Mordprozess gegen Frau von Ex-Funktionär Bo Xilai beendet - Urteil folgt

9. August 2012, 06:56

Gu Kailai droht Todesstrafe - Soll britischen Geschäftsmann vergiftet haben

Hefei - Nach nur einem Verhandlungstag ist der Mordprozess gegen die Ehefrau des entmachteten chinesischen Politikers Bo Xilai am Donnerstag zu Ende gegangen. Gegen Gu Kailai und einen Hausangestellten war im Juli in Hefei Anklage wegen Mordes am britischen Geschäftsmann Neil Heywood erhoben worden. Das Gericht in der ostchinesischen Stadt Hefei habe sich nach siebenstündiger Sitzung zu Beratungen vertagt, sagte der stellvertretende Gerichtspräsident Tang Yigan. Das Urteil soll zu einem noch nicht bekannten Termin verkündet werden.

Viele Experten rechnen mit einer raschen Verurteilung wegen Mordes. Gu droht die Todesstrafe. Es wurde ihr verwehrt, einen eigenen Anwalt zu berufen. Ihr wurde ein Pflichtverteidiger zur Seite gestellt.

Anklage wurde nicht widersprochen

Bei einer Pressekonferenz im Anschluss an die Verhandlung wurde mitgeteilt, dass Heywood betrunken gemacht und anschließend vergiftet worden sein soll. Gu und der Hausangestellte hätten der Anklage nicht widersprochen, sagte Tang Yigan. Weder die Beschuldigten noch ihre Anwälte haben sich öffentlich zur Anklage geäußert.

Die Staatsanwälte hätten berichtet, dass Gu in der Nacht vom 13. November in das Hotel Heywoods gekommen sei und mit diesem Wein und Tee getrunken habe, berichtete Tang. "Als Heywood betrunken war, sich übergab und Wasser haben wollte, nahm sie ein vorbereitetes Gift und schüttete es ihm in den Mund, was ihn tötete", sagte Tang. Das Gift habe ihr der Hausangestellte Zhang Xiaojun gebracht.

Tang wiederholte, was die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua bereits vor einigen Wochen berichtet hatte: Gu habe einen Streit mit Heywood über Geld gehabt und befürchtet, dass die Sicherheit ihres Sohnes gefährdet sei. Heywood unterhielt enge Beziehungen zur Familie Bo.

Anderen Quellen zufolge soll Gu mit Hilfe Heywoods versucht haben, Geld ins Ausland schaffen. Als der Plan drohte aufzufliegen, soll sie Heywood umgebracht haben - aus Angst, die Ereignisse würden der Karriere ihres Mannes schaden. Bo war damals für höchste Parteifunktionen im Gespräch. Der Skandal über Heywoods Tod kam im Februar ans Licht.

Internationale Medien nicht zugelassen

Der Prozess fand unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Dutzende Polizisten und Sicherheitskräfte in zivil überwachten die Zugänge zum Gericht, Spezialfahrzeuge der Polizei parkten vor dem Gebäude. Internationale Medien waren zum Verfahren nicht zugelassen. Gleichwohl war aufgrund der Nationalität des Opfers zwei britischen Diplomaten die Teilnahme an der Verhandlung erlaubt worden.

Gus Ehemann Bo Xilai war im März dieses Jahres als Chef der Kommunistischen Partei in der Region Chongqing abgesetzt worden. Am 11. April verlor der charismatische Politiker seinen Sitz im Politbüro der Partei, während seine Frau am gleichen Tag unter Mordverdacht festgenommen wurde. Der schillernde Kriminalfall und der Sturz von Bo Xilai sind für die Kommunistische Partei in China zu einer Belastungsprobe geworden. Sie haben die Vorbereitungen für den im Herbst geplanten Generationswechsel an der Spitze der Partei durcheinandergewirbelt.

Die Staatsmedien nannten das Verfahren einen Test für die Rechtsstaatlichkeit Chinas. Kritiker wittern hinter dem Verfahren hingegen politische Motive. Sie gehen davon aus, der Prozess gegen Gu solle vor allem ihrem Mann Bo das Wasser abgraben. Der populäre Politaufsteiger hat sich in China dem Vernehmen nach eine Reihe von Feinden gemacht. (APA, 9.8.2012)

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9 Postings
Eine böse politische Intrige

Offensichtlich wurde ein Engländer umgebracht, vergiftet.

Doch viele finden es unverständlich, dass hier nun eine (es gilt die Unschuldsvermutung oder auch nicht, denn sie hat gestanden) des Mordes verdächtige Politikerin angeklagt wird.

Klar, dass tut man nicht.

Da zeigen wir uns in D (wie auch in Ö)
rechtsstaatlich vorbildlich.

Bei uns können noch so viele Beweise auftauchen - wenn da einer gebarschelt wurde - bevor man diese Beweise anschaut, sind sie lange weg.
Und das geschieht sehr häufig - ich denke da nicht nur an die "Konfetti-Affäre", an 100.000,00 bar in einer Schreibtischlade, an Klein-Klein, an Ulrich Schmücker ...
und an Grasser, Strasser, Scheuch ...

