Koordinierungskomitees, die in Syrien den Aufstand organisieren, bestätigten die heftigen Angriffe.

Am Mittwoch waren der Beobachtungsstelle zufolge landesweit mindestens 167 Menschen getötet worden, darunter fast hundert Zivilisten. Allein in Aleppo starben demnach 33 Menschen. Die Kämpfe um die strategisch wichtige Wirtschaftsmetropole gelten als entscheidend in dem blutigen Konflikt. Am Mittwoch meldete die Armee zunächst die Einnahme der Rebellenhochburg Salaheddin. Später erklärten die Rebellen jedoch, einen Teil des Viertels zurückerobert zu haben.

Unterdessen sind 160 syrische Migranten am Dienstagabend in Kalabrien eingetroffen. Sie erreichten die Küste an Bord eines 20 Meter langen Fischerbootes, nachdem sie von der italienischen Küstenwache gesichtet worden waren. Unter den Migranten, die eigenen Angaben zufolge aus politischen Grünen ihre Heimat verlassen hatten, befanden sich auch 48 Kinder. Alle Flüchtlinge sind wohlauf, sie wurden in ein Flüchtlingslager untergebracht. 

Mehr als 50.000 syrische Flüchtlinge in der Türkei

Die Zahl der syrischen Flüchtlinge im Nachbarland Türkei ist nach offiziellen Angaben auf mehr als 50.000 gestiegen. Allein in den vergangenen beiden Tagen hätten mindestens 2000 Syrer wegen der anhaltenden Kämpfe ihre Heimat verlassen, teilte die türkische Katastrophenschutz-Behörde am Donnerstag mit. Es werde befürchtet, dass der Flüchtlingsstrom insbesondere aus der umkämpften Millionenstadt Aleppo weiter ansteigen werde. (APA, 9.8.2012)

Share if you care