Ein Erfolgsrezept

ÖBB-Inserate in der "Krone": Dichand sagte: Klar, machen wir! Kostet 500.000 Euro

Ein Mann , nennen wir ihn Werner Faymann, hat als Wiener Wohnbaustadtrat aus seinem großen Budget viele, viele Millionen an Zeitungen verteilt, meist an die Krone, aber nicht nur. Das war für Beilagen, in denen - mit vielen Bildern des Wohnbaustadtrats - zu erfahren war, dass die Gemeinde Wien (bzw. ihr nahestehende Firmen) Wohnbauten errichtet. Die Leser wussten dann: ah, da gibt's Wohnungen.

Die Zeitungen waren auch nicht böse über Faymann wegen der Einnahmen. Als nun Werner Faymann Infrastrukturminister wurde, mit Zugriff auf die ÖBB und die Autobahnfirma Asfinag, fragte er seinen Vertrauensredakteur bei der Krone, Claus Pándi, ob man dieses Erfolgsrezept nicht wiederholen könne? Und die oberste Instanz, den inzwischen verstorbenen Krone-Herausgeber Hans Dichand, fragte er auch. Und siehe, Dichand sagte: Klar, machen wir! Kostet 500.000 Euro. Und so erschien eine Serie, in der sich Krone-Leser beim Infrastrukturminister über die ÖBB beschweren durften. Bezahlen durften das die ÖBB (deren damaliger Chef angeblich "begeistert" war). Die Staatsanwaltschaft ermittelt deswegen gegen den nunmehrigen Kanzler (Faymanns Einvernahmeprotokoll kam jetzt ans Licht).

Ist das Verhalten Faymanns, sich auf Staatskosten die Krone (und andere) günstig zu stimmen, strafrechtlich Untreue? Möglich, aber nicht sicher. Ist das, politisch gesehen, Machtmissbrauch? Ja. (Hans Rauscher, DER STANDARD, 9.8.2012)

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