So denn, China: Folgt uns auf diesem Rechtspfad!

Chinas alte Elite gerät logischer Weise immer mehr in die Fänge der Finanziellen Internationalen, die das globale Spiel auf ihre Weise -und vor allem nach ihren "Regeln"(=mir san mir)- spielen will. Sicher spielen auch die Interessen der privaten…

…FED mit,…
http://tinyurl.com/boleta4
…wie auch in "bewährter" Manier versucht wird, den Telekommunikationssektor in feste Hände z.bekommen,…
http://tinyurl.com/9b83684
…nachdem die internationalen Privat-Banken nach der "Öffnung" sowieso ihre Agenda auch in China exekutieren dürfen.

Die GCHQ ist übrigens das britische Gegenstück zur "amerikanischen" NSA.

Noch ein kleiner FS3-TIPP zum Nachdenken:

Wenn 1997 behauptet wurde, daß Hong Kong wieder an China "zurückgegeben" wurde ist das nicht ganz richtig. Wirtschaftlich gesehen, wurde eigentlich China IN Hong Kong einverleibt…

Die Kommunisten flüchteten übrigens vor Chiang Kai-Sheks Verfolgung 1927 nach diesem "Duftenden Hafen" und Mao Tse-tung genoß eine "Yale"-Ausbildung.

Gu kann die Todesstrafe vermeiden

Denn sie hatte alle Anklagen sofort gestanden, also der Mordprozess gegen sie bald beendet wird, und das Gesicht Chinas auch erspart werden kann.

natürlich spielen in einem solchen prozess immer mehrere interessen mit ein - wenn der staat aber wirklich grösse beweisen will, wird er diesmal nicht die todesstrafe verhängen. abgesehen davon, dass es (zumindest für mich) das richtige wäre, würde das den westlichen regierungen (wenns schon um politische spiele geht) viel eher gegen den strich gehen, als wenn sie die todesstrafe vollziehen würden.

Politische Motive?

Sicher sind es politische Motive, wenn ein Staat einen Mord ahndet.
Es sind auch politische Motive, wenn ein Staat ehemalige Regierungsmitglieder, denen eine Fülle von Korruptionsfällen vorgeworfen wird, aus Prinzip nicht anklagt.
Es ist eine zutiefs politische Frage, ob alle Bürger gleiches Zugang zum Recht und gleichen Schutz vor Übergriffen haben.

Ohne die chinesischen Rechtsverhältnisse wirklich zu kennen... diese unterschwelligen Unterstellungen der APA ohne irgendwelche Fakten halte ich für eine journalistische Bankrotterklärung.

Nun Sie kennen das Rechtssystem in China nicht.

Ich schon. Es ist eben leider in China nicht so, dass alle Menschen die gleichen Rechte haben. Manchmal wird in China ein Mord geahndet, wenn der beschuldigte wichtig oder reich war, oder der Taeter der Partei ein Dorn im Auge ist, manchmal nicht. Oft wird man in China auch abgeurteilt obwohl man unschuldig ist. Oft wird man freigesprochen weil der Richter geschmiert wurde.

Zu dem Fall: Das sich besagte Dame schon mal vollstaendig schuldig bekennt, weist stark darauf hin, das sie bereits einen deal mit der Partei hatte. 'Bekenn Dich schuldig und wir toeten Dich nicht, verurteilt wirst Du so oder so ... ' Auch die Schnelligkeit des Prozesses spricht dafuer das wiedermal nichts sauber abgelaufen ist.

Ist nicht nur in China so, dass nicht alle Menschen die gleichen Rechte haben. Ersetzen Sie Ihren Text mit einem X-beliebigen Staat und er ist immer noch gültig. Es ist übrigens auch in Österreich ein Geständnis strafmildernd. Ganz ohne China Bashing.

...misstraue ich der chinisischen Judikatur. Siehe AI WEI WEI, dem bekannten Regimekritiker und Künstler wurde! Er wurde wegen Steuerhinterziehung und Fluchtgefahr angeklagt, sofort ins Gefängnis geworfen und gefoltert. Erst auf den Druck der internationalen Öffentlichkeit wurde er nach einem Schnellverfahren aus der Haft entlassen.
Wie man hört, ist der Mann der Angeklagten ein sehr einfluss- und aussichtsreicher Politiker gewesen, der wahrscheinlich jemanden im Weg war. Dazu kommt die Frage, warum sollte die Angeklagte - einst eine bekannte Anwälten - auf so ungeschickte Weise sich ihres Geschäftspartners entledigen?

so viel ich weiß

weigerte sich der geschäftsmann trotz schleppender geschäfte dem sohn der beschuldigten weiterhin die irrsinnig teure ausbildung in england zu bezahlen, obwohl das söhnchen nix weiterbrachte und auf prinz macht.
ich weiß allerdings nicht, ob das so stimmt, stand aber so in verschiedenen zeitungen.

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