Ausstellung: "Willkommen in Österreich"

  • Lockmittel auf Papier: Bernd Steiner zeichnete 1933 ein Plakat in Sachen Badefreuden, Arthur Zelger setzte das Tiroler Gebirgsland 1973 in Szene, und Joseph Binder wird das Plakat zugeschrieben, das auf Französisch für das Land der Berge wirbt.
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    foto: österreichische nationalbibliothek

    Lockmittel auf Papier: Bernd Steiner zeichnete 1933 ein Plakat in Sachen Badefreuden, Arthur Zelger setzte das Tiroler Gebirgsland 1973 in Szene, und Joseph Binder wird das Plakat zugeschrieben, das auf Französisch für das Land der Berge wirbt.

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Eine Ausstellung im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek zeigt heimische Tourismusplakate und Fotos aus 70 Jahren

Freilich lassen sich diese Orte alle auch heute noch besuchen: Bad Gastein mit seinem rauschenden Wasserfall, der einst Billy Wilder um den Schlaf brachte, Bregenz am Bodensee, wo noch heute Ausflugsdampfer kleine Rauchwölkchen in den blitzblauen Himmel rülpsen, oder Bad Ischl, wo schon Kaiser Franz Joseph dem Halali frönte und dem Büchsenknall lauschte. Heutigen Ausflügen in diese und andere heimische Tourismusflecken setzt die Österreichische Nationalbibliothek derzeit aber etwas drauf, nämlich eine historische und künstlerische Komponente. 

Heile Welt und klassische Malerei

Auf rund 70 Plakaten sowie Fotos, aber auch in Broschüren und Reiseführern aus der Zeit von 1900 bis in die 1970er-Jahre zeigt die Ausstellung "Willkommen in Österreich - Eine sommerliche Reise in Bildern" , wie die Landschaften einst in Szene gesetzt wurden. Logo, dass in einem Land mit Bergen wie Sand am Meer die Tourismusmanager, die früher noch Direktoren hießen, vor allem auf Gipfel und Wipfel setzten. Die Schau, die sich aus Beständen des Bildarchivs und der Grafiksammlung der Nationalbibliothek zusammensetzt, wird zu einer Zeitreise in die Monarchie, die Zwischen- und Nachkriegszeit und einem äußerst bunten Trip für die Pupille. Die Bildsprache reicht von heile Welt à la Heimatfilm bis hin zu einem Stil, der der klassischen Malerei nahekommt.

Die Plakate zeigen zum einen eine von Margeriten gekitzelte Schöne, die sich im zitronengelben Badeanzug in der Wiese rekelt , während ihr Blick auf den Hügeln des Mühlviertels ruht, zum anderen einen grafisch großartig inszenierten Sprungturm an einem der vielen österreichischen Seen. Viele dieser Blickfänge, die zum Teil ganze Geschichten erzählen, stammen von bekannten Gebrauchsgrafikern - Protagonisten eines Berufszweigs, der ab den 1920er-Jahren dem immer wichtiger werdenden Medium Plakat Farbe und Motiv verlieh. 

Farbenfroh und wohlüberlegt

In der Ausstellung sind unter anderem zu finden: Joseph Binder oder Arthur Zelger. So verschieden die gezeigten Orte und Motive auch sein mögen, zwei Dinge einen sie. Zum einen sind sie farbenfrohe Zeugen aus mehreren Welten von gestern, in welchen man sich noch zweimal überlegte, auf den Auslöser seiner Kamera zu drücken, zum zweiten hatten sie alle denselben Zweck: Werbung zu machen. Die Menschen sollten ihre traute Umgebung verlassen, in den Urlaub, Pardon, zur Sommerfrische aufbrechen, und das in Österreich. Korrekterweise sei hier erwähnt, dass es in der Ausstellung unter anderem auch Motive aus Grado zu sehen gibt, das zwar nicht politisch, aber doch touristisch bis heute ruhigen Gewissens zu Österreich gezählt werden darf. (Michael Hausenblas, Rondo, DER STANDARD, 10.8.2012)

"Willkommen in Österreich - Eine sommerliche Reise in Bildern",
Österreichische Nationalbibliothek, Prunksaal, Josefsplatz 1, 1010 Wien. Bis 28. 10.
Zur Ausstellung erschien ein umfangreicher Katalog.

Informationen: Österreichische Nationalbibliothek

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